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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 02/2021 |

«Wir wollen nicht um Lohnerhöhungen betteln»

LEG-Beschäftigte streiken für einen Tarifvertrag
Gespräch mit Patrick Koch

Patrick Koch arbeitet als Objektbetreuer seit knapp drei Jahren bei TSP (Technik Service Plus), einer Tochtergesellschaft des Wohnungsunternehmens LEG, und ist Mitglied der Tarifkommission. Er und seine 410 KollegInnen streiken derzeit dafür, dass der Haustarifvertrag der LEG auch für sie gilt.

Die LEG Immobilien AG ist das größte Wohnungsunternehmen in NRW und das drittgrößte Deutschlands. Violetta Bock sprach mit ihm über die Arbeit, ihre Forderungen und die Situation unter Corona.

Was genau ist eure Aufgabe?
Wir sind die Schnittstelle zwischen Mietern und Wohnungsfirma und machen die kleine Instandhaltung. Wenn das Wasser von der Decke läuft, ruft der Mieter bei uns an. Wir haben Tischler, wir haben Maurer, wir haben Sanitärmonteure, die Rohre neu verlegen, Maler, die Wände tapezieren und streichen. Dafür haben wir unsere eigene Belegschaft. Wenn wir mal nicht zurecht kommen, weil ein Auftragsvolumen so groß ist, vergeben wir es weiter. Wir sind aber auch bei Nachunternehmen für die Kontrolle und die Kommunikation mit ihnen zuständig.

Ein Drittel der Belegschaft ist im Streik. Warum?
Wir von TSP wollen auch in den Haustarifvertrag der LEG, damit nicht jeder und jede jedes Jahr einzeln beim Chef um eine Lohnerhöhung betteln muss. Es gehen halt immer einige leer aus. Ein Tarifvertrag deckt außerdem weitere Sachen ab, die bei uns nicht geregelt sind: Altersteilzeit, Arbeitszeit, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld… Bei uns gibt es nichts Festes, wo man sich dran halten könnte. Jetzt mit Covid-19 ist das eine schwere und harte Zeit für uns.
Der LEG geht es gut, die haben wohl wieder mehr Gewinne gemacht und der Vorstandsvorsitzende hat sich eine ordentliche Gehaltserhöhung gegönnt. Obwohl unsere Jungs vorne an vorderster Front sind. Die fahren zu den Mietern raus und sitzen zwischendurch in Quarantäne, weil irgendjemand positiv war. Gerade wegen Corona wäre es für die Beschäftigten wichtig, eine bessere Absicherung zu haben. Selbst auf unseren Autos steht inzwischen LEG drauf – dann sollte auch LEG drin sein.

Was würde ein Tarif finanziell an Veränderung bringen?
Das kann ein Unterschied bis zu 400–500 Euro sein. Viele der Monteure sagen nicht, was sie kriegen, denn dann kommt Futterneid auf. Jeder kriegt was anderes, der eine 100 mehr, der andere 50 mehr und das bei vergleichbarer Arbeit. Das kommt drauf an, wie du dich verkaufen kannst und was du für einen Eindruck machst. Und es kommt ja noch drauf an, von wo du kommst. Wir haben Leute, die kommen von der Zeitarbeit, die sind natürlich froh, wenn sie endlich einen Festvertrag haben, auch wenn›s weniger ist. Die Zeitarbeit macht auch viele unsicher, was sie verlangen können. Das Klima in der Firma ist relativ gut. Es ist wirklich eine positive Atmosphäre und es macht Spaß dort zu arbeiten. Aber ein Tarifvertrag würde es halt versüßen.
Wie hat die gewerkschaftliche Organisierung begonnen?
Als ich eingestellt worden bin, haben Kolleginnen und Kollegen mich relativ schnell gefragt, ob ich in einer Gewerkschaft bin und gesagt, dass es den Wunsch nach einem Tarifvertrag gibt. Ich bin dann Ver.di beigetreten und auf einer Mitgliederversammlung hat Ver.di gesagt, dass wir für eine Tarifaktion 31 Prozent der Belegschaft brauchen. Wir haben dann 250 Unterschriften für einen Tarifvertrag gesammelt, nach etwa eineinhalb Jahren hatten wir knapp 40 Prozent organisiert und haben eine Tarifkommission gewählt, in der ich auch drin bin. Wir hatten gute Unterstützung von Ver.di, haben uns an den vier Standorten vernetzt und gegenseitig angefeuert.
Am 7.11. war dann der erste Standort zum Streik aufgerufen. Am 30.11. haben wir das erstemal gemeinsam die Arbeit niedergelegt und haben uns vor dem Hauptgebäude der LEG blicken lassen. Wir würden natürlich lieber verhandeln, aber die LEG blockiert weiter. Mitte Januar haben wir wieder drei Tage gestreikt.


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