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Gerth M. Neugebauer: Erde in Not

Wien: Promedia, 2017. 216 S., 19,90 Euro
von Rolf Euler

Alles achtet auf die Klimaentwicklung und die oft fruchtlosen Verhandlungen zur Begrenzung der Treibhausgase. Inzwischen findet jedoch «heimlich» eine weitere Katastrophe für den Planeten statt: die Vernichtung fruchtbaren Bodens durch die globalisierte und technisierte Produktionsweise. Erde in Not titelt Gerth M. Neugebauer sein Buch. Er forscht seit Jahren über Kulturlandschaften, hat seinen Schwerpunkt in Österreich und Spanien und kennt nicht nur die dortige Bodengeschichte.

«Erde» im doppelten Sinne in Not, denn es geht um die fruchtbare Krume, von der das organische Leben auf der Erde abhängt, und damit um die Erde als Planet des Lebens, so wie wir es kennen und wie es bedroht ist.

Neugebauer beleuchtet die besondere Bedeutung des Ökosystems der obersten Erdschicht für die Tiere, Pflanzen und Menschen und deren Lebensraum und Ernährung. Seine Forschung geht zur intensiven Landwirtschaft, zum Landaufkauf durch Konzerne, zur Abholzung, Abgrabung von Wasser, Versiegelung und Urbanisierung der Dörfer und Städte und zu den durch Verkehrsströme vernichteten Nutzflächen.

Er beschäftigt sich hauptsächlich mit der europäischen Siedlungs- und Agrarpolitik und nennt die Gründe der Bodendegradation: Erosion, Rutschungen und Überschwemmungen, Kontamination, Versalzung und Versauerung, Verdichtung und Versiegelung, Wüstenbildung, Einsatz von Dünger und Pestiziden, Mülldeponien und industrielle Reststoffeinträge bei bergbaulichen Aktivitäten. Jedes Jahr gehen auf diese Weise 12 Millionen Hektar Ackerland verloren. Er bezeichnet einen Teil dieser Vorgänge als «Bodenkrieg» der Reichen gegen die Armen, da die Folgen in den Entwicklungsländern schon am weitesten zu spüren sind, und die Bodenvernichtung dort oft aus den Industrieländern «exportiert» wird – siehe die landwirtschaftliche Produktionskette bei Tierfutter, Baumwolle, Kaffee und Bananen, Kokospalmölen.

Ein längeres Kapitel widmet er der kapitalistisch organisierten Landwirtschaft in Spanien sowie den Zuständen in Österreich, mit Schwerpunkt auf den Alpen. Industrielle Gemüseproduktion und Tourismus zugunsten der reichen Länder vertreiben kleinbäuerliche, an den Standort angepasste Wirtschaftsweisen. Dazu kommt die Bodenvernichtung durch Verkehrsflächen und der dadurch vermehrte Schadstoffeintrag.

Neugebauer unterlegt seine Aussagen mit wissenschaftlichen Studien, Forschungen und offiziellen Zahlen und zeigt die Unfähigkeit und den Unwillen politischer Instanzen, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten.

Das Buch enthält ein längeres Kapitel über die «Rettungsversuche», die er zum Beispiel in der Ökologiebewegung und den Stadtgärten, oder auch bei «Einzelkämpferinnen» gegen die Wüstenbildung in Afrika findet. Seine Forderung, eine Bodenethik gegen die Profitinteressen der Agrar-, Bau-, Chemie- und Verkehrsindustrien durchzusetzen, wird mit vielen Argumenten begründet. Hoffen wir, dass auch dieses Buch Ansporn ist, der gefährlichen Entwicklung bei der Vernichtung fruchtbarer Erde gegenzusteuern.


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