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TIM statt AHA

Eine Corona-Empfehlung für Ostern
von Angela Klein

Spätestens seit es Impfstoffe gegen Corona gibt, sind die AHA-Regeln aus der Anfangszeit der Pandemie überholt: Statt Abstand, Hygiene, Atemschutzmaske muss es jetzt heißen: Testen, Impfen, Maske!!!


Noch vor zwei Wochen musste man sich anhören, die Forderung «Zero CoVid» sei nicht mehr zeitgemäß, überholt von der Impfkampagne der Bundesregierung, die zwar noch etwas holpern ist, sich aber bis Ende des Jahres erfolgreich erweisen werde. Nun, bis zum Jahresende ist noch ein Weilchen hin, und das Virus breitet sich zunächst einmal fröhlich aus. Die Aussicht auf eine Rückkehr zum «Normaltag» wird immer weiter nach hinten geschoben, inzwischen schon auf Anfang Mai.
Gut, im Sommer steigt die Möglichkeit, durch abnehmende Fallzahlen und steigende Impfzahlen endlich «vor» das Virus zu kommen, statt immer nur auf seine Ausbreitung zu reagieren. Ob es aber im Herbst durch das Impfen tatsächlich verbannt sein wird oder ob es inzwischen Mutationen entwickelt hat, die dem Impfstoff trotzen, das steht in den Sternen. Solange wir der Auffassung nachhängen, das Virus sei «längst endemisch geworden», wir müssten lernen, «mit ihm zu leben», laden wir es zu solchen Mutationen geradezu ein.
Es ist fatal, dass Linke diese Auffassung mit den Regierenden (und mit der Industrie) teilen, zumindest mit all den Zweigen der Industrie, die keine Impfstoffe produzieren. Endemisch heißt: Es nistet sich ein. Endemisch heißt nicht: Wenn es sich einmal eingenistet hat, ist es nicht mehr wegzukriegen. Viele Seuchen waren in Deutschland schon endemisch, bis sie dann verschwunden sind, z.B. der Typhus zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Und können wir es uns leisten, dass es bleibt? Auch diese Behauptung wird von den Erfahrungen mit der Grippe abgeleitet, die ja auch jedes Jahr in Mutationen wiederkommt. Da aber Corona um einiges aggressiver und unberechenbarer ist als die Grippe, hieße das nichts anderes als: Jedes Jahr im Herbst erleben wir dasselbe Theater, dass Impfen möglicherweise doch nicht reicht und der Lockdown-Schrecken wieder aufersteht.
Wir sollten den Regierenden nicht länger auf den Leim gehen. Sie kennen nur zwei Holzhämmer: Lockdown und Impfen. Es gibt aber ein Drittes, das heißt: testen, testen, testen. Dass ein hochindustrialisiertes Land wie Deutschland auch nach mehr als einem Jahr immer noch nicht in der Lage ist, Schnelltests und Masken flächendeckend für jede und jeden kostenlos zur Verfügung zu stellen und in Schulen und Kitas die notwendigen baulichen Maßnahmen zu realisieren, die den Kindern einen gefahrlosen Aufenthalt ermöglichen, das ist mit Unfähigkeit allein schon nicht mehr zu erklären – es ist offenkundig nicht gewollt, weil es bedeuten würde, dass die Privatisierungsorgien in der öffentlichen Daseinsvorsorge gestoppt werden müssen.
Umso wichtiger, dass Linke genau das einklagen: Testen, Impfen, Maske. Nicht vier Tage Quarantäne für alle über Ostern, sondern Schnelltests für alle, als Ausweis für den Besuch von Kinos, Museen, Restaurants. Und Bahnfahrten. Das wäre ein lohnendes Ziel für den Aktionstag Zero Covid am 10.April.


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