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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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An den Rand notiert

Josef Capek neu entdeckt
von Rolf Euler

Ich staune, wie angesichts der europaweiten Rechtsentwicklung plötzlich eine Ausstellung in der «Provinz» in die Zeit tritt: Karikaturen von Josef Capek, dem tschechischen Autor, Zeichner und Verfolgten. Das Recklinghäuser Museum für Stadtgeschichte zeigt zu den Jahrestagen der Pogromnacht und zum Ende des Ersten Weltkriegs eine Ausstellung, die dem Leben und den Karikaturen eines in der Tschechoslowakei gut bekannten Künstlers gewidmet ist.

Der 1887 geborene Josef Capek schrieb und malte, zum Teil gemeinsam mit seinem Bruder Karel (geboren 1890), nach dem Ersten Weltkrieg gegen das Grauen des Krieges an. Er gestaltete Kinderbücher, die eine große Verbreitung und viele Übersetzungen erlebten, auch noch nach 1945.

Ab 1933 karikierte Josef Capek den Vormarsch der Nazis. Er zeigte die Stiefel, die antijüdischen Ausschreitungen, die militärische Erziehung der Jugend, die Kriegsvorbereitungen. Er mahnte mit seinen Karikaturen und Bildern eindringlich vor der kommenden Katastrophe. Während des Spanischen Bürgerkriegs, in den die deutsche Luftwaffe mit Bomben eingriff, zeichnete er die Leiden der Menschen. Sein Bruder Karel starb 1938 kurz nach dem Abschluss des Münchener Abkommens zwischen Hitler und den Engländern, als es um den Anschluss Böhmens ging. Josef zeichnete weiter, er ging trotz der dringenden Warnungen seiner Freunde nicht aus der Tschechoslowakei weg. Sofort nach Kriegsbeginn am 1. September  wurde er im da schon besetzten Prag verhaftet und in das KZ Dachau überführt. Er konnte auch im KZ noch Zeichnungen herausschmuggeln. Er wurde dann nach Buchenwald und Sachsenhausen verlegt und noch kurz vor Kriegsende nach Bergen-Belsen, wo er wohl kurz vor der Befreiung im April 1945 starb.

Der Leiter der Capek-Gesellschaft, Ulrich Grochtmann, hielt einen bewegenden Einführungsvortrag, neben den Karikaturen wurden in den Vitrinen auch Bücher und Dokumente zum Leben der Brüder Capek ausgestellt und erläutert.

Wer dachte bei der Ausstellung nicht an Syrien, die Türkei oder den gerade erfolgten Wahlgang zum US-Präsidenten? – eine erneute Mahnung gegen Diktatur und Krieg.


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