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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Krimitipp: Gudrun Lerchbaum: Lügenland

Bielefeld: Pendragon, 2016, 424 S., 17 Euro
von Udo Bonn

Als hätte Gudrun Lerchbaum geahnt, wie sich die politischen Verhältnisse in Österreich entwickeln werden, als hätte sie so einen Typen wie Kurz im Kanzleramt mit Rechtspopulisten als Koalitionspartner für möglich gehalten. Nur so kann eine Geschichte wie in ihrem Roman Lügenland nicht nur geschrieben, sondern auch für möglich gehalten werden.

Im Jahr 2036 ist der Alpenstaat in Europa weitgehend isoliert, gute politische Kontakte bestehen nur nach Ungarn und nach Padanien. Die Grenzen sind dicht, nahezu alle ehemals eingewanderten Menschen mussten das Land verlassen. Es herrscht Ruhe in Österreich, der allseits geliebte Kanzler hat für Ordnung gesorgt. Und weil die Wirtschaft den Bach runter geht, muss Kontrolle und Propaganda her. Dafür sorgen die modernsten Technologien wie verpflichtende Armbänder, in denen alles gespeichert ist und die jede Bewegung rückverfolgbar machen. Und die übergroßen Informationsbildschirme, die auch im kleinsten Dorf aufgestellt worden sind. Felix Austria. Daran glaubt auch Mattea Inninger, eine 25jährige Milizionärin, die die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt. Der Kanzler ist so etwas wie eine Vaterfigur, nachdem der leibliche Vater verschwunden ist.

Mattea Inniger hat aber keine Lust mehr auf die Miliz, deshalb wird sie heiraten, irgendeinen, der nach einem Ausleseverfahren der Richtige sein soll. Aber vorher will sie noch mit ihren Freundinnen feiern. Und sie erschießt dabei eine von ihnen, alkoholisiert und von Pillen aufgeputscht.

Ab da ändert sich alles für sie. Von der Hochzeitsfeier muss sie fliehen, von einem hohen Staatsfunktionär wird sie aufgegriffen und als der sie vergewaltigen will, tötet sie ihn.

Jetzt beginnt eine Hetzjagd des Systems auf sie, die nach einer Verwechslung noch verstärkt wird: Die Ähnlichkeit mit einer gesuchten Rebellin macht sie zur meistgesuchten Person im Staat. Sie versucht sich durch das Land zu schleusen, ständig in der Angst, erkannt zu werden, die Bildschirme bringen ihr Porträt in die hintersten Winkel. Wem kann sie noch trauen? Ein beunruhigendes Buch, auch wenn die Geschichte gut zu enden scheint.


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