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Streik bei Amazon in Italien

Den Taktgeber bremsen
von Violetta Bock

In Italien legten am 22.März die Beschäftigten von Amazon die Arbeit nieder. Schon vorher hatte es an verschiedenen Standorten Kämpfe und Streiks gegeben. Das Besondere diesmal: Der Streik betraf die gesamte Lieferkette in ganz Italien.

Zum Streik aufgerufen hatten die Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL. Bei Amazon direkt arbeiten etwa 9500 Beschäftigte, im unmittelbaren Umfeld sind es jedoch 40000 Beschäftigte. Amazon Workers International berichtet, dass sich laut Gewerkschaften rund 75 Prozent der Fahrer und 70 Prozent der Festangestellten (Blue Badges) dem ersten nationalen Streik der gesamten Amazon-Lieferkette angeschlossen haben.
In Pisa blockierten die Fahrer nach dem Streik im Februar erneut den ganzen Vormittag über die gesamte Lieferstation.
In Genua versammelten sich etwa 300 Fahrer vor den Toren der neu eröffneten Auslieferungsstation und blockierten stundenlang alle ausfahrenden Transporter. Unterstützt wurden sie von Metallarbeitern und Hafenarbeitern, die sich vor Amazon stellten, um ihre Solidarität zu zeigen.
In Turin protestierten etwa 200 Fahrer vor der DPI2-Lieferstation und ließen etwa die Hälfte der auszuliefernden Fuhren am Boden liegen. In Piacenza organisierten die Arbeiter eine Demonstration vor dem größten italienischen Versandlager (MXP5), um eine Solidaritätsbotschaft an die Arbeiter zu senden, die für eine gewerkschaftliche Organisierung ihres Lagers in Bessemer, Alabama, stimmen (siehe SoZ 3/2021).
In den Fulfillment-Zentren in Turin (TRN1) und Vercelli (MXP3) schlossen sich Sicherheitsbeamte dem Streik der Amazon-Arbeiter an und demonstrierten vor den Toren, um einen besseren Vertrag und höhere Löhne zu fordern.
Ein Artikel von Precarious Connections auf der Seite von transnational strike zeichnet die Entwicklung nach. Seit Beginn der Pandemie hatte es vermehrt einzelne spontane Streiks gegeben, um sich gegen das Risiko einer Ansteckung zu wehren. Dies gab nicht nur der internationalen Vernetzung weiteren Anschub, sondern auch einer gewerkschaftlichen Organisierung in Italien, die vor der Pandemie noch undenkbar war. Dieser Bereich hat nun auch den Gewerkschaftsapparat erreicht.
Der Streik richtet sich gegen den Taktgeber Amazon, der die Produktivität einer ganzen Lieferkette bestimmt und diese stetig nach oben treibt, nicht nur bei den direkt Angestellten, sondern ebenso bei den Lieferanten, die eine ständig wachsende Menge an Paketen ausfahren und verteilen müssen. Sie fordern vor allem ein Ende der weiteren Verdichtung, mehr Geld und weniger Arbeitsdruck.


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