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Jan C. Zoellick: Postwachstum. Unser Leben nach dem Wachstumswahn.

isw-Report 110, September 2017. 28 S., € 2,50
von Angela Klein

Mit dem prophezeiten Ende des Verbrennungsmotors ist in der Öffentlichkeit auch ein Diskurs angekommen, der es wagt, das bisherige Mobilitätskonzept, das auf dem privaten Pkw basiert, in Frage zu stellen. Er greift Vorstellungen von einer Lebensweise auf, in deren Mittelpunkt nicht der maximale Produktionsausstoß steht, sondern die beste und ressourcenschonendste Dienstleistung.

Damit hat die Diskussion über «Postwachstum» einen Quantensprung in die Mitte der Gesellschaft hinein gemacht. Der Begriff ist alles andere als eindeutig, die Palette derer, die Modelle von Postwachstumsgesellschaften diskutieren, reicht von Meinhard Miegel (einem Vordenker der Hartz-»Reformen») über Verfechter des Konsumverzichts, die feministischen Ansätze der Bielefelder Schule um Claudia von Werlhof bis hin zu kapitalismuskritischen und ökosozialistischen Ansätzen. Die Debatte war in neuerer Zeit vom sog. Meadows-Report über die «Grenzen des Wachstums» (1972) angestoßen worden, der inzwischen zweimal aktualisiert wurde (1992 und 2009).

Waren die bisherigen Konzepte vom konkreten Geschehen in der Produktionssphäre noch losgelöst, so ändert sich das in dem Maße, wie der Wirtschaft – der Energiewirtschaft und der Automobilproduktion – Konversionsdebatten aufgezwungen werden.

Die Dimension der Arbeit rückt damit stärker in den Mittelpunkt der Debatte über eine Postwachstumsgesellschaft. Sie bildet auch den Schwerpunkt der gleichnamigen Broschüre, die das Münchner Institut für sozialökologische Wirtschaftsforschung (isw) im September herausgegeben hat. Sie gibt einen Überblick über die verschiedenen Konzepte von Degrowth oder Wachstumssenkung, wie die Problemstellung im Englischen treffender heißt, aber auch über die verschiedenen Vorstellung von dem, wie die Arbeitsgesellschaft gestaltet sein sollte, Je nachdem, welches gesellschaftliche Interesse dabei bedient wird, reichen die Antwort vom «grünen Kapitalismus» (also ein im Prinzip endloses Wirtschaftswachstum auf der Basis erneuerbarer Energien) über die ökologische Kreislaufwirtschaft bis zur Arbeitszeitverkürzung und der feministischen Neubewertung von Arbeit.

Schließlich behandelt die Broschüre auch die Art, wie die Gewerkschaften versuchen, mit den  Herausforderungen einer nicht mehr wachsenden Ökonomie fertig zu werden. Auf sie kommt die Aufgabe zu, den unvermeidlichen Umbau der Wirtschaft als Chance zu begreifen, endlich einzulösen, wofür die Arbeiterbewegung seit 200 Jahren kämpft: die Emanzipation von der Lohnarbeit. Immerhin hat der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) in seiner Erklärung anlässlich des COP23 festgehalten, dass hinter das Pariser Klimaschutzabkommen kein Weg zurück mehr möglich ist, und der Schutz der Natur und «gute Arbeit» nicht als Gegensätze, sondern als komplementär betrachtet werden müssen. Von dieser Erkenntnis sind die hiesigen Gewerkschaften umso weiter entfernt, je näher sie an der Konversionsproblematik dran sind. Es gibt jedoch auch hoffnungsvolle Ansätze wie etwa die Kooperation, die die Jugendorganisationen von Ver.di und des BUND beschlossen haben.

Der Nutzen der Broschüre liegt darin, dass sie einen aktuellen Überblick über die bestehenden Diskussionsansätze gibt und deren Für und Wider diskutiert. Eine besondere Berücksichtigung erfährt dabei der Faktor Arbeit und die gewerkschaftliche Interessenvertretung.


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