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Zweirad-Traditionsmarke ade

Favorit-Rennräder gib es nur noch auf Briefmarken
von Kai Böhne

Die Produktionsbänder der Fahrradfabrik Favorit stehen still, meldete Radio Prag im Oktober 2019. Die Belegschaft des legendären Fahrradherstellers hatte bereits seit drei Monaten keinen Lohn mehr bekommen. Es war die dritte Insolvenz der Traditionsmarke seit ihrer Privatisierung in den 90er Jahren.


Mit einem historischen Rennradmotiv des Grafikers Petr Ptácek, das seit dem 1.Februar ausgegeben wird, erinnert die tschechische Post (Ceská pošta) an die traditionsreiche Vergangenheit. Mit dieser Wertmarke können Standardbriefe bis 50 Gramm frankiert werden. Sie werden dann geruhsam zum Economy-Tarif befördert.
Seit Beginn des 20.Jahrhunderts wurden in der westböhmischen Kleinstadt Rokycany Fahrräder hergestellt. Zunächst unter den Namen Tripol und Tudor. 1950 wurde Fahrradbereich TJ Favorit gegründet. Nachdem tschechoslowakische Radsportler bei internationalen Wettkämpfen erfolgreich waren, wurde die Marke Favorit bekannter und die Nachfrage stieg. Mitte der 50er Jahre starteten auch finnische, sowjetische und bulgarische Mannschaften auf Favorit-Fabrikaten.
In Rokycany wurden sowohl Tourenräder für jedermann als auch spezielle Rennräder für Spitzensportler produziert. 1981 wurden Favorit-Räder bereits in 38 Länder exportiert, hauptsächlich in die USA, Kanada und die Bundesrepublik. Nach der Samtenen Revolution 1989 wurde das Werk privatisiert. Auf den Trend zu Mountainbikes wurde nicht entschieden genug reagiert. Mehrfach wechselten Fabriken, Produktionstechnologien und Marken den Besitzer.
Frühere sportliche Erfolge konnten nicht wiederholt werden. Jirí Daler, Goldmedaillengewinner der 4000-Meter-Einerverfolgung bei den Olympischen Spielen in Tokio 1964, und die Brüder Jan und Jindrich Pospíšil, mehrfache Weltmeister im Radball, feierten ihre Triumphe auf Favorit-Rädern, berichtet Ceská pošta. Noch heute tragen die Radsportler vom TJ Favorit Brno den Hersteller im Vereinsnamen.


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