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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 01/2018 |

Ausbau im Reiseverkehr

Alles andere als ökologischer Tourismus
von der Redaktion

Kreuzfahrten

Für die Reichen der Welt – sorry, liebe deutsche Gutverdienende, das seid auch ihr – werden in der nächsten Zeit ungeachtet aller Klima- und Umweltprobleme immer größere und immer neue Kreuzfahrtschiffe gebaut. Die Reedereien geben bekannt, dass 2017 zehn Schiffe mit einer Bruttoraumzahl von rund 1,1 Millionen gebaut und ausgeliefert wurden. Für 2018 sind zwölf Schiffe mit mehr als 1,1 Millionen BRZ im Bau. Die Zahlen für die folgenden Jahre sehen ähnlich aus, die Werften sind ausgelastet. Das heißt, dass in naher Zukunft immer mehr große Schiffe in den hauptsächlichen Kreuzfahrtgebieten Mittelmeer, Karibik, Atlantik und auch Ostsee kreuzen werden, Häfen anlaufen, Treibstoff und Wasser tanken, Lebensmittel und Luxusgüter laden und Tausende Passagiere aus- und einsteigen und mit Landgängen versehen.

 

Die größten Kreuzfahrtschiffe haben inzwischen eine Länge von über 300 Metern, sind über 40 Meter breit und haben Tausende von Kabinen in 14 «Stockwerken». Sie bieten Platz für 4000–6000 Passagiere, die von 1500–2000 Besatzungsmitgliedern betreut werden.

 

Die großen Reedereien sind zum Beispiel MSC Seereisen, Norwegian Cruise Line, die deutschen Reedereien TUI und AIDA Cruises, deren Schiffe vor allem in Italien bestellt werden. Sie rechnen mit einer immer größeren Zahl von Touristen aus China und Amerika, aber natürlich auch Europa, die sich an Bord rund um die Uhr «verwöhnen lassen» und Luxusleben geboten bekommen.

 

Die neusten Schiffe werden wegen der massiven Kritik an den Umweltfolgen der Schwerölverbrennung auf See mit Flüssiggasmotoren (LPG) und Filteranlagen ausgerüstet. Das kann jedoch nicht drüber hinwegtäuschen, dass die Umweltbelastungen zunehmen. Allein Tausende von Passagieren per Flugzeug zu den Hauptabfahrtsorten in der Karibik oder im Mittelmeer zu transportieren, erfordert zusätzlichen Treibhausgasausstoß. Aber auch die Emsvertiefung für die Auslieferung der riesigen Kreuzfahrtschiffe aus der Papenburger Meyer-Werft muss zu den Folgen dieses Booms gerechnet werden.

Kreuzfahrten sind auf keinen Fall ökologischer sanfter Tourismus, zumal die angesteuerten Länder kaum etwas davon haben.

 

Alpenseilbahnen

Ein ähnliches Ausbauprogramm wie bei Kreuzfahrtschiffen gibt es bei den Bergbahnen in den Alpen für den Wintersporttourismus. Die Eigenwerbung nennt das «Aufrüstung», wobei die Tourismusmanager der Seilbahngesellschaften offen die Klimaveränderung einplanen und mehr Menschen in immer höhere Regionen befördern wollen, dabei einen gnadenlosen Wettbewerb zwischen der Regionen befeuern. Die folgende (unvollständige) Aufzählung zeigt, was auf die Alpenumwelt zukommt:

– Die Zugspitze bekommt eine «Rekordbahn».

– Luzern und Graubünden (Andermatt) sollen ein Riesenskigebiet mit drei weiteren Liftanlagen erhalten.

– Innsbruck hat eine neue Bahn auf den Patscherkofel gebaut.

– Die Seiseralm in Italien rüstet auf mit einer neuen Seilbahn, deren Förderleistung 3400 Personen je Stunde beträgt.

– Im Allgäu und im Vorarlberg gibt es neue Bergbahnen zum Hohen Ifen, mit Beförderung auf über 2000 Meter.

– Ischgl rüstet die Bergbahn auf 2800 Personen je Stunde auf.

– Das Skigebiet Zell hat für 50 Prozent mehr Personentransport gebaut.

– Im Zillertaler Bereich wurde die Bahn modernisiert.

– Val Thorens in Frankreich hat eine neue Gondelbahn.

– Auf den Schatzberg bei Kitzbühel können nun 2650 statt «nur» 1600 Menschen in der Stunde ihre Skier hochschaffen.

– In den italienischen Dolomiten wurde ein alter Sessellift durch eine Kabinenbahn mit einer Förderleistung von 2800 Wintersportlern pro Stunde ersetzt.

Alle diese Maßnahmen bedeuten, dass mehr Tourismus angezogen wird, der im wesentlichen mit Pkw in die Ferienorte fährt. Damit wird nicht nur die Verkehrsbelastung in den Alpenregionen steigen, sondern auch die künstliche Beschneiung, um die Saison zu verlängern. Und die Logistik für zusätzliche Gäste bedeutet ebenfalls eine Belastung der Ferienorte. Auch das hat kaum etwas mit ökologischem Tourismus zu tun.


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