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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 12/2017 |

Das Bauhaus – ein politisch unliebsames Projekt

Eine szenische Lesung erinnert an den Kulturkampf der Nazis
von Gregor Kritidis

«Wir fordern deshalb größte Sparsamkeit und … sofortige Streichung sämtlicher Ausgaben für das Bauhaus.» Mit dieser Forderung trat die NSDAP zur Gemeinderatswahl am 25.Oktober 1931 an. Zudem sollte «der Abbruch des Bauhaus sofort in die Wege geleitet» werden. Kaum ein Jahr später – vor 85 Jahren – wurde die erste Forderung umgesetzt. Aus diesem Anlass hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt am 19.11. im Bauhaus eine szenische Lesung zur Vertreibung der Kunst-, Design und Architekturschule aus Dessau veranstaltet.

Im August 1932 beschloss der Gemeinderat von Dessau auf Antrag der NSDAP-Fraktion das Ende des Bauhauses in Dessau. Dem vorangegangen war eine jahrelange Kampagne der Rechten gegen den «Baubolschewismus».

Lehrende und Lernende versuchten, mit ihrem kreativen und künstlerischen Engagement den zerstörerischen Kräften standzuhalten, Bauhaus-Befürworter traten in Politik, Industrie und Gesellschaft für die Institution ein. Im Sommer 1932 spitzte sich die Entwicklung jedoch zu. Die NSDAP hatte in Anhalt in Koalition mit den Deutschnationalen erstmals eine Landesregierung übernommen. Eine Gruppe hochrangiger NS-Funktionäre inspizierte das Bauhaus, Hitler trat vor über 30000 Zuhörer in Dessau auf, 80000 SA-Leute marschieren in der Stadt auf und auch bei den Reichstagswahlen im Juli wurde die NSDAP stärkste Fraktion.

Unter dem Eindruck dieser Ereignisse votierte die Mehrheit des Gemeinderats – gegen die Stimmen der KPD-Abgeordneten und bei Stimmenthaltung der SPD-Fraktion – gegen eine Weiterfinanzierung der von Ludwig Mies van der Rohe geleiteten Kunst-, Design- und Architekturschule. Das Bauhaus Dessau wurde zum 1.Oktober 1932 geschlossen.

Die szenische Lesung fragt nach den Besonderheiten des Lebens, Lernens, Lehrens und Schaffens am Bauhaus und rekonstruiert anhand von Originalzitaten und zeitgenössischen Zeitungsartikeln die Debatten um das Bauhaus Dessau. Dabei erweisen sich viele Aussagen der damals Beteiligten als erstaunlich aktuell.

Das Bauhaus ist trotzdem nicht weniger als dreimal in seiner kurzen Geschichte aus politischen Gründen geschlossen worden; und dies sicher nicht, weil einige seiner Studierenden randaliert oder sich an Aufmärschen und Maiversammlungen beteiligt haben. Es ist geschlossen worden, weil sein Programm überkommene Strukturen in Frage stellte, weil es in der Ausbildung neue Wege ging und weil es in Gestaltung und Architektur zur europäischen Avantgarde gehörte. Es ist geschlossen worden, weil die politischen Kräfte der Mitte und links der Mitte, die seine Arbeit ermöglichten – in Weimar die von sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien getragene thüringische Regierung, in Dessau der demokratisch geführte Magistrat unter Oberbürgermeister Hesse – Macht und Einfluss an ihre reaktionären Gegner verloren, die zugleich erklärte Feinde des Bauhauses waren. Diesen Gegnern passte die ganze Richtung nicht – das Programm ebensowenig wie der Lehrkörper, die experimentelle Arbeit ebensowenig wie die internationale Studentenschaft. Ihnen galt das Bauhaus letztlich – so der Kampfbegriff aus der NS-Propaganda – als «kulturbolschewistisch».


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