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Keine Glorifizierung des Bergbaus!

Von der Romantisierung des Kohlebergbaus und der Wirklichkeit dahinter
von Rolf Euler
Die letzten beiden Steinkohlenbergwerke in Deutschland schließen Ende des Jahres. Das ganze Ruhrgebiet zittert – das ganze? Nein, ein kleines Häuflein Unerschütterlicher bespielt die Region mit Dutzenden von Veranstaltungen, Museen, Kunstereignissen, Bergbauausstellungen unter dem Titel «Glückauf Zukunft!»

Die ehemaligen Bergleute stehen meist am Rand und fragen sich, ob soviel der Ehre nicht ungerechtfertigt an den brutalen Zeitläuften, die sie und ihre Vorfahren erlebt haben, haarscharf vorbeischrammt, um sich in den Strom der Events zu ergießen, die unbekümmert um Steinkohlenimporte, Energierückwenden und Globalisierungsfolgen das Ruhrgebiet in eine Metropole des kommenden Glücks verwandeln sollen. Lied und Bergmannsgruß «Glückauf» werden überall strapaziert, wo sie doch schon längst zur Folklore gehören, ihren arbeitsbezogenen Sinn bald nur noch für die wenigen hundert Bergleute, die nach dem 31.?12.?2018 zurückbleiben werden, mühsam erfüllen können.

Denn: Glück zum Auffinden einer Erzader – oder eines Flözes – wird es nicht bedürfen, da doch nur noch Ewigkeitslasten abzuarbeiten sind, solange die Wasserhaltung über einige ehemalige Bergwerke aufrechterhalten werden muss. Auch das wäre – nach den bisherigen Plänen der Ruhrkohle-Stiftung – nur noch eine Frage der Zeit, bis die Pumpen von über Tage betrieben werden können, dann aber «ewig». «Der Bergbau geht, der Kumpel bleibt», war eine Feststellung zum 1.?Mai, die nicht ganz so lange vorhalten wird.

Denn nach Ende der Bergarbeit bleibt der Mythos von einer durch harte Arbeit erzwungenen Solidarität, sozialen Befriedung und regionalen Betroffenheit zwar noch erhalten. Aber Mythos und Realität gingen schon immer auseinander, zumal der Bergbau nur noch in einzelnen Ausstellungsstücken seine Arbeitswirklichkeit präsentiert, die soziale Lage sich aber fast genauso schnell ändert, wie der Pütt zugemacht hat. Das ist besonders ablesbar an der Entwicklung in den emschernahen Stadtvierteln etwa von Gelsenkirchen, Duisburg, Recklinghausen, Herne. Manchmal ist die Bergarbeitersiedlungsgeschichte noch an der Siedlungsstruktur in erhaltenen Gartenstädten zu erkennen, etwa Teutoburgia in Herne, Viertel in Moers, Dahlhauser Heide in Bochum.

Aber Privatisierung und oft auch Verdrängung der alten Mietergruppen, Umwandlung von Siedlungen in Private-Equity-Wohnungsgesellschaften wie Vonovia (früher Annington, noch früher Viterra) waren die städtebauliche Begleitmusik zum sterbenden Pütt, zur Verrentung der Bergleute, zum Abwandern ihrer Kinder. Ja, die ehemaligen Bergleute «bleiben» noch eine Zeit, das Interesse an ihrer Vergangenheit wächst, je weniger es davon gibt.

Aber die vielen Events im Revier in den laufenden Monaten wollen kaum nachhalten, was an Widerständigkeit, Kämpfen und Niederlagen nötig war, um den kapitalistischen Bergbau der vielen Bergleutegenerationen auszuhalten. Die Gewinne daraus sind privatisiert, die Verluste durch Subventionen vergemeinschaftet, die Folgen über die Stiftung «ewig» zu finanzieren. Die Hochglanzbücher dieses Jahres verbergen viel aus der Geschichte der Bergarbeiterbewegung. Muss man immer noch extra darauf hinweisen, wie Ruhrbarone und Politik sowohl im Kaiserreich, als auch im «Dritten Reich» verflochten waren, wie sie am Krieg verdienten, die Arbeiterbewegung bekämpften.

Die sozialen, ökologischen und ökonomischen Probleme des Steinkohlebergbaus haben die Energiekonzerne exportiert, sie verbergen sich in der nach wie vor verfeuerten und verkokten Importkohle. So wird man in den Revieren das «Glückauf» sicher noch oft hören – es ist für andere Menschen eher ein «Glückab».


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