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Landgrabbing und die Folgen

Zerstörung von Ökosystemen kann Seuchen hervorbringen
vom chinesischen Autor*innenkollektiv

Die Corona-Pandemie wird oft so dargestellt, als wäre sie eine Art Naturkatastrophe – bestenfalls als wahllos, schlimmstenfalls werden die «unreinen» kulturellen Praktiken der armen Waldbewohner verantwortlich gemacht.

Aber der Zeitpunkt der beiden größeren Ebola-Ausbrüche (2013–2016 in Westafrika und von 2018 bis heute in der DRK) ist kein Zufall. Beide traten genau dann auf, als die Waldbewohner durch die Expansion der Rohstoffindustrie vertrieben und die lokalen Ökosysteme zerstört wurden. Es scheint, wie Wallace schreibt, dass «jeder Ebola-Ausbruch mit kapitalgetriebenen Verschiebungen bei der Landnutzung verbunden» ist – etwa 2013 in Guinea, nachdem eine neue Regierung begonnen hatte, das Land für die globalen Märkten zu öffnen, und große Gebiete an internationale Agrarkonzerne verkaufte.
Die Palmölindustrie, die für ihre Rolle bei der weltweiten Entwaldung und ökologischen Zerstörung berüchtigt ist, scheint besonders verantwortlich zu sein. Ihre Monokulturen zerstören die ökologischen Puffer, die helfen, Übertragungsketten zu unterbrechen, gleichzeitig ziehen sie die Fledermausarten an, die dem Virus als natürliches Reservoir dienen.
Der Verkauf großer Landstriche an forstwirtschaftliche Unternehmen führt sowohl zur Enteignung der Waldbewohner als auch zur Zerrüttung ihrer vom Ökosystem abhängigen lokalen Formen der Produktion und Ernte. Oft bleibt ihnen nur die Wahl, noch tiefer in den Wald einzudringen. Im Ergebnis hängt ihr Überleben zunehmend von der Jagd auf Wild oder von der Ernte der lokalen Flora und von Holz für den Verkauf auf den globalen Märkten ab. Solche Bevölkerungen werden dann von globalen Umweltschutzorganisationen zu Sündenböcken gestempelt: Sie prangern sie als «Wilderer» und «illegale Holzfäller» an und machen sie für die Entwaldung und die ökologische Zerstörung verantwortlich, durch die sie ja erst in solche Gewerbe getrieben wurden.
Oftmals nimmt dieser Prozess eine noch viel düsterere Wendung, wie in Guatemala, wo antikommunistische Paramilitärs, Überbleibsel des Bürgerkriegs, zu «grünen» Sicherheitskräfte gemacht wurden. Sie erhielten die Aufgabe, den Wald vor illegalem Holzeinschlag, Wilderei und Drogenhandel zu «schützen» – also vor den einzigen für die indigenen Bewohner noch zugänglichen Gewerben. Dieselben Paramilitärs, die sie während des Bürgerkriegs gewaltsam unterdrückt haben, treiben sie nun zu solchen Aktivitäten. Dieses Muster wiederholt sich weltweit, und die sozialen Medien in den reichen Ländern tragen das Ihre dazu bei, wenn sie die Exekution von «Wilderern» durch angeblich «grüne» Sicherheitskräfte feiern.


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