Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2020 > 11 > Polnische-presseschau-149-22-11-2020

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 11/2020 |

POLNISCHE PRESSESCHAU 149, 22.11.2020

Wir haben eine große Feier vor uns, bei der wir für das Recht der polnischen Frauen kämpfen ihre eigene Wahl zu treffen“

Eine solche Botschaft erschien auf dem Kanal, der von streikenden Frauenaktivistinnen betrieben wird. Es wird Samstag, der 28. November sein.

In Polen wird gegen die Verfassung und die Rechtsstaatlichkeit verstoßen. Das erleben wir jeden Tag. Wir werden weiterer Rechte beraubt und das akzeptiere ich nicht, deshalb nehme ich an den Streiks der Frauen teil!“,sagt der 14 jährige Schüler Maciej aus Krapkowice.

Polizei droht Maciej mit 4 Jahre Jugendarrest + 4 Jahren Gefängnis Przeglad, 23.11.2020

Der Fall des 14-jährigen Maciej aus Krapkowice, der in seinem privaten Facebook Profil darüber informierte, dass ein „Spaziergang“ aus Protest gegen das Anti-Abtreibungsgesetz stattfinden wird, wird vom Jugendgericht geprüft werden, teilte das Polizeipräsidium in Krapkowice mit. Maciej berichtet: „Aus diesem Grund kamen am Dienstag um 10 Uhr zwei Polizisten zu uns, der eine in Uniform, der andere in Zivil. Der Mann in Zivilkleidung war der stellvertretende Chef der Bezirkspolizei. Er benahm sich unverschämt, weil er mich und meine Mutter nicht reden ließ. Er drohte mir mit 4 Jahren Besserungsanstalt und anschließenden 4 Jahren Gefängnis. Die Polizisten sagten, ich rufe zu illegalen Protesten auf. Sie wussten nicht, wer der Organisator dieser Veranstaltung war, aber meiner Lehrerin und Direktorin sagten sie, dass ich es war. Aber dafür haben sie keine Beweise vorgelegt. Diese „Spaziergänge“haben keine Organisatoren. Es handelt sich um spontane Zusammenkünfte, so dass niemand sie organisieren kann.“ Maciej hatte schon an solchen Protesten auch in Opole teilgenommen. Dieses Vorgehen der Polizei bestärkt ihn dabei weiter zu machen und für Rechte einzutreten. Wie er sagt, hat die aktuelle Situation im Land ihn dazu gebracht sich politisch zu engagieren und weitere Jugendliche dazu anzuregen. Seine Eltern stehen ihm bei und sind auch seinem Wunsch nachgekommen ihn vom Religionsunterricht abzumelden. Er hat die Intervention auf Facebook bekanntgemacht und erhielt spontan Unterstützung vom Bürgermeister und einer Abgeordneten der Linken.

Ich bewundere junge Menschen wie den 14-jährigen Maciej aus Krapkowice. Es ist ein Licht am Horizont, und von ganzem Herzen kann man sagen:

NOCH IST POLEN NICHT VERLOREN, WENN SOLCH EINE JUGEND SICH ERHEBT!

Die Proteste gehen weiter – Achtung, Tränengas oko.press, 19.11. 2020

„Sie haben Blut an Ihren Händen. All diese Demonstrationen, die Sie unterstützt haben, haben bereits viele Menschenleben gekostet. Sie haben Verbrechen zugelassen“, rief Jaroslaw Kaczynski gestern den Abgeordneten der Opposition zu. Zur gleichen Zeit ging die Polizei brutal mit den Warschauerinnen und Warschauern um, die vor dem Regierungsfernsehen TVP protestierten.

„Ich bin nicht in der Lage, Soldaten, Polizeibeamte und Polizeiautos zu zählen“, sagte OKO.press – Reporter Maciek Piasecki, der über den Beginn des Protests vor dem Sejm unter den von der Armee umgebenen Barrikaden berichtete. Da die Wiejska Straße (dort befindet sich das Parlament und das Präsidialamt) von der Polizei blockiert wurde, haben die Protestteilnehmer von der ursprünglich geplanten Blockade des Sejm abgesehen und versammelten sich auf dem Platz der drei Kreuze (Plac Trzech Krzyzy). Von dort aus zogen sie zum Hauptquartier der TVP auf dem Platz Powstancow Warszawy.

„Es sind zu viele Menschen, um sie einzukesseln, so dass Menschen, die gehen wollen, freigelassen werden“ – berichtete unsere Journalistin Dominika Sitnicka. Doch bald darauf änderte die Polizei ihre Taktik. Gegen 21.40 Uhr wurde der Platz auf allen Seiten abgesperrt, die Demonstranten eingekesselt. Die Demonstranten riefen: „Lasst uns gehen!“ und sie bedrängten die Polizei. Zivile Beamte griffen eine Gruppe von Demonstranten an, das zweite Mal an diesem Abend wurde auch Tränengas eingesetzt – unter den Opfern war Maciek Piasecki.

Auch die Abgeordnete Magdalena Biejat, der Tränengas ins Gesicht geschossen wurde, als sie eine parlamentarische Intervention durchführen wollte, litt darunter. Zuvor berichteten die Medien, dass auch andere Parlamentarier, darunter der stellvertretende Sejm-Präsident Wlodzimierz Czarzasty, darunter gelitten hatten.

Auf der Suche nach den Gründen für ein solches Verhalten der Polizei haben wir versucht, ihren Sprecher anzurufen, aber ohne Erfolg. Der Protest endete vor Mitternacht, als die Polizei die Teilnehmer freiließ. Für heute Abend sind weitere Demonstrationen angekündigt. Wir werden sie informieren.

onet.pl:

„Diese Art von Aktionen, die wir gestern gesehen haben, werden am häufigsten gegen Hooligans angewandt. Es gibt einen Unterschied zwischen demonstrierenden Frauen und einer Gruppe organisierter Typen, die auf eine Konfrontation mit der Polizei eingestellt sind. Frauen sind weder bewaffnet noch aggressiv. Sie bringen ihre Überzeugungen zum Ausdruck, aber das ist keine Voraussetzung, um solche Aktionen auf sie anzuwenden“ – sagt ein ehemaliges Mitglied einer Antiterror- Einheit.

Während des gestrigen Protests erregte die Kontroverse Aktionen von Polizisten in Zivil, die mit Teleskopstöcken bewaffnet waren und auf die Demonstranten wahllos einschlugen. Erst später machten sich sich eine Armbinde um, die sie als Poleibeamte auswiesen!

– „Wir haben oft so gehandelt, gewöhnlich am 11. November, als die Hooligans sich aufstellten und auf Krawall aus waren. Es betraf nur diese Gruppe von Menschen“ – sagt uns der Ehemalige der Antiterroreinheit.

– „Vom Gefechtsstand aus konnte man immer sehen, welcher Teil der Gruppe sich am aggressivsten verhält und eine Bedrohung für die Demonstranten und Polizei darstellt. Erst dann wurde dort eingegriffen“ fügt hinzu und betont: „Ich denke, dass es gestern keinen Grund gab, dies zu tun“.

Der Polizeisprecher wurde u. a. auch darauf angesprochen, dass zivile Polizisten Menschen und auch Abgeordnete angegriffen haben. Gegen einen Abgeordneten wurde gar Anzeige erhoben, weil er sich gegen einen Angreifer gewehrt hat. Dazu der Polizeisprecher, der Abgeordnete hätte davon ausgehen müssen, dass es sich dabei um einen Ordnungshüter handelt. Sollen also Menschen, die angegriffen werden erst einmal davon ausgehen, dass dies ein Zivilbeamter ist, gegen den sie sich nicht wehren dürfen. Es später haben diese Beamten sich eine entsprechende Binde angelegt

Die ganze Situation eskalierte bereits nach 18 Uhr dramatisch, als eine der Aktivistinnen der „Polnischen Großmütter“ – Oma Kasia – von der Polizei umzingelt in Fahrzeug verbracht und abtransportiert wurde.

Warum brauchen Sie die Anti-Terroreinheit?

Am Donnerstagmorgen berichtete das RMF-Radio, dass etwa 60 Polizeibeamte des Büro für Antiterror Operationen(BOA) an der Aktion beteiligt waren, um den Protest der Frauen zu „sichern“.

Es handelt sich um eine Einheit, die sich mit der Terrorismusbekämpfung, dem Kampf gegen die organisierte Kriminalität sowie mit der Festnahme und den Konvois der gefährlichsten Kriminellen befasst.

Unseren Gesprächspartnern bei der Polizei zufolge nahmen Beamte der Unabhängigen Polizeidienststelle für Terrorismusbekämpfung (SPAP) oder der Zentralen Terrorismusbekämpfungsabteilung der BOA-Polizei an der Festnahme von Demonstranten teil. Die Antiterroristen wurden zunächst auf die Gornoslaska – Straße gelenkt, aber als die Demonstranten auf den Platz der Warschauer Aufständischen zogen, folgten sie ihnen.

Weitere brutale Attacken der Polizei gegen Demonstranten – Bei einer Solidaritätskundgebung für die Aktivistin Isabela, die seit dem 28. Oktober festgehalten wird, hat die Polizei vor dem Regionalgericht in Warschau auf die Menschen eingeprügelt, einen vorbeilaufenden 17 jährigen Jugendlichen Janek zu Boden geworfen. „Gestern, gegen 15 Uhr, erhielten wir einen Anruf von einem Anwalt, der sich mit Janeks Fall befasst, und er sagte, dass unser Sohn verhaftet worden sei und sich im Hauptquartier in der Zytnia Straße befinde. Wir gingen zu dem Ort, die Polizei überprüfte drei Stunden lang, ob eine solche Person bei ihnen war – es stellte sich heraus, dass er nicht da war“ – sagt sein Vater Marek.

„Eine weitere Information kam per Telefon: Mein Sohn ist im Hauptquartier in der Zeromski Straße. Ich wurde telefonisch von jemandem informiert, der sich als Polizist vorstellte. Wir gingen mit einer Anwältin dorthin, meine Frau und ich durften nicht hinein, die Anwältin sah ihn nur etwa 40 Sekunden lang. Sie erzählte uns, dass er in guter geistiger und körperlicher Verfassung sei. Und das war’s. Ich habe kein Dokument von der Polizei bekommen, also wurde mein Sohn nach meinem Verständnis entführt!“

Deutsche Hilfe gegen Covid 19 in Polen                                                   onet.pl 14. 11. 2020
Steinmeier hat Polen Hilfe bei der Bekämpfung der Pandemie angeboten. Eine offizielle Antwort seines Amtskollegen gab es nicht. Aus Regierungskreisen verlautete, dass Polen auf deutsche Hilfe nicht angewiesen sei. Jetzt ist eine PiS Abgeordnete mit der Forderung an Deutschland heran getreten, die Bundesländer mögen doch die polnischen Ärzte für den Zeitraum der Pandemie Polen zur Verfügung stellen. - „Jeder Arzt, der den Schutz der öffentlichen Gesundheit im Kampf gegen eine Pandemie stärken würde, ist Gold wert. Es wäre jedoch die Versklavung der Ärzte, die Polen verlassen haben. Nicht weil sie es wollten, sondern wegen der schrecklichen Arbeitsbedingungen und Gehälter. Sie haben eine äußerst schwierige Entscheidung getroffen, und sich ein Leben in einem anderen Land eingerichtet“, sagt Dr. Bartosz Fialek vom Polnischen Ärzteverband. Der Arzt fügt hinzu, dass dies nicht das Ende der Migration der Ärzte aus Polen sei wird. „Es ist eine Frage der Zeit. Das öffentliche Gesundheitssystem ist bereits zusammengebrochen, und ich weiß nicht, ob es nach der Pandemie wieder aufgebaut werden kann. Dafür brauchen wir Menschen - Beschäftigte im Gesundheitswesen. Sie werden nicht da sein, weil die meisten von ihnen in die Privatwirtschaft abwandern oder ins Ausland gehen werden...Niemand will in einem schlecht funktionierendem Gesundheitssystem und unter einer Regierung arbeiten, die nicht auf unsere Forderungen hören.“ Ein anderer Arzt „Der Arzt ist auch ein Mensch und hat seine Rechte, seine Familie, sein Zuhause. Besser wäre es, wenn sich die Abgeordneten für die Arbeitsbedingungen polnischer Ärzte interessieren würden, für ihre Gehälter, für die Möglichkeiten sich zu spezialisieren, für die ganze Fülle von Themen, die Ärzte veranlassen, Polen zu verlassen“. Die Ende Oktober dieses Jahres von der Wirtschaftsuniversität Krakau durchgeführte Untersuchung zeigt, dass 15% der Ärzte Polen verlassen oder den Beruf aufgeben wollen. Und was würden die Abgeordneten sagen, wenn die Ukraine und Belarus verlangen, dass ihre Ärzte aus Polen zurückkehren?
Weihnachten in Zeiten von Corona 19                      onet.pl
Mateusz Morawiecki appellierte an die Polen, Weihnachten mit ihren Familien zu verbringen. „Lassen Sie uns nicht zwischen Städten reisen“ sagte der Premierminister. „Wir planen rechtliche Lösungen, die es uns ermöglichen werden, Beschränkungen in der Freizügigkeit einzuführen. Bitte planen Sie keine Reisen, keine Skiurlaube in Österreich oder Italien“ antwortete der Premierminister auf die Frage, ob die Regierung für Weihnachten Reisebeschränkungen plant.
Der Regierungschef wies darauf hin, dass es zwar seit einigen Tagen eine relative Stabilisierung der Zahl der Infektionen zu beobachten sind, das Virus aber immer noch seinen tödlichen Tribut fordert. Die Lage sei nach wie vor sehr ernst,  sagte er. Gaststätten und alle anderen Einrichtungen, die derzeit geschlossen sind, bleiben es weiterhin bis zum 27. Dezember. Lediglich Einkaufspassagen werden wieder zur Adventszeit geöffnet, damit die Leute Weihnachtseinkäufe machen können.

Minister für Hochschulen kündigt akademische Freiheit oko.press 10.11.2020

Der Minister kündigt Reformen für die Hochschulen an und beruft dazu eine Kommission, deren Vorsitzender ein Mann von Kaczynski ist. Weitere Mitglieder dieser Kommission werden aus katholischen Hochschulen und dem national-katholisch-fundamentalistischen Medienimperium „Radio Maryja“ rekrutiert. Das ist insofern verständlich, da bei der letzten Reform die Zuwendungen für die Lehranstalten von der Anzahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen, besonders auch der im Ausland, eine Rolle spielte. Die genannten Hochschulen konnten keine wertvollen Publikationen vorweisen. 
"Die Experten, die in den für die Revision der Wissenschaftsverfassung zuständigen Ausschuss berufen wurden, sind christliche Taliban. Sie befinden sich im Krieg mit der modernen Wissenschaft, den Universitäten und der westlichen Zivilisation. Wie beabsichtigt diese Regierung einen Dialog mit der akademischen Gemeinschaft zu führen?“ sagt Prof. Bilewicz, Psychologe an der Uni Warschau. Bei ihren Beratungen kam es u. a. zu solchen Erkenntnissen: "Der Marxismus ist gefährlicher als jede Pandemie. Es handelt sich um ein Virus, das verschiedene Mutationen durchläuft. Wir haben es mit einer Symbiose von Neoliberalismus und „Neo -Linkismus“ zu tun. Wir müssen uns dem stellen."
EU, Geld und Rechtsstaatlichkeit und PiS                                                      oko.press  18. 11. 2020
Wie bekannt hat der polnische Premier zusammen mit Orban  gegen das Konstrukt  EU Gelder an die Rechtsstaatlichkeit zu knüpfen, sein Veto eingelegt. Kaczynski hatte seinerzeit Morawiecki zum Premier erkoren, weil er davon ausging, dass der ehemalige Banker besser und eloquenter in der Lage wäre sich auf Internationalem Parkett zu bewegen. Aber er hat einen großen Gegner, der verhindern möchte, dass Morawiecki ihm seine Rolle als Erbprinz streitig macht, nämlich den Justizminister Ziobro. Und Ziobro ist in der Rechtskoalition der äußerst rechte Ansichten vertritt und vehement auch gegen diese EU Richtlinien ist. Seine ultra- erzkonservative Partei „Solidarna Polska“ mit ihren 18 Abgeordneten im Sejm verschafft der PiS  eine Mehrheit. Und ihrem Vorsitzenden Ziobro die Möglichkeit seine Interessen durchzusetzen, indem er droht seine Partei aus der Koalition heraus zu nehmen. In der letzten Zeit kommt es immer wieder in der Regierungskoalition zu Krisen. Wie lange das gut geht bzw. wer den längeren Atem, hat wird sich zeigen. Die PiS versucht ihre Anhänger davon zu überzeugen, dass „Geld und Rechtsstaatlichkeit“ Polen der Souveränität beraubt. So würde dies dazu führen, dass Polen dazu gezwungen wird die Ehe für homosexuelle Paare einzuführen und diesen zu erlauben Kinder zu adoptieren. Morawiecki hatte es so angekündigt: „Wenn unsere Partner nicht verstehen, dass wir nicht mit einer Ungleichbehandlung von Staaten einverstanden sind, die mit einem Stock in der Hand, der immer gegen uns eingesetzt wird, nur weil jemand unsere Regierung nicht mag, werden wir am Ende tatsächlich dieses Veto einlegen".
Doku - Filme über Missbrauchs

in Polen ist Bewegung bezüglich des Missbrauchs in der katholischen Kirche gekommen. Das ist den Sekielski – Brüdern zu verdanken, die bisher einen Doku-Film über Priester- Täter gedreht haben, und den zweiten über Bischöfe, die dies vertuscht haben. Um Unabhängigkeit zu bewahren, wurden diese Filme durch Spenden finanziert. Jetzt werden Spenden gesucht für den nächsten Film, der die Rolle vom Papst Johannes Paul II. untersuchen soll. Da werden auch außerhalb Polens Reportagen notwendig sein. Vielleicht hat die eine oder der andere paar Euro dafür übrig – hier das Konto für Euro Spenden:

Tomasz Sekielski
PL91 1950 0001 2033 9004 5000 0003
pedofilia w ko?ciele JP II
Greift der Vatikan gegen Sexualstraftäter durch?                              Studioopinii, 12.11. 2020
Es gibt weitere Ereignisse, die auf den Beginn einer neuen Politik des Vatikans gegen die sexuellen Missbräuche hinweisen, die in der Vergangenheit von auch polnischen Bischöfen begangen wurden, sei es allein oder unter Verschleierung von Sexualstraftätern. Am schwerwiegendsten ist natürlich der "McCarrick-Bericht": "Bericht des Heiligen Stuhls über das Wissen und die Entscheidungsfindung bezüglich des ehemaligen Kardinals Theodore Edgar McCarrick (1930-2017)", den der vatikanische Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, mit diesem Kommentar versehen hat: "Wir veröffentlichen den Bericht mit dem Schmerz über die Wunden, die dieser Fall den Opfern, ihren Familien, in der Kirche der Vereinigten Staaten, in der Weltkirche, zugefügt hat". Dies ist ein wichtiges Schuldbekenntnis der hierarchischen Kirche, das von Papst Franziskus unterzeichnet wurde, weil es sein Wille war, dieses Dokument zu erstellen. Seinerzeit hat der polnische Papst, obwohl viele Hinweise auf die Straftaten des späteren Kardinals eingegangen waren, diesem seine Unschuldsbeteuerungen geglaubt, ihn zum Bischof von Washington (2000) und später zum Kardinal (2001) gekürt. Weder Dziwisz noch Wojty?a interessierten sich für das Schicksal der Opfer, aber sie hörten sich bereitwillig Zusicherungen über die Unschuld des Sexualstraftäters an. Schließlich hat dieser nach dem Bankenskandal den Vatikan vor dem Bankrott gerettet. 2018 wurde er mit dem Vorwurf „systematisch zur sexuellen Ausbeutung ihm untergebener Seminaristen und Priesteranwärter sowie anderer von ihm abhängiger Opfer ausgenutzt hatte“ aus dem Amt entfernt. McCarrick soll zwischen 1970 und 1990 zahlreiche Priesteramtskandidaten sexuell benutzt und auch mindestens zwei Minderjährige missbraucht haben“. McCarrick explosiver Vatikan-Bericht macht vor allem Johannes Paul II. verantwortlich. Das ist keine Übertreibung. McCarrick lernte Wojtyla 1976 kennen, und seitdem trafen sie sich regelmäßig. Der Bericht hält diese Treffen akribisch fest. Eine in aller Ruhe gemachte Lektüre dieses umfangreichen Textes lässt in der Tat keinen Zweifel aufkommen. Die brillante und für viele unverständliche kirchliche Laufbahn des Theodore McCarrick, der im Februar 2019 der Kardinalswürde beraubt und aus dem Priesterstand ausgeschlossen wurde, wäre ohne das persönliche Engagement des 1978 gewählten Papstes Karol Wojtyla nicht möglich gewesen. Eine wichtige Rolle in diesem Verfahren spielte auch der persönliche Sekretär von Johannes Paul II., dem heutigen Kardinal im Ruhestand Stanislaw Dziwisz. 
In diesem Zusammenhang kam im polnischen Fernsehen TVN24 eine Dokumentation zu Dziwisz: „Don Stanislao – das zweite Gesicht von Kardinal Dziwisz“
Gulbinowicz am 16.11. mit 97 Jahren verstorben                                 Polityka, 18. 11. 2020
Der kürzlich vom Vatikan wegen seiner Verbrechen abgestrafte ehemalige Erzbischof von Wroclaw Gulbinowicz ist jetzt verstorben. (Auch die Stadt Breslau hatte ihm inzwischen die Ehrenbürgerschaft aberkannt). So können seine Opfer insofern froh sein, dass der Vatikan noch zu seinen Lebzeiten – einige Tage vor seinem Tod – ihren Beschluss bekanntgegeben hat. Etwas verwunderlich ist es schon, dass auf der Internetseite der Erzdiözese Breslau die Todesanzeige die Titel von Gulbinowicz anführt. Am 20.11.2020 fand in der Universitätskirche die Trauerfeier statt. Die Beisetzung findet im Familienkreis statt, die den Ort nicht öffentlich bekannt geben wird.
Kirchenaustritte häufiger: dazu werden immer mehr Beratungsstellen oder Internetseiten aufgesucht und es gibt Tipps wie am besten mit den Kirchenleuten umzugehen ist. Sogar auf den Straßen, wo die Demos stattfinden, haben Jugendliche Tische aufgestellt, an denen sie Beratungen durchführen Dann dazu ist es in Polen erforderlich  sich den Taufschein zu besorgen und damit zu der Pfarrei am gegenwärtigen Wohnsitz zu gehen. Einer berichtet, dass der Pfarrer 100 Zloty verlangt hat und 10 Groschen bekam. Oft verweigern die Pfarrer entsprechende Dokumente und fangen Diskussionen an, dabei tragen sich viele schon Jahre mit dem Entschluss.
Eine 45 jährige Lehrerin aus Zabrze schreibt:  "Ich glaube nicht, dass Johannes Paul II. nichts gewusst hätte, weil er alt und hinfällig war. Auf der anderen Seite hat er theologische tiefgreifende Texte und Enzykliken verfasst. Immer weniger meiner Bekannten glaubt an die Verdienste  von JPII. Die Generation JPII (damit sind die unter dem Pontifikat des polnischen Papstes herangewachsenen gemeint) geht auf die Straße und die Jüngeren treten massenhaft aus der Kirche aus." 





Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>



Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.


Kommentare als RSS Feed abonnieren