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Virginia und Miami unter Wasser

Der Meeresspiegel steigt mehr als doppelt so schnell wie angenommen
von Manuel Kellner

Der Meeresspiegel steigt mehr als doppelt so schnell wie bislang vermutet. Das zeigt eine neue Studie (PNAS, Steve Nerem und andere*) vom Februar dieses Jahres. Danach wird er im Jahr 2100 doppelt so hoch sein als bisher angenommen. Dies ist immer noch eine eher konservative Schätzung.

In Wirklichkeit ist die Lage dramatischer. Die Folgen sind unabsehbar. Es ist damit zu rechnen, dass der Pegel um mindestens 65 Zentimeter höher liegt als 2005, bisher ging man von maximal 30 Zentimetern aus. Bei einem Anstieg des Meeresspiegels um 65 Zentimeter müssten die Menschen der Küstenregion des US-Bundesstaats Virginia und auch die der Millionenstadt Miami langsam, aber sicher evakuiert werden. Die ersten Opfer werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aber die Bewohner der Küstenregionen armer Länder wie Bangladesh sowie diejenigen zahlreicher Südseeinseln sein.

Die angeführte Studie ist nicht irgendeine, sondern die längste bisher durchgeführte Messreihe. Verwendet wurden dafür Satellitendaten der letzten 25 Jahre. Sie begann mit dem Start des Erdbeobachtungssatelliten Topex/Poseidon im August 1992 und wurde mit den drei Jason-Satelliten fortgesetzt.

Das Klimaphänomen El Niño im Pazifik wurde berücksichtigt, ebenso die Schwankungen auf der Erdoberfläche und die Folgen des Vulkanausbruchs des Pinatubo auf den Philippinen 1991. Die Messungen am offenen Meer wurden zudem mit den Gezeitenpegelständen an den Küsten abgeglichen. Es gibt keine Schlupflöcher, auch nicht für die hartnäckigsten Leugner des globalen bedrohlichen Klimawandels.

Die Forscher um den Geophysiker Steve Nerem haben methodisch einfach den Trend der letzten 25 Jahre extrapoliert. Damit sieht die Studie von naheliegenden Entwicklungen ab, die den Anstieg noch mehr beschleunigen dürften. Es nicht realistisch zu glauben, dass es beim prognostizierten Anstieg des Meeresspiegels bleibt. Nerem sagt selbst: «Angesichts der großen Veränderungen, die wir heute in den Eisschilden sehen, ist das unwahrscheinlich.»

Unmittelbare Gründe für den exponenziellen Anstieg sind das Abschmelzen der Eiskappen in den Polarregionen und die Ausdehnung des Meerwassers bei Erwärmung. Die Erwärmung der Erdatmosphäre ist Menschenwerk. Hauptursachen sind die Nutzung fossiler Energieträger, die extensive Landwirtschaft, aber auch die fortschreitende Vernichtung der natürlichen Absorptionsreserven von CO2 wie der tropischen Regenwälder.

Die einzige Chance, diese zerstörerischen Trends zu stoppen, ist, die Macht der Großkonzerne – angefangen bei den Energiekonzernen – zu brechen und Schluss zu machen mit dem kapitalistischen Wachstumszwang. Da steht der kurzfristige Profit über allem, unter der Knute der verallgemeinerten Konkurrenz. Wir brauchen hingegen eine demokratisch gelenkte Wirtschaft im Dienst der Bedürfnisse aller Menschen auch der kommenden Generationen.

 

* www.pnas.org/content/early/2018/02/06/1717312115


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