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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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LESERBRIEF

Betr.: Corona – Vom Versagen der Kritik, SoZ 11/2020, S.2
dokumentiert

Albrecht Kieser fordert auf der Premiumseite der SoZ 11/2020: «Die Linke muss endlich offen über die gesellschaftliche Krise diskutieren, die das Corona-Managment hervorgerufen hat.» Ja, warum tut er das nicht? Stattdessen krude Behauptungen und Unwahrheiten!

Ich möchte nur auf zwei Punkte eingehen:

  1. «… tun wir so, als könnten wir jeden Toten vermeiden.»
    Wer behauptet das vom Corona-Management? Ja, die Chinesen, die haben das nicht nur behauptet, sondern das sogar erreicht, die gehören aber nicht zu unserem sogenannten Corona-Management. Von den Hiesigen habe ich das nicht gehört.
    Solche Aussagen lenken davon ab, was ist. Zur Zeit zählen wir täglich ca. 90 Tote in der BRD, fast 1000 in den USA, fast 1500 in Brasilien. In zehn Tagen ist eine Kleinstadt weg, darüber bringen wir lieber nichts im SoZ-Artikel.
    Und der Rest der Welt? Scheiß was drauf! In der BRD also 3000 Tote im Monat. Wenn das beim Autofahren der Fall wäre, gäbe es in der SoZ ein Aufschrei! Beim Autofahren geht man von einer Gefahrensituation aus. Deshalb ist Alkohol verboten! Wird in einer Kneipe Alkoholverbot ab 22 Uhr bei Coronagefahr befohlen, gibt es den Aufschrei! Beim Autofahren gibt es hunderte Freiheitsbeschränkungen, z.B. Geschwindigkeitsregeln, Blitzer, Führerscheinwegnahme, Gurtpflicht, Airbagpflicht bei den Autobauern, Gefängnisstrafen bei Unfällen usw. usw.
  2. Damit auch das mit den Toten nicht so schlimm ist, soll «die Letalität bei 0,22 bzw. 0,09 Prozent» liegen. Dazu gibt es andere Daten: weltweit liegt sie bei 3,3 Prozent, in Deutschland 3,7, Italien 12,7, Großbritannien 11,8, USA 3 Prozent. Über 1 Million Menschen sind an der Krankheit bereits gestorben! (Quelle: «Our World in Data», 10.September 2020, nach Merkur.de).
  3. Und gleich hinterher heißt es: «Auch eine Übersterblichkeit hat es bisher in 2020 nicht gegeben.» Da nimmt man also gerne Daten von den Hotspot-Managern aus Frankfurt a.M., den Versagern.
    Tatsache ist: Im April und Mai hatten wir eine Übersterblichkeit von bis zu 14 Prozent! Danach war die Erkrankungsrate von Corona auf unter 600 je Tag (z.Z. rund 16000) gefallen – u.a. wegen einiger Maßnahmen, da kann es dann auch keine Übersterblichkeit geben. Des weiteren hinkt der Vergleich, wenn man die extrem hohe Grippewelle 2018 nicht beachtet (die wird übrigens jetzt massiv mit Impfstoffen bekämpft). Im September 2020 lag die Übersterblichkeit bei ca. 6 Prozent (Quelle: Statistische Bundesamt, https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html).
    Ein weiteres Problem wir erst gar nicht aufgeführt. Wenn die Coronawelle weiter so steigt, sind im Dezember 2020 die Intensivbetten belegt. Dann kommt die Triage, d.h. Kranke werden bei der Aufnahme abgewiesen und krepieren. Aber so weit will der Autor anscheinend nicht sehen.
    Kein Wunder, dass die Mehrheit der Deutschen lieber der Wissenschaftlerin Merkel (die kann als Physikerin wenigstens Statistik) glauben als solchen verqueren Argumenten.
    Tatsächlich sollten Linke mehr darauf achten und dafür kämpfen, dass wichtige Argumente zum Tragen kommen, also:
    – Umsteuerung der Gesellschaft bei Subventionen von Unternehmen in der Bildung, bei der Mobilität, im Umweltschutz, in der Landwirtschaft, im Wohnungsbau;
    – bessere Ausstattung des Gesundheitswesens, andere, elektronische Bildungsinhalte, unbürokratische Verfahren bei notwendigen, bzw. dann nicht notwendigen Bürokratiegängen der Bürger;
    – und, ganz wichtig: Wie können wir Kämpfe in diesen Zeiten gestalten?

Ulrich Franz, Wuppertal, 29.Oktober 2020


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