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Kirk Douglas (1916–2020)

Zum Leben und Wirken des Filmstars
von Paul Kleiser

Am 5.Februar starb in Beverly Hills der große Schauspieler Kirk Douglas im biblischen Alter von 103 Jahren.


Er brillierte vor allem in den 50er und 60er Jahren in herausragenden Filmen, so Vincent van Gogh (Lust for Life, 1956), Wege zum Ruhm (Paths of Glory, 1957) und Spartacus (1960). In den beiden letztgenannten führte Stanley Kubrick Regie. Für mich sind seine schönsten Filme Jacques Tourneurs Out of the Past (Goldenes Gift, in dem er den Übeltäter spielt; Hauptrolle Robert Mitchum) von 1947 und Howard Hawks’ The Big Sky (Der weite Himmel, nach dem Roman von A.B.Guthrie Jr.) von 1952. 1969 entstand in der Regie von Elia Kazan The Arrangement. Zwischen 1948 und 2008 spielte er in insgesamt etwa 80 Filmen mit, darunter auch in zahlreichen Western. Die besten sind Den Hals in der Schlinge (Along the great divide von Raoul Walsh), Mit stahlharter Faust (Man without a star von King Vidor) und Zwei rechnen ab (Gunfight at the O.K. Corral von John Sturges). Außerdem veröffentlichte er vier Romane, aber nur Der letzte Tango in Brooklyn wurde ins Deutsche übersetzt. Für seine Rolle als Vincent van Gogh erhielt er den Golden Globe.
Kirk Douglas wurde als Sohn der aus Weißrussland stammenden Migranten Bryna und Herschel Danielowitsch in der Nähe von New York geboren. Er hatte sechs Schwestern. Sein Vater versuchte, die in ärmlichen Verhältnissen lebende Familie mit dem Sammeln von Altkleidern durchzubringen. Das Geld für Studium und Schauspielausbildung musste sich der junge Mann mit Gelegenheitsjobs selbst verdienen. Kirk Douglas, wie sich Issur nach seinem Eintritt in die Marine 1941 nannte, um seine jüdische Herkunft zu verbergen, begann nach Ende des Krieges, als Schauspieler am Broadway zu arbeiten. Lauren Bacall empfahl ihn dem Hollywoodproduzenten Hal B. Wallis, der z.B. Casablanca finanziert hat. 1955 gründete er, um sich größere Unabhängigkeit zu verschaffen, seine eigene Produktionsfirma, die er nach seiner Mutter «Bryna» nannte.
1948 war von Howard Fast der Roman Spartacus über den Sklavenaufstand gegen die römische Herrschaft (73–71 v.u.Z.) veröffentlicht worden. Obwohl ein historischer Roman, gab es zahlreiche Anspielungen auf die sozialen Verhältnisse in den USA. Fast war Mitglied der KP der USA und fiel unter die zu Beginn des Kalten Krieges von Joe McCarthy und dem House Committee on Un-American Activities lancierte Hexenjagd wegen «unamerikanischer Umtriebe». Sein selbst verlegter Roman löste heftige Reaktionen der politischen Rechten aus. 1958 verkaufte Fast die Filmrechte für diesen Roman an Kirk Douglas.
Nachdem ein erster, von Fast bestimmter, Drehbuchschreiber gescheitert war, gab Douglas den Auftrag an Dalton Trumbo (1905–1976) weiter, der offiziell auf der Schwarzen Liste stand. Trumbo gehörte zu den Hollywood Ten, die 1947 Berufsverbot erhalten hatten, weil sie sich bei der Frage, ob sie Mitglied der KP (gewesen) seien, auf das Schweigerecht nach dem 5.Verfassungszusatz berufen hatten.
Der Verfassungsbruch kümmerte McCarthy (der 1957 als Alkoholiker endete) wenig: Trumbo erhielt ein Jahr Gefängnis. Danach ging er nach Mexiko ins Exil und schrieb unter Pseudonymen Drehbücher, zwei von ihnen erhielten sogar den Oscar. Gewisse Produzenten gaben ihm Aufträge, weil sie deutlich weniger zahlen mussten als in Hollywood. Zunächst sollte Anthony Mann bei Spartacus Regie führen, doch es kam zum Krach und Douglas übergab die Regie an den jungen Stanley ­Kubrick.
Gegen Ende der zweiten Amtszeit von US-Präsident Eisenhower gab es einen neuen kulturellen Aufbruch. Elvis Presley konnte 1956 erstmals im Fernsehen auftreten. Und ab Dezember 1955 kam es zu den ersten «Busboykotten» gegen die Politik der «Rassentrennung», aus denen dann die Bürgerrechtsbewegung entstand.
Zusammen mit Otto Preminger (Exodus) war Kirk Douglas der erste, der es wagte, den richtigen Namen von Dalton Trumbo im Titelvorspann des Films zu nennen. Der zweite Produzent Edward Lewis, der eigentlich als Drehbuchautor genannt werden sollte, hatte zu dieser Entwicklung beigetragen, weil er darauf bestand, dass auch Trumbo genannt werden müsse. Zwar protestierten rechte Verbände gegen den Film Spartacus, doch der Wind hatte sich gedreht: Der neue Präsident John F. Kennedy lud die Filmemacher sogar ein, den Film im Weißen Haus zu zeigen.


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