Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2020 > 06 > Bluehstreifen

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 06/2020 |

Blühstreifen

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Der neue Umweltbericht der zuständigen Ministerin mahnt erneut – und ziemlich sicher ohne deutliche Folgen – den schlechten Zustand der Natur an.

Wiesen und Flussräume, Wälder und Gletscher bekommen die Noten schlecht bis ungenügend. Bedroht sind Vogelarten, Rückgänge der früher in den Feldern lebenden Kiebitze und Rebhühner bis zu 90 Prozent in 25 Jahren sind zu verzeichnen. Gülleeintrag, Massentierhaltung, Ausdehnung der Feldgrößen ohne Sträucher- und Baumreihen führen auch zu massivem Insektensterben.
Mahnungen dieser Art gibt es seit Jahren mehr als genug. Aber der Abwehrlobby gegen irgendwelche Änderungen in der Agrarpolitik fallen immer neue Gründe ein, Schutzregeln auszubremsen, und die deutsche Landwirtschaftsministerin verhindert Abstimmungen in Brüssel, wenn Förderrichtlinien geändert werden sollen.
Eine kleine, aber wachsende Gegenbewegung – neben der Gruppe der Biobauern – macht von sich reden: Bürgerblühstreifen sind im Kommen. Schon immer gab es in Dörfern oder Vorstädten sogenannte «Bauerngärten», die Obst, Gemüse und Blumen das ganze Jahr hindurch zeigten. Auch davon inspiriert ging es los mit einigen konsequenten Urban-Gardening-Projekten, bekannt geworden unter anderem durch einen Film aus Kassel über die dortigen Aktiven. Im Gegensatz zum Trend zum Schottern der Vorgärten breiten sich nun Blühgärten aus, und dann auch Blühstreifen an den Feldrändern.
Einige Bauern wollten den Artenschutz mit alten Ideen betreiben. Statt Unkrautvernichtung bis zur Straße schufen sie neben den Äckern Streifen mit Wildblumensaaten. Mohn und Kornblumen leuchten inzwischen an einigen Stellen auch wieder aus dem wachsenden Getreide, aber vor allem Sonnenblumen, Bienenweide und andere Insektennahrungspflanzen wachsen neben Korn und Kartoffeln. Andere Bauern im nördlichen Recklinghausen (sicher nicht nur dort) haben nun nicht nur Randstreifen, sondern größere Feldteile bereitgestellt, auf denen von allen Bürgern, die das wollten, quadratmeterweise Blühwiesen finanziert wurden. Saaten werden inzwischen auch von der Stadt bereitgestellt, um auf einigen öffentlichen Stellen in der Stadt Blühstreifen anzulegen.
Keine Illusionen bitte! Das sind Streifen im zunehmend versiegelten Umfeld. Sie nützen sicher im kleinräumigen Bereich. Gleichzeitig wird eine große Agrarfläche im Norden des Reviers, die sogenannten Rieselfelder, für Industrie und Gewerbe eingeplant. Gleichzeitig wird eine ursprünglich mit Eichen bestandene Fläche an der Emscher in Castrop-Rauxel als Baugebiet ausgewiesen. Eine alte Eiche wurde gerettet (siehe SoZ 4/2020), Hunderte andere Bäume werden der Bebauung zum Opfer fallen. Blumen können in einem Jahr gesät werden und wachsen und nützen, aber Bäume brauchen Jahrzehnte bis ihre Schutzwirkung erreicht ist.


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.