Daten sammeln, Geld machen


Quelle: SoZ – Sozialistische Zeitung
Website: https://www.sozonline.de
Artikel-Link: https://www.sozonline.de/2017/10/daten-sammeln-geld-machen/
Veröffentlichung: 01. Oktober 2017
Ressorts: Gesellschaft

Weg vom Fenster
von Rolf Euler

Als langjähriger Linux-Nutzer musste ich vor kurzem für einen Vereinsrechner Windows 10 «lernen». Wenn man es nimmt, wie Microsoft das vorgibt, gibt es da anscheinend nicht viel zu lernen, man nutzt die neuen Programme, inzwischen Apps genannt, und gut. Gut?

Nichts ist gut. Es geht nicht nur um die Kacheln auf der Oberfläche, die auf so unnötige Dinge wie Spiele, Twitter, Store, auf Microsoft- oder Google-eigene Programme (Gmail, Edge, OneNote) und den Wetterbericht einen Schnellzugriff versprechen. Die Bedienung der verschiedenen Ebenen und Programme mag manchmal noch an frühere «selige» XP-Zeiten erinnern. Aber sonst scheint Kompliziertheit das Motto zu sein: wenn es darum geht, Änderungen vorzunehmen, wenn es darum geht, die automatisch mitgelieferten Funktionen in ihrer Bedeutung zu erkennen und womöglich abzuwählen.

Das hat seinen Grund. Microsoft verdient nicht mehr genug am Verkauf von Betriebssystemen, die mit den Rechnern zusammen ausgeliefert werden. Sie wollen dich zum Mieter ihrer Programme und Server machen. Einmal Geld? Am besten jedes Jahr! So kann die Software «Office 365» für eine Jahresgebühr nur noch gemietet werden, mit der Verlockung, immer das Neueste zu haben.

Außerdem wird routinemäßig ein Microsoft-Konto eingerichtet, das auf einem Server alle persönlichen Daten und Dateien speichert – mit der Verlockung, von allen Geräten unterwegs darauf zugreifen zu können.

In Windows 10 ist ein sogenannter «persönlicher Assistent» namens Cortana enthalten, der mit einer Spracherkennungssoftware auf Zuruf reagiert. Allerdings nur, wenn die Sprache auf dem MS-Server hinterlegt ist. Dann «sucht» Cortana auf Zuruf die passende App heraus, etwa den Maildienst. Oder startet die Suche nach Begriffen und Bildern im Internet. Oder fragt ganz nach deinen Wünschen: «Was kann ich noch für dich tun?»

Oder man lässt sich von der eingebauten Kamera fotografieren, und das System startet nur, wenn dein Bild mit dem Gesicht vor dem Gerät übereinstimmt. Microsoft nennt das: Persönliche Empfehlungen können verbessert werden.

Ich habe mehrere Infoseiten im Internet gewälzt und mich stundenlang damit beschäftigt, diese fast automatisierten Funktionen, die die Nutzer, ihre Schritte und Daten ständig mit Microsofts Servern verbindet, auszuschalten. Dazu muss man sich seitenweise durch die Systemsteuerung arbeiten, mehrere Schieberegler betätigen, von denen nicht immer klar ist, was die Funktion wirklich auslöst. Ohne eine kritische Bedienungsanleitung, die mehr erklärt, als von Windows gegeben, wäre das nicht gut möglich. Dazu muss man aber auch noch einen Registry-Eintrag ändern, den die Zeitschrift c’t dankenswerterweise Gegnern der Cortana-Nutzung als Link zur Verfügung stellte. Ein Vorgehen, das für Normalnutzende praktisch kaum funktioniert, weshalb Microsoft damit rechnet, dass alle Leute die «Default»-Einstellungen übernehmen – weil sie die mit der Weitergabe der persönlichsten Daten verbundenen Probleme nicht sehen oder nicht wissen, wie man sie vermeidet.

Windows 10 steht damit in einer Reihe mit Google und Facebook, was den – millionenfach gelungenen – Versuch angeht, möglichst viele Daten der Nutzer zu sammeln und zu Geld zu machen.

Einfacher Rat: Weg vom Windows-Fenster so weit es geht, mindestens Ausschalten aller Funktionen, die dich nur ausspionieren.