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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Krimitipp: Jo Nesbø: Macbeth

Berlin: Penguin, 2018. 621 S., € 24
von Udo Bonn

Für Henning Mankell war Shakespeares Macbeth die beste Kriminalgeschichte aller Zeiten. Was liegt da näher, als im Rahmen des Hogarth-Shakespeare-Projekts einen Kriminalroman zu schreiben? Dem norwegischen Autor Jo Nesbø ist die Transformation der blutigen Tragödie aus dem schottischen Mittelalter ins 20.Jahrhundert gelungen.
Eine nordische Stadt, Mitte der 70er Jahre, streng aufgeteilt in reiche, gesunde Stadtteile und in die heruntergekommenen Quartiere, in denen es pausenlos zu regnen scheint. Was noch an Industrie vorhanden ist, verpestet die Luft mit giftigen Stoffen, und wer nicht daran stirbt, geht an Drogen zugrunde. Der stillgelegte Hauptbahnhof ist Symbol für den Niedergang der Stadt. Drei Geschäftszweige funktionieren hier noch, Drogen, Spielcasinos und die Politik. Und dieser Zustand ist so schlimm, dass der ehrbare Radiojournalist Kite die profitgierigen Industriebosse der Vergangenheit vermisst.
Nach dem plötzlichen Tod des Polizeichefs Kenneth hat Duncan den Job des Police Commissioners übernommen, und obwohl er aus der Upperclass kommt, will er mit den Drogenbanden aufräumen und die politische Korruption bekämpfen. An seiner Seite Macbeth, Leiter eines Sondereinsatzkommandos. Er soll mit seiner Truppe den Drogendeal einer Rockergang zerschlagen, was ihm auch gelingt. Dabei kommt es zur Hinrichtung von zwei Gangmitgliedern, alte Schulden werden damit abgegolten.
Der Erfolg der Aktion wird im Casino von Lady, Macbeths Geliebter, gefeiert. Auf ihr Betreiben ersticht Macbeth seinen Chef und damit beginnt eine blutige Spirale des Mordens. Mitwisser werden beseitigt, bei jedem Schritt höher auf der Karriereleiter in Richtung Bürgermeisteramt wird keine Rücksicht auf Freundschaften genommen. Moral und Dankbarkeit gibt es nicht mehr. Indem Macbeth und Lady ihre Skrupel mit immer stärkeren Drogen abtöten, wird aus dem ehemals freundlichen Paar ein tyrannisches Duo. Mit dem Tod der wahnsinnigen Lady endet auch die Zeit von Macbeth. Er hat die Quelle seiner Energie verloren.
Wer das Original kennt, wird die Personen und Orte des Dramas in Jo Nesbøs Krimi wiederfinden, er hat für alle glaubwürdige Rollen und Plätze gefunden.


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