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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 01/2018 |

Zur Tarifrunde der IG Metall

Das wird ein schwerer Kampf
von Thies Gleiss

In der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie sind die ersten zwei Verhandlungsrunden abgeschlossen, die Friedenspflicht endet am 31.Dezember.

Die IG Metall fordert im wesentlichen drei Dinge: erstens 6 Prozent mehr Gehalt für alle; zweitens eine verbindliche Zusage, demnächst über die Angleichung der Gehälter und Arbeitszeiten in den neuen Bundesländern zu verhandeln; und drittens einen Tarifvertrag, der ein individuelles Recht auf eine befristete Verkürzung der Arbeitszeit auf 28 Stunden pro Woche mit einem garantierten Personalausgleich und einem teilweisen Gehaltsausgleich regelt.

Die Arbeitgeberverbände Metall haben bisher 2 Prozent Gehaltssteigerung und eine Einmalzahlung von 200 Euro bei einer 15monatigen Laufzeit angeboten. Zum Thema «Arbeitszeitverkürzung» kam die klare Ansage: «Darüber verhandeln wir nicht.» Im Gegenteil, die Unternehmer haben der IG Metall, die seit Jahren hinnimmt, dass ihr 35-Stunden-Tarifvertrag immer mehr durchlöchert wird und die reale Arbeitszeit pro Woche, Monat, Jahr und Lebenszeit steigt, gezeigt, wo es lang geht: Wenn die eine Seite Arbeitszeitverkürzung fordert, kontert die andere frech mit der Forderung nach Arbeitszeitverlängerung.

Die IG Metall hat sich für einen vom Umfang her bescheidenen, in der Sache komplett individualisierten Einstieg in eine nächste Runde der Arbeitszeit entschieden. Wer eine auf zwei Jahre befristete Verkürzung der Wochenarbeitszeit möchte, soll dies dürfen. Für besonders belastete Beschäftigte wird dafür ein Ausgleich zwischen 200 Euro pro Monat und 750 Euro pro Jahr, je nach Art der Belastung, gefordert. Eine solche Forderung macht einen kollektiven Kampf im Betrieb und eine darüber hinausgehende gesellschaftliche Mobilisierung sehr schwer – ohne die wird es aber keine Arbeitszeitverkürzung geben.

Das neue Jahr wird deshalb für die IG Metall mit einer Herkulesaufgabe beginnen. Die politische Linke sollte die Gewerkschaft mit aller Kraft im Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeiten unterstützen. Klar muss aber auch sein: Arbeitszeitverkürzung wird nur kommen und wirken, wenn sie in einem großen Schritt, schnellen Schritt und für alle gefordert und erkämpft wird.

Die 30-Stunden-Woche, besser noch: der 6-Stunden-Tag bei vollem Lohn- und Personalausgleich ist ein so aktuelles wie attraktives und notwendiges Ziel.


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