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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 03/2021 |

Kein Kahlschlag, keine Standortschließungen

Ein Aufruf aus Baden-Württemberg fordert einen Rettungsschirm für Industriearbeitsplätze und eine Mobilitätswende (Auszüge)
dokumentiert

Diesen von Bernd Riexinger angeregten Aufruf haben bisher rund 80 Gewerkschafter:innen vorwiegend aus der Autoindustrie im Großraum Stuttgart unterschrieben.

Ihr Anliegen ist, den Widerstand gegen die Stellenabbaupläne in Betrieben der Autoindustrie mit einer Perspektive für sinnvolle Industriearbeitsplätze in Be­reichen wie Bahninfrastruktur, öf­fentlicher Personennahverkehr (Busse und Kleinbusse, E-Pkw für Car-Sharing) und mit der Energiewende zu verbinden. Diese erste konkrete Initiative aus dem be­trieblichen Bereich verdient es bundesweit aufgegriffen zu werden. Die vollständige Erklärung findet sich unter www.change.org/rettungsschirm.

Wir Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus Baden-Württemberg fordern einen Rettungsschirm für die Industriearbeitsplätze in unserer Region Baden-Württemberg: Kein Kahlschlag, keine Standortschließungen, keine Verlagerungen.
In den Automobilkonzernen und in der Zulieferindustrie brennt die Hütte. Im Wochentakt hagelt es neue An­griffe und Drohungen der Unternehmen gegen ihre Belegschaften. Massiver Stellenabbau bis hin zu Entlassungen, Standortschließungen und Verlagerungen sind an der Tagesordnung. Das hat nicht immer etwas mit E-Mo­bilität oder Industrie 4.0 zu tun. Die Corona-Krise wird von vielen Managern missbraucht, um gewaltige Kostensenkungsprogramme zulasten der Beschäftigten durchzudrücken.
Die Corona-Krise als Brandbeschleuniger: Wir akzeptieren nicht, dass die Krise auf die Beschäftigten abgewälzt wird, um die Renditen hoch zu halten. Es geht um die grundsätzliche Auseinandersetzung: Entweder Rendite für Aktionäre, oder eine lebenswerte Zu­kunft für uns, unsere Kinder und Enkelkinder.
Wir unterstützen die Forderungen der IG Metall für eine «soziale, ökologische Transformation». Jetzt müssen wir die Weichen in die richtige Richtung stellen. Dazu brauchen wir eine gemeinsame kurz-, mittel- und langfristige Strategie für die Betriebe in Baden-Württemberg, für die wir ge­meinsam kämpfen. Nur gemeinsam mit den Beschäftigten können wir die Auseinandersetzung gewinnen.
Die Umverteilung von Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung ist das Gebot der Stunde! Arbeitszeitverkürzung sichert und schafft neue Arbeitsplätze. Dabei kann auf einen Entgeltausgleich nicht verzichtet werden. Erste Betriebsvereinbarungen z.B. zur Vier-Tage-Woche zeigen in die richti­ge Richtung.

Wir fordern:
1. Kurzfristig
Kurzarbeit bei kurzfristigen Beschäftigungsproblemen. Die befristete Ar­beitszeitverkürzung ist das wichtigste Instrument.
– Kein Personalabbau durch Kündigung. Stunden entlassen statt Menschen
– Aufzahlung des Kurzarbeitergeldes auf bis zu 90 Prozent
– Qualifizierung statt Kurzarbeit
[…]

2. Mittelfristig
Die Arbeitgeber nutzen die Corona-Krise zum Umbau der betrieblichen Strukturen. Schon vor der Corona-Krise hat der wirtschaftliche Aufschwung stagniert. Der Export ist ins Stocken geraten.
[…]
– einen Rettungsschirm für Industriearbeitsplätze
– keine staatlichen Gelder ohne Ge­genleistung
– Zukunft und Perspektive für die Beschäftigten mit verbindlichen In­vestitionsplänen und langfristigen Beschäftigungsgarantien
– sichere tarifliche Standards für die Beschäftigten
– Die Belegschaften mit ihren Be­triebsräten und die Gewerkschaften müssen bei wichtigen Entscheidungen zur Beschäftigungs- und Standortsicherung ein Vetorecht bekommen.

3. Langfristig
Wir brauchen einen Green New Deal mit Arbeitsplatz- und Einkommensgarantien. Für eine soziale und ökologische Transformation fordern wir sinnvolle Industriearbeit mit guten Löhnen durch eine Mobilitäts- und Energiewende:
Es braucht dringend Investitionen des Bundes in Industrieproduktion im Be­reich Bahninfrastruktur, öffentlicher Personennahverkehr (u.a. Busse und Kleinbusse, E-Pkw für Car-Sharing) und der erneuerbaren Energiewende. Bundesweit können so in den nächsten Jahren über 100000 sinnvolle und gut bezahlte Arbeitsplätze geschaffen werden.

Zukunftsplan für die Industrie […]
Weiterqualifizierung mit Einkommensgarantie […]

Wir wollen, gemeinsam mit der IG Me­tall, eine entschlossene Antwort auf die soziale und ökologische Transformation in der gesamten Metallindustrie geben. Es braucht den Widerstand der Vielen, um die Zukunft im Sinne der Beschäftigten und ihrer Familien zu gestalten.

Zu den 100 Unterzeichneten (Stand: 19.2.) gehören u.a. Gewerkschaftssekretäre der IG Metall sowie Betriebsräte und Vertrauensleute von Bosch Bietigheim, Mahle Feuerbach, Mercedes Benz Untertürkheim, Festo Esslingen, Magna Bopfingen, Alfing Aalen, Syntegon Waiblingen…


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