Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2018 > 07 > Abos-retten-linken-arsch

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 07/2018 |

«Abos retten linken Arsch»

Solidarität mit dem ND
von Violetta Bock

Mit einem Banner mit dieser Parole stellten sich Beschäftigte des Neuen Deutschland (ND) vor dem Bundesparteitag der LINKEN in Leipzig auf, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Für keine linke und gedruckte Zeitung ist es in Zeiten des Internets einfach, neue Abonnentinnen und Abonnenten zu akquirieren. Beim ND sind sie jedoch überproportional auf nur noch 25.000 gesunken. Vor der Wende soll die Abonnentenzahl noch bei einer Million gelegen haben, war das ND doch von 1946 bis 1989 Zentralorgan der SED.

Auf diese Zeit gehen noch viele der Abonnenten zurück. Sie leben hauptsächlich im Osten und gelangen ans Ende ihrer Lebenszeit. Der Generationenwechsel ist bisher nicht gelungen. Während die Partei unter Jüngeren Zuwächse verzeichnet, schlägt sich das beim ND noch nicht nieder.

Dies führt zu großer Verunsicherung. Im November soll die Insolvenz gedroht haben. Tom Strohschneider trat als Chefredakteur zurück. Wolfgang Hübner, bisheriger Stellvertreter, hat die Chefredaktion vorerst übernommen. Geschäftsführer Olaf Koppe wurde beurlaubt und ist jetzt Verlagsleiter, neuer Geschäftsführer wurde in Teilzeit Matthias Schindler. Er ist zugleich im Vorstand der Communio Beteiligungsgesellschaft eG, die zu 50 Prozent Gesellschafterin des ND ist. Die anderen 50 Prozent hält die Linkspartei über die FEVAC-GmbH.

Während die Beschäftigten Sicherheit erwarten, steht derzeit im Raum, das Grundstück am Franz-Mehring-Platz 1 dem ND als Beteiligung zu entziehen. Damit wäre das Gebäude, das in dieser Lage in der Nähe des Ostbahnhofs in Berlin ein Vermögen wert ist, gesichert, falls das ND in die Insolvenz geht. Die Beschäftigten halten dagegen, dass die Beteiligung dem ND erst die Kreditwürdigkeit verleihe, die es brauche, um wieder auf die Beine zu kommen.

Nun wurde den rund 100 Beschäftigten laut Infoblatt die Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld in Aussicht gestellt. Untragbar, angesichts der Tatsache, dass es bereits seit sieben Jahren keine Gehaltserhöhung gab und der Haustarifvertrag weit unter dem Flächentarifvertrag für Tageszeitungen liegt. Nach zehn Jahren Betriebszugehörigkeit verdient ein Redakteur in Vollzeit 1650 Euro netto (inkl. Zuschläge), heißt es in dem Infoblatt.

Die Linkspartei bekräftigt immer wieder die Unterstützung für den Erhalt des ND, eine Strategie dafür scheint es derzeit jedoch nicht zu geben, zumindest scheinen die verschiedenen Optionen für den Fall des Falles abgesichert zu werden. Ver.di hat die Geschäftsführung und Gesellschafter des ND Anfang Juni zu Tarifverhandlungen über einen Zukunftssicherungsvertrag aufgefordert. Darin sollen betriebsbedingte Kündigungen in den nächsten fünf Jahren ausgeschlossen, derzeitige Befristungen entfristet werden, jegliche Kürzung von Gehältern ausgeschlossen werden. Lohnerhöhungen sollen jährlich erfolgen und Azubis ab dem ersten Jahr mit Mindestlohn bezahlt werden. Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft, dass die Gesellschafter einen Investitionsplan für die nächsten fünf Jahre sowie einen verbindlichen Stellenplan vorlegen und dass zwischen Gesellschaftern und Beschäftigtenvertretung eine Arbeitsgruppe zum Thema Genossenschaft und Gesellschafterstruktur eingerichtet wird.

Laut einem Bericht des Freitag weigert sich der Parteivorstand jedoch bisher, eine entsprechend lange Zusicherung zu geben. So sollen in einem Gespräch zwischen Ver.di und Vorstand Anfang Mai zwei Jahre zugesichert worden sein. Kann bis dahin kein großer Wandel herbeigeführt werden, droht die Zahlungsunfähigkeit.


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Schlagwörter:
Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.