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Max Brym: Mao in der bayerischen Provinz

Waiblingen: SWB, 2019. 300 S., 15 Euro
von Nick Brauns

Nicht nur in den westdeutschen Groß- und Universitätsstädten brodelte es in den 1970er Jahren unter der Jugend. Auch im tief katholischen Oberbayern wurde Mao Zedongs Schlachtruf «Rebellion ist gerechtfertigt» vernommen.

Mit Mao in der bayerischen Provinz hat Max Brym eine politische Biografie vorgelegt, die interessante Einblicke in dieses wenig beachtete Kapitel linker Politik bietet. Autobiografisches des 1957 in Altötting geborenen Brym, eine politische Analyse der Verhältnisse im sog. oberbayerischen Chemiedreieck sowie die Schilderung der verschiedenen linksradikalen Gruppen in der Region werden dabei ergänzt durch amüsant geschilderte, politische Eulenspiegeleien des «roten Max».
Die Kleinstadt Waldkraiburg, wo der Autor seit Mitte der 60er Jahre lebte, war eine Neugründung durch sudetendeutsche Flüchtlinge nach 1945, rechtsextreme Revanchisten drückten ihr ebenso den Stempel auf wie sudetendeutsche Sozialdemokraten. Politisch organisierte sich Brym als 16jähriger zuerst in der DKP. Dazu trug nicht zuletzt die persönliche Glaubwürdigkeit des alten Antifaschisten Georg Kellner bei, der ihm den Zusammenhang von Kapitalismus und Faschismus verdeutlichte und erklären konnte, was Bryms Vater – einem Holocaustüberlebenden – widerfahren war.
Ein Aufenthalt in Ostberlin, wo Brym am Franz-Mehring-Institut geschult wurde, ließ erste Zweifel an der DDR mit ihren bürokratischen Strukturen entstehen. Attraktiver für rebellierende Jugendliche erschien damals der Maoismus – die chinesische Realität war schließlich weit entfernt, und die Kulturrevolution erschien als probates Mittel gegen die Verbürgerlichung der Linken. So landete Brym beim Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD.
Diese Organisation mit Wurzeln in der 68er Studentenbewegung, die, anders als die ultralinken Maoisten der KPD/ML, nicht den Griff der Massen zum Gewehr propagierte, sondern zur Wahl der SPD aufrief, war «damals keine weltfremde Sekte», betont der Autor. Insbesondere mit seiner örtlichen Zeitung Der Rote Landbote konnte der Arbeiterbund immer wieder Schlaglichter auf den schwarzen Filz der CSU werfen, aber auch brisante Interna der SPD entlarven und auf Schikanen in den umliegenden Betrieben hinweisen.
«Wir hatten inhaltlich eine falsche Vorstellung von der Realität», gibt sich Brym heute selbstkritisch. Denn weder stand damals, wie der Arbeiterbund glaubte, unmittelbar die faschistische Diktatur durch Franz Josef Strauß bevor, noch die proletarische Revolution. So habe die radikale Linke zwar viele örtliche Sauereien enthüllen können, aber diese Erfolge hatten nichts mit ihrer programmatischen Ausrichtung zu tun, sodass ihre politische Isolation nie wirklich überwunden werden konnte.
Auch die Zustimmung, die er noch im Frühjahr 1990 als Bürgermeisterkandidat einer linken Bürgerinitiative mit 6 Prozent der Stimmen fand, war primär dem Wunsch der Wähler nach einer monatlichen Liveaufführung von Don Camillo und Peppone im Stadtrat geschuldet, glaubt Brym. Die Hälfte seiner Wähler hatte ihre übrigen Stimmen an die CSU vergeben.
Auf einer Delegationsreise nach Albanien, wo Brym einen Auftritt Enver Hoxhas miterleben konnte, erfolgte die Ernüchterung über das vermeintliche «Leuchtfeuer des Sozialismus in Europa». 1987 brach Brym mit dem Arbeiterbund, der unter Leitung des Theaterwissenschaftlers Thomas Schmitz-Bender inzwischen dazu übergegangen war, zunehmend skurrile Theateraufführungen in den Mittelpunkt seiner Agitation zu stellen.
Eine Begegnung mit Ernest Mandel, dem bekannten Theoretiker der trotzkistischen IV.Internationale, wurde zum Schlüsselerlebnis für Brym, der sich schließlich der Vereinigten Sozialistischen Partei (VSP) anschloss. Dass die Linkspartei bei der Bundestagswahl in Waldkraiburg fast so stark wie die SPD abschnitt, macht Brym, der sich heute in der trotzkistischen Strömung um die Zeitschrift Funke engagiert, Hoffnung. «Die alten linken Hochburgen leben also noch.»


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