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Die Hamas – Verbündete oder Feind?

Ihre Rolle im jüngsten palästinensischen Aufstand
von Moshe Machover

Die «Islamische Widerstandsbewegung», Hamas, seit 2007 die politisch führende Kraft im Gaza-Streifen, ist eine Widerstandsbewegung. Es gibt keine Symmetrie zwischen ihr und dem Staat Israel, der ein von messianischem Rassismus befeuertes, zionistisches Kolonialregime führt, das bestrebt ist, die «jüdische Vorherrschaft» aufrechtzuerhalten.

Aber es handelt sich um eine reaktionäre Widerstandsbewegung, die gegenüber den zwei Millionen Palästinensern ein theokratisches und frauenfeindliches Unterdrückungsregime führt. Hamas ist gewiss keine «terroristische Organisation» – diese Beschreibung trifft eher auf Israel zu, das die palästinensische Bevölkerung immer wieder mit Attentaten und verheerenden Zerstörungen heimsucht. Israel ist auch eine rücksichtslose Atommacht, die eine Gefahr für die ganze Welt darstellt – was man von Hamas nicht sagen kann!
«Terrorist» ist ein willkürliches Attribut, das Leuten angehängt wird, die von bestimmten Regime nicht gemocht werden. Hamas ist eine reaktionäre Organisation, sie ist ein Ableger der Muslimbruderschaft. Sie spielt ein zynisches politisches Spiel. Durch ihre Raktenangriffe auf Israel in Reaktion auf die Repressalien gegen Palästinenser in Jerusalem ist sie einem echten Volkskampf zuvorgekommen; der zeichnete sich schon ab, ähnlich der ersten Intifada von 1987 oder dem Aufstand im Mai 2018, als das Volk von Gaza nahe der Grenze zu Israel gegen die anhaltende Besatzung demonstrierte.
Hamas handelte, um sich einen Vorteil im Konflikt zwischen den verschiedenen palästinensischen Fraktionen zu verschaffen. Indem sie sich demonstrativ auf die Seite der unterdrückten Palästinenser in Jerusalem stellte, hat sie einen Vorteil gegenüber ihrem gemäßigten Rivalen in der palästinensischen Autonomiebehörde erlangt, die als Kollaborateurin des israelischen Regimes agiert.
Es gibt aber auch eine gewisse faktische Absprache zwischen dem israelischen Regime und der Hamas – einige haben sie «die Netanyahu-Hamas-Achse» genannt. Sie ist kein Geheimnis, obwohl nur sehr wenige westliche Medien darauf aufmerksam machen.
Es ist eine Tatsache, dass Hamas von Qatar subventioniert wird – sie erhält jedes Jahr hunderte Millionen Dollar von dort. Seit 2012 hat Qatar eine Milliarde Dollar nach Gaza überwiesen, von denen mindestens die Hälfte an die Hamas ging, einschließlich ihres militärischen Flügels. Unglaublicherweise hat Netanyahu dies genehmigt – und er würde die Überweisung nicht zulassen, wenn er nicht wollte, dass die Hamas an der Macht bleibt.
In einer Sitzung von Likud-Abgeordneten der Knesset im März 2019 sprach Netanyahu darüber: «Wer die Gründung eines palästinensischen Staates verhindern will, muss die Stärkung der Hamas und den Transfer von Geld an sie unterstützen. Dies ist Teil unserer Strategie – die Palästinenser in Gaza von den Palästinensern in Judäa und Samaria [= Westjordanland] zu trennen.»
Die Zahl der Opfer durch Hamas-Raketen hielt sich sehr in Grenzen, offenbar wurden zwölf Zivilisten dadurch getötet. Darunter waren zwei palästinensische Israelis – ein Mann und seine 16jährige Tochter; zwei Landarbeiter aus Thailand und eine Pflegekraft aus Indien; und ein obdachloser und schwerbehinderter israelischer Jude, der im Freien schlief und nicht rechtzeitig in eine Unterkunft gelangen konnte.
Genau wie auf israelischer Seite wurden nicht militärische Einheiten ins Visier genommen, infolgedessen sterben zahlreiche unschuldige Zivilisten – mit dem Unterschied, dass Israel es schafft, weit mehr von ihnen zu töten.


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