Quarantäne und Überwachung in Vietnam


Quelle: SoZ – Sozialistische Zeitung
Website: https://www.sozonline.de
Artikel-Link: https://www.sozonline.de/2020/05/quarantaene-und-ueberwachung-in-vietnam/
Veröffentlichung: 01. Mai 2020
Ressorts: Asien/Australien, Globalisierung/Krieg, Staat/Parteien

Mit strengen Auflagen erfolgreich gegen den Virus
von Kai Böhne

Durch entschlossenes Vorgehen gelingt in Vietnam eine geringe Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus.


Ebenso wie im Iran, in China, Indonesien und der Schweiz sind Ende März auch in Vietnam zwei Briefmarkenwerte erschienen, die sich mit dem SARS-CoV-2-Virus beschäftigen. Die Marken erscheinen in den beiden Werten 4000 und 15000 Dong. Entworfen hat sie der Designer Pham Trung Ha.
China, das Ausgangsland des Virus, ist der wichtigste Handelspartner für Vietnam. Die gemeinsame Landesgrenze, die Vietnam im Norden von China trennt, ist rund 1100 Kilometer lang.
Die Internetseite der Tagesschau erstellt auf Basis der Angaben der privaten Johns-Hopkins-Universität aus Baltimore eine Weltkarte der Infektionen. Hierauf waren am 16.April lediglich 268 Ansteckungen aus Vietnam verzeichnet.
Dem Staat mangelt es an Kapital und das Land verfügt über kein besonders leistungsfähiges Gesundheitssystem. Da es sich Hightech-Medizin nicht leisten kann, setzt Vietnam auf Prävention und Kontrolle. Durch frühzeitiges entschlossenes Vorgehen gelang es der Regierung, die Verbreitung des Virus einzuschränken.
Bereits Ende Januar wurden erste Vorkehrungen getroffen und die Schulen und Universitäten geschlossen. Vietnam setzte auf rigorose Quarantäne und lückenlose Ermittlung von Kontaktpersonen. Dabei wurden nicht nur Erkrankte und direkte Kontaktpersonen, sondern auch Zweit-, Dritt- und Viertkontakte erfasst. In absteigender Intensität wurden diesen Betroffenen Bewegungs- und Kontakteinschränkungen abverlangt.
Wer seit Mitte März nach Vietnam einreist, wird isoliert und muss sich in eine 14tägige Quarantäne begeben. Das vietnamesische Militär hat rund 60000 Quarantäneplätze hergerichtet, überwiegend für zurückkehrende Landsleute und für eine kleinere Zahl westlicher Besucher, aber auch für tatsächlich Erkrankte und Gefährdete, berichtete Andreas Stoffers, Leiter des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Hanoi.
Der sachliche Appell in roter Schrift im unteren Drittel der beiden Briefmarken lautet: «Mit vereinten Kräften an der Prävention und Kontrolle von Covid-19 mitwirken.» Er korrespondiert mit der Achtsamkeit und Zuversicht vieler Vietnamesen. Sie sind der Ansicht, dass ihre Regierung mit der Gesundheitskrise gut umgeht, meldete die ASEAN Post, eine Internet-Informationsplattform, die über südostasiatische Themen berichtet. Bis zum 16.April seien keine Todesfälle gemeldet worden.