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Der Widerstand bei Ryanair wächst

Über Gewerkschafts- und Länder­grenzen hinweg
von vb

Michael O’Leary lebt auf seinem 250 Morgen großen Gut «Gigginstown House» bei Mullingar in der Nähe von Dublin. Er ist Chef der Billigairline Ryanair und kann die Forderungen der Gewerkschaften einfach nicht verstehen. Er hält sie weder für gerechtfertigt noch für empfehlenswert. Dies teilte er den Beschäftigten in einem persönlichen Brief vor dem Streik mit. Wie soll er auch verstehen, wie es ist, zu Niedriglöhnen zu schuften?
Inzwischen wurde ihm durch Arbeitsniederlegungen beigebracht, dass er die Gewerkschaften nicht einfach ignorieren kann, gerade weil sie hier gemeinsam agieren.
Am 12.?September riefen sowohl die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) als auch Ver.di die Piloten und Flugbegleiter von Ryanair zum Streik auf. 150 der 400 Flüge mussten gestrichen werden, an 12 der 19 Flughäfen, die Ryanair ansteuert. Ryanair reagierte mit Repressionen, schwang die Arbeitsplatzkeule, notierte, wer der Arbeit ferngeblieben war, und fotografierte laut Berichten demonstrierende Flugbegleiter, die jedoch Masken trugen – mit dem Gesicht O’Learys. Auch der Presse werden Interviews meist anonym gegeben.
Umso ermutigender, dass die Beteiligung an den Streiks so hoch war. In Deutschland arbeiten laut Ver.di etwa 1000 Flugbegleiter bei Ryanair, 700 von ihnen Leiharbeitsbeschäftigte, natürlich befristet mit Kettenverträgen. Angestellte Flugbegleiter erhalten zwischen 800 und 1200 Euro, maximal sind 1800 Euro möglich. Bei anderen Fluggesellschaften kann der Verdienst um 1000 Euro höher liegen.
Bei den Piloten sind die Unterschiede ebenfalls eklatant, wie Daten der Vereinigung Cockpit zeigen. Während bei Ryanair das jährliche Einstiegsgehalt bei etwa 32000 Euro liegt, liegt es bei Eurowings bei 57000 Euro und bei der Lufthansa bei 66000 Euro.
Neben der Beendigung des Lohndumpings richten sich die Forderungen auch auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. O’Leary ist weiterhin ignorant. Doch die Beschäftigten wachsen weiter zusammen. Nicht nur über Gewerkschafts- sondern auch über Ländergrenzen hinweg muss Ryanair mit einem Anstieg des Arbeitskampfs rechnen.
Für den 28.September rufen Gewerkschaften zu Arbeitsniederlegungen bei Ryanair in Spanien, Italien, Portugal, Belgien und den Niederlanden auf. Pünktlich zum Auftakt der Herbstferien in Deutschland machen sie Druck, damit Ryanair das jeweilige nationale Arbeitsrecht anerkennt, statt überall das irische zur Grundlage zu nehmen. Das wollen sie monatlich wiederholen, so lange bis Ryanair einlenkt.


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