Sieg beim 50.Boston-Marathon


Quelle: SoZ – Sozialistische Zeitung
Website: https://www.sozonline.de
Artikel-Link: https://www.sozonline.de/2020/03/sieg-beim-50-boston-marathon/
Veröffentlichung: 26. März 2020
Ressorts: Europa, Geschichte, Zur Person

Wie Stelios Kyriakides zum Volksheld in Griechenland wurde
von Kai Böhne

Der Läufer Stelios Kyriakides startete, um Hilfsgüter und Spenden für seine Landsleute im zerstörten Griechenland zu sammeln.
Im Jahr 1946 gewann der Grieche Stelios Kyriakides als erster Nichtamerikaner den Boston-Marathon. Mit 2 Stunden 29 Minuten und 27 Sekunden gelang ihm ein neuer Europarekord.

Doch es ging dem Läufer nicht in erster Linie um sportlichen Ruhm. Er wollte den traditionellen Langstreckenlauf gewinnen, um Geld für seine notleidenden Landsleute im zerstörten Nachkriegsgriechenland zu sammeln.
Zuvor hatte er einen Teil seines Hauses veräußert und sich von seinem Arbeitgeber Geld geliehen, um die Überfahrt und den Aufenthalt in Amerika finanzieren zu können. Vier Wochen vor dem Lauf kam er in Boston an. Selbst kurz vor dem Start drohte seine Teilnahme noch zu platzen. Der Rennarzt fürchtete, der Grieche würde wegen seiner schwachen Konstitution das Ziel nicht erreichen und wollte ihn nicht starten lassen.
Dann nahm alles ein gutes Ende. Nach seinem Erfolg wurde Kyriakides sogar vom US-Präsidenten Harry Truman ins Weiße Haus eingeladen. Das Angebot, in den USA zu bleiben, lehnte der stolze Grieche ab. Einen Monat nach dem Sieg konnte er mit 25000 Tonnen Hilfsgütern und 250000 Dollar Spendengeldern in die Heimat zurückkehren. In Athen wurde er als Volksheld umjubelt.
Seine Erfolge musste sich Stelios Kyriakides hart erarbeiten. Im Januar 1910 wurde er in einem zypriotischen Bergdorf als jüngstes von fünf Kindern einer mittellosen Bauernfamilie geboren. Um seine Familie zu unterstützen, zog er aus und übernahm verschiedene Hilfsarbeiten. Ein britischer Arzt, bei dem er als Dienstbote arbeitete, förderte seine sportlichen Talente und ermunterte in zum Lauftraining.
Das Trainieren zahlte sich aus. Bei den ersten panzypriotischen Spielen im Jahr 1932 gewann Kyriakides an einem Tag den 1500- und den 10000-Meter-Lauf. Zwei Tage später wiederholte er seine Siege bei den 5000- und 20000-Meter-Läufen. Nach diesen Erfolgen wurde Kyriakides zu den nationalen griechischen Meisterschaften eingeladen. Dort gewann er den Marathonlauf. Daraufhin wurde er in das griechische Team für die Olympischen Spiele in Berlin aufgenommen. Beim olympischen Marathon 1936 erreichten 42 von 56 Läufern das Ziel. Kyriakides belegte den elften Rang.
Der Zweite Weltkrieg unterbrach die sportliche Karriere des Zyprioten. Er schloss sich einer Partisanengruppe an und leistete Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Nach einem 18.Platz beim Marathon der Olympischen Sommerspiele 1948 in London beendete der 38jährige seine sportliche Laufbahn.
Im Mai 2017 wurde das Sportstadion der Küstenstadt Paphos im Südwesten Zyperns nach dem Marathonläufer Stelios Kyriakides benannt. Die griechische Post in Zypern ehrte ihren Landsmann am 19.März mit zwei Sonderbriefmarken.