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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 05/2017 |

Marcel van der Linden: Workers of the World. Eine Globalgeschichte der Arbeit

Frankfurt a.M.: Campus, 2017. 503 S., 39,95 Euro
von Michael Sankari

Die Übersetzung des Buches macht die Veröffentlichung, die vielen Interessierten durch die englische Ausgabe bereits bekannt war, endlich auch einem breiteren, deutschsprachigen Publikum zugänglich. Eigentlich wendet es sich an Interessierte an einer eigenen Forschungsrichtung: der «Globalgeschichte der Arbeit». Aber wer wird sich schon Marxist nennen und dann behaupten, er oder sie hätte damit nichts zu tun?

Wir haben alle damit zu tun. Denn erst durch diese wichtigen Forschungsbeiträge über weltweite Arbeitsverhältnisse und Arbeitsbeziehungen, wie sie für die verschiedenen Epochen und Etappen der Geschichte herausgearbeitet werden können, wird unser Bild von der Geschichte der Arbeit, der arbeitenden Klassen, ihren Bedingungen, Kämpfen, Siegen und Niederlagen so erweitert, dass wir uns leicht vom dumpfem Proletkult und kulturgeschichtlich gewachsenen Bildern und Idealen verabschieden können.

Ein solches Unterfangen muss, das liegt in der Natur der Sache, lückenhaft bleiben. Mühselig fügen sich die Einzelergebnisse zu einem Mosaik zusammen – die herrschende Geschichtsschreibung wird zu großen Teilen immer die der Herrschenden bleiben. Umso entscheidender sind Beiträge wie Workers of the World.

Die Publikation besteht aus vier in sich geschlossenen Betrachtungen. Widmet sich das erste Kapitel den verschiedenartigen «Konzepten der Arbeit» – was durch eine Vielzahl fundierter Beispiele eine bereichernde Lektüre zur schillernden Geschichte der Arbeit ist –, so wird gleichzeitig dem «orthodoxen Marxismus» Tautologie vorgeworfen. Das lässt sich angesichts der vielen wichtigen und anregenden Betrachtungen, die versuchen mit einer eurozentristischen Sicht zu brechen, leicht übersehen.

Im zweiten Kapitel folgen, unter dem Titel «Mutualistische Varianten», spannende Betrachtungen und Einsichten in die verschiedenen Versicherungs-, Produktions- und Konsumgenossenschaften, die die arbeitenden Schichten und Klassen in der uns zugänglichen Geschichte erschaffen konnten.

Das dritte Kapitel dürfte für SoZ-Leser wohl das bereicherndste sein: Hier geht es an eingemachte «Formen des Widerstands». Wir werden daran erinnert, dass der Streik, auch der politische Streik, eben nur eine Form der Ermächtigung unserer Klasse war. Neben den revolutionär-romantischen Bildern gab es auch eine Vielzahl völlig anderer, Widersprüche brutaler austragender oder diese auch übertünchende Formen der Interessendurchsetzung.

Im letzten Kapitel wird der Blick noch einmal geweitet, bis sogar die Iatmul, eine ethnische Bevölkerungsgruppe auf Papua-Neuguinea, uns klar machen, von welch tief sitzenden Stacheln des Eurozentrismus bzw. besser: nordatlantischen Blickwinkels wir uns werden befreien müssen, um zu einer höheren Stufe der Erkenntnis der verschiedensten Arbeitsbeziehungen zu gelangen.

Trotz mancher eingeflochtenen, teils prominent gesetzten Revisionen Marxscher Grundlagen und auch ein wenig deswegen ist das Buch eine absolut empfehlenswerte Lektüre – nicht nur für Studierte.


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