Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2017 > 07 > VioMe vor der Entscheidung

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 07/2017 |

VioMe vor der Entscheidung

Fortbestand durch Zwangsversteigerung bedroht
von Manfred Neugroda

Seit Mai 2011 halten die Arbeiter den Betrieb VioMe im griechischen Thessaloniki besetzt (die SoZ berichtete mehrfach zuletzt in SoZ 3/2016), seit Februar 2013 produzieren sie in Eigenregie und als Arbeiterselbstverwaltung Seifen und Reinigungsmittel, seit letztem Jahr sind sie als Sozialkooperative anerkannt.

Aktuell versucht die Justiz, das Projekt durch eine Eilentscheidung endgültig zu zerstören. Seit dem 29.Mai 2017 ist ein Konkursverwalter per Gerichtsentscheid berechtigt, im Auftrag der früheren Eigentümerfamilie alle beweglichen Vermögensgegenstände auf dem Gelände zu erfassen und unmittelbar an beliebige Interessenten zwangszuveräußern. Damit hat er Zugriff auf den gesamten Maschinenpark und alle Werkzeuge, auf die Rohstoffe und Produkte, auf die den Arbeitern gespendete Fahrzeuge, auf alle beweglichen Güter. Da sich auch eine Zweigstelle der Sozialklinik der Solidarität von Thessaloniki und ein Lager für Hilfsgüter für Flüchtlinge auf dem Gelände befinden, wären auch die medizinischen Geräte und Medikamente sowie Hilfsgüter betroffen, für die es keine Belege gibt, die andere Eigentümer nachweisen. Die Arbeiter von VioMe gehen davon aus, dass der Konkursverwalter versuchen wird, sich mit Polizeigewalt Zugriff auf das Gelände zu verschaffen.

Dagegen steht die Forderung der VioMe-Kollegen, die Fabrikanlagen und Betriebseinrichtungen, in und mit denen sie produzieren, aus der Versteigerungsmasse herauszunehmen und ihnen zur Nutzung zu überlassen, um ihre Produktion fortzusetzen und sie und ihre Familien vor der Arbeitslosigkeit zu schützen.

 

Die Solidarität

VioMe ist immer noch der einzige Betrieb in Griechenland, den die Arbeiter nach der Flucht der Eigentümerfamilie besetzt und dann immerhin seit viereinhalb Jahren in Arbeiterselbstverwaltung fortgeführt haben. Andere Betriebsbesetzungen und Übernahmen konnten sich nicht halten.

Arbeiterselbstverwaltung heißt bei VioMe: wöchentliche Vollversammlung zur demokratischen Entscheidungsfindung; alle verdienen den gleichen Lohn, es gibt Jobrotation, immer wechselnde Kollegen vertreten die Belegschaft bei öffentlichen Auftritten in Griechenland und international.

Die Kollegen von VioMe sind durch viele Veranstaltungen und Feste zu einem Zentrum der sozialen Bewegungen in Griechenland geworden.

Wichtig für das Fortbestehen der Fabrik war und ist die Unterstützung in Griechenland – der Vertrieb der Produkte auf Märkten, bei Festen und Veranstaltungen, an soziale Initiativen, ohne Zwischenhändler direkt an die Verbraucher und international. So haben neben vielen prominenten Einzelpersonen (David Harvey, Naomi Klein, Avi Lewis, John Holloway, Silvia Federici, George Caffentzis, Sergio Tischler, David Graeber, Raúl Zibechi, Giorgio Agamben, Mag Wompel, Moishe Postone, Brendan Martin, Ana C. Dinerstein, Dario Azzellini, Marina Sitrin) sowie Initiativen und Belegschaften in ganz Europa und darüber hinaus, insbesondere in Venezuela und Argentinien, ihre Unterstützung erklärt.

Das Griechenland-Solidaritätskomitee Köln hat seit 2012 Kontakt zu den Kollegen und die politische und materielle Unterstützung in Deutschland mitorganisiert. VioMe-Kollegen waren mehrfach in Köln, wir in Thessaloniki. So gelang es uns 2016, in einer bundesweiten Spendensammlung über 6000 Euro für die Anschaffung eines Transporters zu sammeln, u.a. durch eine große Spende der IG-Metall-Vertrauensleute von Ford Köln.

 

Erklärung

Auf unserer Webseite gskk.eu kann man die Solidaritätserklärung mit den VioMe-Kollegen unterzeichnen.

 

Bitte unterzeichnet die Solidaritätserklärung unter http://gskk.eu


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Schlagwörter:
,
Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.