Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2020 > 10 > 7-konferenz-betriebsraete-im-visier

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 10/2020 |

7.Konferenz «Betriebsräte im Visier»

«Nutzt dieses Forum, es gibt in dieser Form kein zweites»
Gespräch mit Wolfgang Alles

Am 17.Oktober 2020 findet ab 13 Uhr die 7.Konferenz «Betriebsräte im Visier» im Mannheimer Gewerkschaftshaus statt. Sie wird vom Mannheimer Komitee «Solidarität gegen BR-Mobbing» organisiert. Violetta Bock sprach mit WOLFGANG ALLES über die Ziele und Entwicklung der Konferenz im Lauf der Jahre.

Um was geht es bei der Konferenz und an wen richtet sie sich?

Die Konferenz «Betriebsräte im Visier» richtet sich vor allem an Betroffene, das heißt an Mitglieder von Interessenvertretungen, die Opfer von Betriebsratsmobbing bzw. Gewerkschaftsbekämpfung sind. Wir wollen aber natürlich auch hauptamtliche GewerkschafterInnen ansprechen, um mit ihnen in einen Austausch über diese Situation zu kommen und wie man Gegenwehr organisieren kann. Daneben wollen wir untersuchen, welche Werkzeuge uns zur Verfügung stehen, um dem Klassenkampf von oben wirksam begegnen zu können.

Die Konferenz findet zum siebten Mal statt. Gibt es diesmal einen besonderen Schwerpunkt und wie würdest du die Veränderung in den letzten Jahren beschreiben?

Wir versuchen ja, dazu zu lernen. Bei den ersten Konferenzen stand die Skandalisierung dieses schwierigen Themas im Mittelpunkt. Wir haben bald gemerkt, dass das nicht ausreicht, um wirklich die Verhältnisse in diesem Bereich zu ändern. Und wir haben zunehmend überlegt, wie können sich Kolleginnen und Kollegen in den Gremien aufstellen, um entsprechende Angriffe schnell erkennen und zurückweisen zu können.
Natürlich wollen wir auch die Gewerkschaften mit ins Boot holen. Das haben wir von Beginn an getan. Wir wollen also verstärkt versuchen, Methoden der Gegenwehr zu diskutieren und zu vermitteln. Da rückt natürlich das Thema «Organizing» stark in den Fokus und spielt auch bei dieser Konferenz eine wichtige Rolle.

Am Anfang ging es erstmal darum, Öffentlichkeit für das Thema zu schaffen und auch die Gewerkschaften zu sensibilisieren. Ihr hattet auch Beteiligte vom Vorstand der IG Metall auf eurer Konferenz. Wie ist dein Eindruck: Hat sich in den Gewerkschaften schon etwas geändert?

Die IG Metall war von Anfang an mit im Boot. Über die Mannheimer IG Metall haben wir auf dem vorletzten Gewerkschaftstag einen Antrag zum Kampf gegen BR-Mobbing eingebracht, der mit großer Mehrheit angenommen wurde. Seitdem haben wir verstärkt Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen im IG-Metall-Vorstand in Frankfurt. Da gibt es einen stetigen Austausch.

In dem Antrag habt ihr auch eine Art Task Force gefordert. Was ist daraus geworden?

Anträge sind das eine, ihre Umsetzung das andere, das ist immer so. Doch es hat sich einiges bewegt, auch wenn da noch Luft nach oben ist. Das Thema Betriebsratsmobbing und Gewerkschaftsbekämpfung hat auf dem letzten Gewerkschaftstag 2019 eine noch größere Rolle gespielt als 2015. Die Organisation ist gezwungen sich damit auseinanderzusetzen, einfach weil die Angriffe massiver und schärfer werden, die Kapitalseite nutzt auch die Corona-Pandemie für sich aus.
Bei der Umsetzung und Entwicklung einer sog. Task Force ist noch einiges zu tun, hier geht es darum, eine Anlaufstelle für betroffene Kolleginnen und Kollegen zu schaffen. Dennoch ist die IG Metall dieszbezüglich den anderen Gewerkschaften weit voraus. Ver.di ist da auch unterwegs, auch in anderen Gewerkschaften ist das Thema angekommen, mittlerweile auch im DGB. Aber viele betroffene Kolleginnen und Kollegen fühlen sich oft noch sehr allein gelassen und haben den Eindruck, dass der aggressiven Macht, die hinter den Angriffen auf demokratisch gewählte Interessenvertretungen steht, noch nicht genügend koordiniert und wirksam entgegengesteuert wird.

Du hattest Corona angesprochen. Hat da auch das BR-Mobbing pausiert oder wurde es eher befeuert?

Wir haben keine wissenschaftlich abgesicherten Daten. Das ist Teil des Skandals, dass der reale Umfang des Mobbings nicht wirklich erfasst wird. Es gibt einzelne Studien. Aber unser subjektiver Eindruck aus verschiedenen Branchen ist, dass die Angriffe härter werden und dass massiv versucht wird, konsequente Interessenvertretung zu bekämpfen und unmöglich zu machen.

Im Moment sieht es so aus, als könne die Konferenz physisch stattfinden. War das für euch eine Frage, sie wegen Corona ausfallen zu lassen?

Alle Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten Jahren teilgenommen haben, und das waren in der Summe mehrere hundert, haben gesagt, es ist für sie total wichtig, dass es diesen Austausch gibt, dass wir sehen, wir sind keine Einzelfälle, dass wir sehen, da steckt ein kriminelles System der Betriebsratsbekämpfung dahinter. Deswegen kann ich nur appellieren: Nutzt dieses Forum, es gibt in dieser Form kein zweites.

Mehr Infos unter: http://gegen-br-mobbing.de/konferenz-br-im-visier. Schriftliche Anmeldungen sind zwingend erforderlich. Die Konferenz wird unterstützt von der IG Metall Mannheim, AKUWILL Oberhausen, DGB Baden-Württemberg, IG BCE Weinheim, OKG – «Organisieren-Kämpfen-Gewinnen», Überbetriebliches Solidaritätskomitee Rhein-Neckar, Ver.di Rhein-Neckar, work-watch Köln.


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>



Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.


Kommentare als RSS Feed abonnieren