Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2021 > 01 > Film-little-fires-everywhere

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 01/2021 |

Film: Little Fires Everywhere

USA 2020, Regie: Lynn Shelton
von T. Ravi Kühnel

Serien, die das Thema Rassismus behandeln, gibt es mittlerweile viele. Der gesellschaftliche Diskurs spiegelt sich längst auch in unserer Medienlandschaft wieder. Meist wird das Thema Rassismus nur einseitig beleuchtet. Die Serie Little Fires Everywhere macht einiges anders und sticht aus der Masse hervor.

Little Fires Everywhere ist eine Drama-Serie und basiert auf dem gleichnamigen Kriminalroman von Celeste Ng. Sie erschien im Frühjahr 2020 zuerst beim Streaminganbieter Hulu und wenig später auf Amazon Prime Video. Das Drehbuch stammt von Liz Tigelaar, die schon für Serien wie Once Upon a Time verantwortlich zeichnete, Celeste Ng unterstützte sie dabei. Regie führte Lynn Shelton. Reese Witherspoon, bekannt aus Big Little Lies, die ihr acht Emmys und vier Golden Globes einbrachte, ist nicht nur Producerin der Serie, sie spielt auch eine der Hauptrollen.
In acht Episoden erzählt die Serie die Geschichte von einer alleinerziehenden schwarzen Mutter, die mit ihrer Tochter in das Mietshaus einer reichen weißen Familie zieht. Das Oberhaupt der sechsköpfigen Oberschichtfamilie, Elena Richardson, versucht mit aller Macht, alles zu planen und jeden in ihr geschlossenes Weltbild zu drücken. Besonders zu kämpfen hat sie mit ihrer jüngsten Tochter Izzy, die ihren eigenen Kopf hat.
Neben der Planung ist eines Elena besonders wichtig: Hautfarben sind egal. Und so hat sie auch ihre Kinder erzogen. Das wird jedoch nicht nur sie, sondern auch ihre Tochter Lexie noch vor große Probleme stellen.
Mutter und Künstlerin Mia mit ihrer Tochter dagegen haben mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Die Mutter wird von ihrer Vergangenheit eingeholt, das bedroht die Beziehung mit ihrer Tochter. Als die beiden in das leerstehende Haus der Familie Richardson ziehen, das Elenor ihnen dankenswerterweise günstig vermietet, ahnen sie noch nicht, dass die Begegnung der beiden Familien das Leben aller verändern wird.
Beginnt man die Serie anzuschauen, meint man zu ahnen, was kommt. Ein Haus brennt, keiner weiß, wer es war. Alles was man weiß ist, dass Little ­Fires Everywhere ausgebrochen sind. Wenn man sich nun auf einen Krimi freut, liegt man falsch, denn schnell stellt sich heraus, dass es sich viel mehr um eine Gesellschaftsstudie handelt: über die Schwierigkeiten einer alleinerziehenden Mutter, über das Erwachsenwerden, über die erste Liebe und über Rassismus.
Elena sieht sich als liberale und gutherzige Amerikanerin, die niemals rassistisch ist, schließlich ist ihre Tochter mit einem Afroamerikaner zusammen und sie selbst hat bereits mit Martin Luther King demonstriert. Doch genau das ist verhängnisvoll, denn indem sie jahrelang dafür eingestanden hat, dass die Hautfarbe keinen Unterschied macht, erkennt sie die Probleme von BiPoC (Black, Indigenous and People of Color) nicht an. Auch ihre Tochter muss schmerzlich die Erfahrung machen, dass die Hautfarbe durchaus einen Unterschied macht.
Da sie die Bedeutung der Hautfarbe leugnen, erkennen die Richardsons nicht, dass sie Privilegien genießen, die andere Menschen nicht haben. Doch nicht nur die behandelten Themen Alltagsrassismus, White Supremacy und Colorblindness bringen einen zum Nachdenken, auch die Entwicklung der jungen Izzy Richardson sorgen für viele Gefühle.
Little Fires Everywhere ist eine Serie, die auf verschiedenen Ebenen tief bewegt. Die einen zurücklässt mit vielen Gefühlen, und nachdenken lässt über die eigenen Rassismen. Es ist keine Serie, die man so schnell vergisst, denn sie berührt das Herz und die Seele. Die Charaktere der Serie schließt man schnell ins Herz, und es fällt schwer, sie weder gehen zu lassen. Und eine Frage bleibt auch nach dem Abspann. Was wurde aus Izzy?


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.