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Für Frieden und Toleranz

Die Regenbogenfahne im Fußball und in der Philatelie
von Kai Böhne

«We are Queer! We are here! We drink a lot of beer!», sollen die Fans des Sydney FC schlagfertig und selbstironisch gekontert haben, nachdem im Jahre 2007 während eines Fußballspiels homophobe Parolen skandiert worden waren. Eine gerade bei Fußballfans ungewöhnliche und unerwartete Reaktion.

Zehn Jahre später sprachen sich bei einer Volksbefragung im November 2017 über 60 Prozent der Australier dafür aus, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Auch wenn diese Willensbekundung für das Parlament nicht bindend war, so hatte sie doch Auswirkung auf die Gesetzgebung des fünften Kontinents. Nachdem sowohl Senat als auch Repräsentantenhaus die gleichgeschlechtliche Ehe befürwortet hatten, wurde in Australien zum 1.Januar 2018 die Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare ermöglicht.
Keine zwei Jahre später hat das Thema gleichgeschlechtliche Ehe auch die australische Philatelie erreicht: Am 1.Oktober sind zwei Postwertzeichen mit Regenbogen, dem Symbol für Aufbruch, Veränderung, Frieden, Toleranz und Vielfalt der Lebensformen und dem Postulat «Marriage Equality» (Ehegleichstellung) erschienen.
Das Regenbogenbanner wird seit den späten 1970er Jahren von der internationalen schwul-lesbischen Bewegung genutzt. Entworfen hat es der US-Künstler und Modedesigner Gilbert Baker. Er verzichtete bewusst darauf, seine Farbanordnung als Geschmacksmuster schützen zu lassen, weil er das Regenbogenbanner als Symbol der LGBT-Gemeinschaft ansah. LGBT ist eine Abkürzung aus dem englischen Sprachraum und steht für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender, also Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender.
Wie schnell sich Bakers Motiv international verbreitete, zeigt sich an mehreren Briefmarkenmotiven. Am 4.Mai 2016 ließ die führende Postgesellschaft in Skandinavien, die Postnord, die durch den Zusammenschluss der schwedischen mit der dänischen Post entstanden war, die Regenbogenfahne auf eine schwedische Marke drucken. Die Designerin Lisa Rydell hatte das minimalistische Motiv für die Postnord entworfen, basierend auf der Flagge des LGBT-Aktivisten Gilbert Baker. Das Motiv soll «die Gleichwertigkeit aller Menschen betonen», erklärte der damalige Postnord-Sprecher Per Ljungberg.
Ungefähr ein Jahr später, am 30.März 2017 veröffentlichte die Postnord zwei in den Regenbogenfarben gestreifte Herzen jeweils mit einem Wert von acht dänischen Kronen. Die Marke sei als «starkes und klares Symbol für den gleichen Wert aller Menschen» gedacht, hob Martin Pingel hervor, der Design-Verantwortliche der Postnord.
Auch in Österreich, Argentinien, den USA, Niederlanden, Grönland und Kanada erschienen Briefmarkenmotive mit eindeutigen Bezügen zur LGBT-Bewegung. Anlässlich der 15.Regenbogen-Parade in Wien gab die Österreichische Post am 3.Juli 2010 eine Sondermarke heraus. Die USA porträtierten im Jahr 2014 Harvey Milk, den Aktivisten und Bürgerrechtler der Schwulen- und Lesbenbewegung und Stadtrat in San Francisco, auf einem Wertzeichen. Kanada veröffentlichte 2017 eine Regenbogenfahne auf einem Ahornblatt.
Dass das Hissen der Regenbogenfahne in deutschen Fußballstadien noch längst keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt ein Beispiel aus Berlin. Vor über zehn Jahren bekam der Fußballclub Tennis Borussia von einem Crowdfunding-Projekt drei Fahnen geschenkt, darunter eine mit dem Vereinswappen auf der Regenbogenfahne. Die aktiven Fans sahen darin ein Symbol für Toleranz und Vielfalt. Doch der Vereinsvorstand und die Geschäftsführung weigerten sich, die Fahne im heimischen Mommsenstadion zu zeigen, weil sie darin ein Statement für Homosexualität wähnten. Der Streit erstreckte sich über mehrere Jahre. Erst seit 2017 darf die Regenbogenfahne im Stadion wehen, der Vorstand gab dem Verlangen der Mitglieder und Fans nach. Selbst der Deutsche Fußballbund hisste anlässlich des Christopher Street Day 2019 vor seiner Frankfurter Zentrale die Regenbogenflagge.
In einigen Ländern, darunter Mauretanien, Sudan, Iran, Jemen und Saudi-Arabien, werden sexuelle Handlungen unter homosexuellen Paaren bis heute mit der Todesstrafe bedroht.


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