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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 06/2020 |

150 Jahre brasilianische Choro-Musik

Briefmarken zum Jubiläum
von Kai Böhne

Choro ist ein Melange aus Walzer, Polka und afrikanischen Sklavenrhythmen.
Zum 120.Geburtstag des brasilianischen Saxophonisten Pixinguinha (1897–1973) wurde der 23.April zum «Internationalen Tag der Choro-Musik» erklärt.

Pixinguinha gilt als Meister und Ikone dieser Musikrichtung, er schrieb rund 600 Choros, viele von ihnen entwickelten sich in Brasilien zu Klassikern.
Der Choro ist ein 150 Jahre alter instrumentaler brasilianischer Musikstil. Er entstand um 1870 in Rio de Janeiro als musikalisches Produkt der Verschmelzung europäischer Einflüsse aus Walzer und Polka mit der perkussionbetonten Musik afrikanischer Sklaven. Afrobrasilianer konnten ihre musikalischen Bräuche und Riten leichter pflegen als Afroamerikaner, da die portugiesischen Sklavenhalter dies früher weitgehend duldeten.
Im Laufe seiner langen Geschichte wurde der Choro von kleinen Ensembles, großen Orchestern, Big Bands, nordamerikanischen Jazzgruppen und vielen weiteren Kapellen mit diversen Instrumentenkombinationen gespielt. Traditionell besteht eine Choro-Combo aus Zupf-, Perkussions- und Soloinstrumenten. Diese Instrumentenauswahl ist auch auf dem Briefmarkenblock zu finden, den die brasilianische Post Correios anlässlich des 150jährigen Bestehens dieses Musikstils herausgab. In diagonaler Linie werden drei Zupfinstrumente abgebildet: eine Mandoline, eine siebensaitige Gitarre und ein Cavaquinho. Ein Cavaquinho hat einen Korpus wie eine kleine Gitarre und wird mit vier Stahlsaiten bespannt. Das portugiesische Instrument wird in seinem Herkunftsland mit vier Fingern geschlagen oder mit Zeigefinger und Daumen gezupft. Über Madeira, die Azoren und die Kapverden hat es seinen Weg bis nach Brasilien gefunden, wo
es vor allem mit Plektrum gespielt wird.
Durch zunehmende Schallplattenproduktion und das Abspielen im Radio erlangte der Choro in den 1920er Jahren eine landesweite Verbreitung in Brasilien. Doch durch das Radio bekam er auch Konkurrenz durch andere Musikrichtungen. Viele Jahrzehnte blieb der Choro eine vorwiegend brasilianische Erscheinung. 2005 widmete der finnische Regisseur Mika Kaurismäki dem Choro seinen eineinhalbstündigen Dokumentarfilm Brasileirinho. Kaurismäki stellt darin Musiker, Sänger und Tänzer vor, die den meisten europäischen Kinobesuchern bislang unbekannt waren.
Für den Rhythmuspart beim Choro steht die Briefmarke mit dem Tamburin, die Soloeinlagen werden von der Klarinette und Querflöte übernommen. Von dem Instrumentenblock hat die «Casa da Moeda do Brasil», die brasilianische Münzstätte, die neben der Herstellung von Münzen und Banknoten auch für den Druck von Pässen und Briefmarken zuständig ist, 60000 Exemplare produziert. Sie werden seit dem 23.April von Correios ausgegeben. Die sechs Briefmarken sind jeweils zum Frankieren von nationalen Prioritätsbriefen vorgesehen.


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