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Krimi: Malla Nunn: Tal des Schweigens

Hamburg: Argument, 2015. 317 S., 13 Euro
von Udo Bonn

Südafrika 1953, Detective Sergeant Emmanuel Cooper sitzt nach acht Jahren immer noch der Krieg in Europa in den Knochen und in der Seele. Seine Polizeikarriere ist auf dem absteigenden Ast, zu wenig passt er in die Farbskala des Apartheidregimes. Er hat gerade mit der Frau geschlafen, die sein Chef demnächst heiraten will, da ruft dieser ihn an: Es gibt eine Chance, aus dem beruflichen Desaster herauszukommen, wenn Cooper sich direkt in die Drakensberge aufmacht, wo auf einem einsamen Felsenplateau die Leiche einer jungen Frau gefunden worden ist.

Wenn es sonst schon keine Chance gibt, muss diese jetzt genutzt werden. Zusammen mit dem Zulu-Detective Shabalala bricht der Stadtpolizist aufs Land auf.

Amahle, die schöne Tote, war die Tochter des Zulu-Chiefs, die Leiche geschmückt mit Blumen und hatte nach ihrem Tod wohl einen Wächter, der sie vor wilden Tieren schützte. Erkennbar ist nicht, woran sie gestorben ist. Und dann wird in den Bergen auch die Leiche  eines jungen Mannes gefunden. Beide hatten bei den gleichen englischen Herrschaften als Bedienstete gearbeitet. Aber für Amahle war das keine Zukunft. Sie wollte weg von dem Kral, weg von der Perspektive, für die Vergrößerung der väterlichen Herde verheiratet zu werden. Musste sie deshalb sterben?

Bei ihrer Untersuchung treffen die beiden Detectives auf die bigotte Atmosphäre einer Kleinstadt, einen Polizisten, den der Tod einer Schwarzen nicht kümmert, dynamische junge Kämpfer, die selber für Gerechtigkeit sorgen wollen. Und immer wieder kommen sie mit Frauen zusammen, die ihre Bedürfnisse verheimlichen müssen, die unter der gewaltsamen Knute der Ehemänner leben müssen oder deren Wertigkeit unter denen des Viehs gehandelt werden.

Malla Nunn gelingt es mit einer nahezu poetischen Ruhe, den Leser in Tal des Schweigens in die karge südafrikanische Landschaft und in die sozialen Verhältnisse hineinzuführen, die Bilder im Kopf entstehen lässt, die anhalten.

 


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