Bayer will Größter werden


Quelle: SoZ – Sozialistische Zeitung
Website: https://www.sozonline.de
Artikel-Link: https://www.sozonline.de/2016/07/bayer-will-groesster-werden/
Veröffentlichung: 01. Juli 2016
Ressorts: Gemeingüter, Klima, Landwirtschaft, Startseite

Mit dem Monsanto-Deal wäre die Zulassung von Glyphosat in der EU kaum noch zu verhindern
von E.André Waldmann

Die Bayer AG will den in der Öffentlichkeit verrufenen US-Konzern Monsanto übernehmen. Am 23.Mai 2016 legte der Konzern ein offizielles Kaufangebot in Höhe von 62 Mrd. US-Dollar vor, das entspricht einem Barangebot von 122 US-Dollar pro Aktie. Es wäre der mit Abstand größte Zukauf in der Bayer-Geschichte. Das Management von Monsanto lehnte das Angebot als «zu niedrig» ab, für konstruktive Gespräche sei man aber offen.

Mit der Übernahme würde Bayer zum größten Agro-Saatgut- und Agro-Chemikalien-Anbieter weltweit und käme einem Monopolisten gleich. Die Kombination von (Gen-)Saatgut, Pflanzenschutz, Biologika (eine neue Klasse von Medikamenten, die in das Immunsystem eingreifen) und Digital Farming (IT-Lösungen für den Agrarsektor) würde die Abhängigkeit der Bauern und Farmer von einem Bayer-Monsanto-Konzern größer denn je machen.

Die Gewinne würden, wie bei Bayer-Pharma, höher ausfallen. Im Teilkonzern Bayer-Pharma werden exorbitante Gewinne, u.a. durch ein Monopol auf bestimmte Patente, erwirtschaftet. Diese Gewinne sollen jetzt zur Übernahme von Monsanto genutzt werden. Etwa 25% des Kaufpreises bestreitet Bayer aus eigenen Mitteln. Lediglich ein kleiner Nörglerkreis aus dem Kapitalspektrum warnt vor der Übernahme, weil Bayer sich dadurch zu stark verschulde. Der Kurs der Bayer-Aktie fiel nach Bekanntwerden der Übernahme auf unter 85 Euro.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Nationalisten mit der Übernahme sympathisieren, weil damit ein deutscher Konzern wieder Weltspitze wäre.

Dunkle Wolken
Zur Zeit ziehen allerdings dunkle Wolken über der Übernahme auf. Monsanto ist wie jedes kapitalistische Unternehmen auf Extraprofite aus. Deshalb will es mehr als die überteuerten 122 US-Dollar pro Aktie. Und es will sich nicht in die Bücher gucken lassen, zumal der Gewinn rückläufig und möglicherweise, bei den bestehenden Risiken, zu hoch angesetzt ist. Bayer wiederum will sein Angebot vorerst nicht aufstocken, zumindest nicht bevor es in die Geschäftsbücher von Monsanto geschaut hat. Ein typisches Unternehmensgeschacher!

Wer solch raffgierigem Kapitalismus nicht das Wort redet, hat große Bedenken gegen den Deal. Aber die scheinen Nebensache zu sein, denn in Deutschland wie in den USA herrscht Kapitalismus – und im Kapitalismus werden interessante kleinere Firmen normalerweise gefressen; hier und jetzt könnte es Monsanto sein, wenn nicht noch etwas dazwischen kommt. Bayer hat auch schon viele andere Firmen geschluckt, wie z.B. Schering im Jahr 2006/2007 für 17 Mrd. Euro.

Monsanto macht in Gentechnik, hat unzählige Patentprozesse und ist verantwortlich für jede Menge Umweltschäden: Kaum ein Konzern hat weltweit solch einen verheerenden Ruf wie Monsanto. Umfragen zufolge gehört es zu den am meisten gehassten Unternehmen der USA.

– Dirk Zimmermann ist Agrarexperte bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace und betont bzw. befürchtet, dass eine größere Konzentration zu weniger Vielfalt und höheren Saatgutpreisen führt.

– Robert Habeck, grüner Umweltminister von Schleswig-Holstein, reiht sich bei den Kritikern ein: «Die Konzentration der Macht über Saatgut und Pflanzenschutzmittel zwingt Landwirte in der EU, aber auch in Entwicklungs- und Schwellenländern, in die totale Abhängigkeit», erklärt er gegenüber der Rheinischen Post.

– Anton Hofreiter (Grünenchef, MdB) sagt richtigerweise: «Gentechnik und Pestizide sind keine Zukunfts-, sondern Risikotechnologien.»

Monsanto ist besonders wegen seines Umgangs mit den Landwirten in der Kritik. Sie müssen stets neues Saatgut von Monsanto kaufen – viele Bauern kommen in Abhängigkeit von Monsanto und sind deshalb hoch verschuldet.

Die Beschäftigten des Teilkonzerns Bayer CropScience (Bayer-Agrar Deutschland mit Sitz in Monheim bei Leverkusen) sehen in ihrer großen Mehrheit den Kauf skeptisch. Neben ihrer Kritik am Image von Monsanto, an dessen Geschäftsgebaren und den bestehenden Risiken wegen der Prozesslawine, vor der Monsanto steht, befürchten sie, dass Bayer Geschäftsbereiche wie etwa die Tiergesundheit verkaufen muss, um die nötigen Finanzmittel zu generieren.

Auch von weniger kapitalismuskritischen Personen kommt also Kritik.

Einige «Experten» kritisieren den Deal, weil Monsanto Glyphosat produziert und massenhaft zum Einsatz bringt bzw. verkauft. Glyphosat ist z.Z. stark in der Kritik, weil es wahrscheinlich krebserregend ist. Könnte Bayer nach dem Kauf kein Glyphosat mehr auf den Markt bringen, wäre der Kauf ein Flop.

Flops werden nicht gemacht
Hier sei den Kritikern jedoch gesagt: Bayer wird schon im Vorfeld mit den Zulassungsentscheidern in der EU gesprochen haben. Nachdem sich die Bundesregierung bei den Zulassungsrunden für Glyphosat mehrfach enthalten – also weder für noch gegen seine Zulassung gestimmt – hat, wird die EU-Kommission die Entscheidung allein treffen, und zwar zugunsten von Bayers Extraprofiten: In kürze, voraussichtlich noch im Juni dieses Jahres, soll es eine Zulassung für ein bis zwei Jahre geben. Genau das hatte Monsanto erhofft, mit einem starken Partner wie Bayer aus der EU. Sollte es nicht zu einer Übernahme durch Bayer kommen, hat Monsanto mit den Übernahmeverhandlungen dann trotzdem einen sehr guten Schachzug gegenüber der EU-Kommission gemacht!

Dabei wäre es so wichtig, Glyphosat zu verbieten, denn viele Planzen und auch das Saatgut von Monsanto wurden nicht für den Bauer oder Verbraucher optimiert, die Pflanzen wurden gentechnisch so verändert, dass sie Glyphosat vertragen. Die Folge ist ein massenhafter Einsatz von Gyphosat auf den Feldern, damit die «Unkräuter» absterben und die (gentechnisch veränderten) Nutzpflanze unbeschädigt bleibt.

Ein Verbot von Glyphosat würde einen großen Teil des Saatguts von Monsanto sinnlos und seinen Einsatz in der EU unmöglich machen.

Mit der Übernahme durch Bayer wird ein Verbot schwieriger! Dann geht es um deutsche Arbeitsplätze und deutsches Geld. VW lässt grüßen! Auch VW brauchte in der EU keine großen Strafen wegen der Manipulation der Motoren und der daraus folgenden massenhaften Umweltschäden zu befürchten!

Da Bayer auch bei TTIP ein großer Player (und Berater bei den Verhandlungen) ist, wird der Weg für die Übernahme letztendlich nicht versperrt werden. Zumal die USA daran interessiert sind, gentechnisch veränderte Pflanzen in der EU anbauen bzw. verkaufen zu dürfen!

Verlierer sind die Bauern und die Verbraucher. Nur, die wissen oft nicht, dass sie die Verlierer sind!