Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2021 > 07 > Aufruestung-an-der-heimatfront

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 07/2021 |

Aufrüstung an der Heimatfront

‹Wenn deine Heimat dich braucht› – schmeiß die Knarre weg!
von Rolf Euler

Seit dem 1.April gibt es diesen «freiwilligen Wehrdienst», das Werbefoto zeigt eine junge Frau im Tarnanzug mit Gewehr im Arm, die angeblich von der Heimat gebraucht wird. Je mehr Soldaten der Bundeswehr im Ausland Krieg führen, desto mehr werden zu Hause gebraucht – vorgeblich zum Katastropheneinsatz, Objektschutz oder Sanitätsdienst.

Gemeint sind aber Krisen anderer Art, denn für den Einsatz in der Pandemie wird kaum ein Schnellfeuergewehr und Tarnanzug benötigt. Und so ist der «Heimatschutz» nur eine verkappte Ausweitung des Kriegsdienstes, für den es anscheinend nicht genug Bewerbungen gibt, da immer mehr Einsätze im Ausland und jenseits der «Heimat» stattfinden. «Dein Jahr für Deutschland» ist eine andere Parole, mit der Jugendliche geworben werden.
«Heimat» und «Schutz» sollen die Merkmale sein, mit denen ein eher positives Bild der damit verbundenen militärischen Ausbildung gemalt wird. Bekannt ist, dass viele Jugendliche nach der Schule ein freiwilliges Jahr mit sozialen Verpflichtungen suchen. Dazu setzt sich die Bundeswehr in Konkurrenz, versucht vor allem die sozialen Verpflichtungen, die viele sich wünschen, mit militärischen Aufgaben zu besetzen. Kramp-Karrenbauer, ihres Zeichens «Verteidigungs»ministerin möchte den Begriff «Heimat» nicht «den Rechten überlassen» – eine Farce, denn das Problem ist, dass der Heimatbegriff erneut – ob am Hindukusch oder in der Nähe – dazu verwendet wird, Verteidigung rein militärisch zu definieren und ihr ein moralisches Mäntelchen umzuhängen.
Auf die tausend Stellen «Heimatschutz» haben sich angeblich über 9000 Menschen beworben, darunter 16 Prozent Frauen. Der Einsatz von Soldaten bei der Oderflut, bei Schneeräumaktionen oder zuletzt in den Gesundheitsämtern bei der Corona-Pandemie hat gezeigt, dass für solche Zwecke keinerlei militärischer Drill oder Kampffähigkeit mit Gewehren und Kanonen benötigt werden, sondern ganz normale Fähigkeiten handwerklicher, organisatorischer und technischer Art, wie sie etwa die Feuerwehren, das Technische Hilfswerk und andere Sozialorganisationen erbringen.
Ein «Heimatschutz» nach Art der Bundeswehr soll vielmehr die Bevölkerung daran gewöhnen, dass das Militär im Inland eingesetzt wird, und zwar mit militärischen Mitteln, sprich kriegerischen. Man möchte der jungen Frau in der Anzeige zurufen: «Wenn deine Heimat dich braucht: Schmeiß die Knarre weg!»


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>



Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.


Kommentare als RSS Feed abonnieren