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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 05/2016 |

Ramschware? Oh nein: Lebensmittel!

Dumpingpreise auf dem Lebensmittelmarkt
von Rolf Euler

Wir haben natürlich einen «Keine-Reklame»-Aufkleber auf dem Briefkasten. Aber die kostenlosen Zeitungen schwemmen jede Woche jede Menge Reklame ins Haus. Unser alter Druckergenosse sagte schon vor zehn Jahren: Wir produzieren 98% für die Papiertonne…!

Aus den Wochenendprospekten der Lebensmittelhandelsketten fiel mir in den letzten Wochen folgendes ins Auge, dort jeweils als «billiger» oder «Sonderangebot» deklariert oder «nur für 3 Tage»:

Putenrollbraten 3,99 Euro das Kilo.

Hackfleisch gemischt 1,59 Euro für 500 Gramm.

Und: «Für Deine Besten nur das Beste»: Schweinenacken das Kilo 3,99 Euro (alle Kaufland).

Aus einem anderen Prospekt und einer anderen Woche (REWE):

Schinkenkrustenbraten 2,99 Euro das Kilo,

frische Putenhaxen aus dem Oldenburger Land 2,22 Euro das Kilo.

«Nur Montag»: Hähnchenschenkel «aus kontrollierten Betrieben» 0,14 Euro für 100 Gramm – also 1,40 Euro das Kilo.

«Deutschland schmecken und entdecken»: Schwarzwälder Schinken 1,29 Euro für 100 Gramm, und andere «Köstlichkeiten» zu Sonderpreisen…

Da will «40 Jahre toom-Markt» nicht zurückstehen. Hackfleisch noch billiger: 3,76 Euro das Kilo, nur die Hähnchenschenkel sind 10 Cent teurer als einige Tage später bei Kaufland: 1,50 Euro für ein Kilo.

Zur gleichen Zeit melden die Zeitungen, die Landwirte erheben schwere Vorwürfe gegen die Lebensmittelketten, sie drücken die Preise bei allen landwirtschaftlichen Produkten, vor allem bei Fleisch und Milch. Im März gab es einen Aktionstag, die «Situation sei existenzbedrohend», heißt es bei Verbandsvertretern. Man verweist auch auf das Embargo gegen Russland: dorthin gab es vorher viele Exporte, die nun weggefallen sind, und da diese Mengen im Markt sind, können die Preise weiter runter gesetzt werden.

Aldi und Co. verkaufen die Milchschwemme zu Dumpingpreisen. Leiharbeiter und Billiglöhner aus Osteuropa produzieren in Schlachthöfen zu unmenschlichen Bedingungen. Massentierhaltung führt zu Resistenzen bei Antibiotika auch bei den Landwirten, die damit zu tun haben. Nicht nur Atrazin wird im Grundwasser nachgewiesen wegen der massenhaften Maisproduktion, sondern nun auch Glyphosat im Bier.

Der Landwirtschaftsvertreter im Kreis «setzt auf den Verbraucher», er soll mehr Geld für Lebensmittel ausgeben. Das ist angesichts der oben genannten Angebote ein frommer Wunsch. Hinzu kommt, dass im Ruhrgebiet ein großer Teil der Hartz-IV-Empfänger auf diese billigen Lebensmittel, einschließlich der Tafeln, verwiesen wird. Letztlich wurden die Bedarfssätze so berechnet, dass nur die billigste Lebensmittelbeschaffung überhaupt eine Nahrungsmittelversorgung ermöglicht.

So kann keine gesunde Ernährung als Bestandteil einer Teilhabe am normalen gesellschaftlichen Leben funktionieren. Und so können auch Bauern nur mit extremer Rationalisierung, Zunahme der Massenproduktion, Einsatz von lebensfeindlichen Spritz- und Düngemitteln scheinbar über die Runden kommen.

Es gibt Alternativen: weiter denken!


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