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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Neues von der Schwäbischen Alb

Sowas kommt von sowas
von Manfred Dietenberger

Das Städtchen Burladingen im Zollernalbkreis liegt, umrahmt von den Städten Tübingen, Hechingen, Albstadt und Sigmaringen, am Rande der Schwäbischen Alb. Seit Anfang Juli 2019 macht die Stadt überregionale Schlagzeilen, die ausnahmsweise nur auf den ersten Blick mal nicht mit dem ortsansässigen Textilunternehmen Trigema und seinem Firmeninhaber Grupp (der mit dem Affen) in Zusammenhang stehen.
Dort hat Harry Ebert, Stadtoberhaupt von Burladingen (12000 Einwohner) nach 20 Jahren Amtszeit überraschend seinen Rücktritt zum 31.Oktober 2019 angekündigt. Das an sich wäre nicht so interessant, wäre der selbige Herr nicht der bislang einzige AfD-Bürgermeister in Baden-Württemberg. Turnusgemäß endet seine Dienstzeit erst 2023. Der Rücktritt erfolge aus «gesundheitliche Gründen» und auch aus dem Wunsch nach «neuen Herausforderungen» heraus, wie seine Bediensteten im Rathaus wissen ließen.
Erstmals zum Bürgermeister gewählt wurde der parteilose Polizeibeamte Harry Ebert im Jahr 1999. 2007 und 2015 gelang ihm jeweils der Wiedereinzug ins Rathaus. Kurz nach seiner ersten Wahl trat er der CDU bei, verließ sie nach kurzer Zeit aber wieder, um zu den Freien Wählern überzulaufen, für die er dann eine Periode lang im Kreistag saß. Seit Anfang März 2018 ist bekannt, dass der Herr Bürgermeister eingeschriebenes Mitglied der AfD ist.
«Das ist sicherlich nicht positiv für Burladingen», kommentierte Wolfgang Grupp, der mit seinem Textilunternehmen der größte Arbeitgeber Burladingens ist. Persönlich, so Grupp, habe er aber bisher mit dem Stadtoberhaupt nicht über dessen AfD-Beitritt gesprochen. Der Rest des Gemeinderats und nicht wenige Bürger wollen seitdem, spätestens aber jetzt, nichts mehr von ihm wissen. Niemand geringerer als der Trige­ma-Chef Wolfgang Grupp hat Neuwahlen gefordert. «Man müsste korrekterweise sagen: Er hat sich als neutraler Kandidat zur Wahl gestellt, jetzt ist er das nicht mehr – sollen die Wähler entscheiden, ob sie das noch wollen», so Grupp.
Der Bürgermeister indes macht immer weniger einen Hehl aus seiner braunen Gesinnung. So bezeichnete er z.B. im Amtsblatt und auf Facebook den Besuch des Gemeinderats in einer Flüchtlingsunterkunft als «Asylantenschau» und die Gemeinderäte als «Landeier». Dafür kassierte er wegen verunglimpfender Äußerungen im Dezember 2018 vom Landratsamt einen Verweis. Nicht erst seit damals wächst der Unmut in weiten Teilen der Bevölkerung gegen den Rechtsaußen. Dennoch konnte die AfD nach der Kommunalwahl erstmals gleich mit vier Räten ins Rathaus einziehen. Wie konnte es so weit kommen, dass sich ausgerechnet im eigentlich schwarzen Burladingen das Braune so breit machen konnte?
Trigema ist nicht nur in Burladingen, sondern auch in Deutschland der größte T-Shirt-, Sweatshirt- und Tennisbekleidungshersteller. Firmeninhaber Wolfgang Grupp ist der ungekrönte «König von Burladingen». Er ist der größte Arbeitgeber der Stadt (600 der 1200 Trigema-Beschäftigten arbeiten direkt am Hauptsitz). Angeblich ist Parteipolitik nicht Grupps Sache. Aber 1988 trat er der CDU bei, um Paul-Stefan Mauz, den Sohn seines damaligen Prokuristen, in den Landtag zu hieven. Dafür warb Grupp persönlich im Betrieb 120 neue CDU-Mitglieder an, spendierte ihnen einen halben Jahresbeitrag und ließ sie in Bussen zur Nominierungsversammlung karren. Die daraus entstandene «Trigema-Affäre» sorgte landesweit für schlechte Schlagzeilen. Grupp fühlte sich von der CDU im Regen stehengelassen, «seither ist Politik für mich gestorben». Trotzdem erzählt er immer wieder gerne, er würde in aller Regel bei der CDU sein Kreuzchen machen.
Der Trigema-Chef sieht, «dass die Protestbewegung, aus der die AfD entstanden ist, jetzt auch bis in die Rathäuser reicht. Das zeigt der Fall in Burladingen.» Er sieht nicht, dass er mit der autoritären Art, wie er sein Unternehmen führt, und mit seinem Standortgefasel kein gutes Klima für Demokratie und Solidarität schafft. Ist es doch Wolfgang Grupp selbst, der voll auf die «deutsche Masche» setzt.
Mit stolz geschwellter Brust verkündet er, in seinem Unternehmen sei alles – egal ob Unterwäsche, Sport- oder Freizeitkleidung – «made in Germany; unsere Wertschöpfung ist heute 78 Prozent» und : «Ich versuche nur, meine Aufgabe in meinem Heimatland zu erfüllen, bevor ich meine, das Glück in der Ferne suchen zu müssen.» Damit ist er auch gern gesehener Gast in Talkshows. Und dass er zum Stichwortgeber für Halb- und Vollfaschisten wird, wenn er Sprüche von sich gibt wie: «Dass wir Menschen ins Land kommen lassen müssen, die wir brauchen, ist doch klar, allerdings dürfen dies eben keine Wirtschafts- und Scheinflüchtlinge sein»; oder auch: Kanzlerin Merkel «kann nicht zugeben, dass sie mit ihrer Flüchtlingspolitik im Grunde gescheitert ist. Es war anfangs sicher richtig, vom Krieg bedrohte Menschen aufzunehmen. Doch als die Kontrolle darüber verloren ging, hatte sie nicht die Größe, ihr ‹Wir schaffen das› zurückzunehmen und ihren Willkommenskurs zu korrigieren.»


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