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IAA mit grünem Mäntelchen

Zur Internationalen Automobilausstellung in München sind viele Gegenaktionen geplant
von Paul Michel

Mit einem neuen Konzept will die Automesse ihr Image als klimaschädliche PS-Show hinter sich lassen. Der neue Name «IAA-Mobility» soll ihr ein «grünes» Image verleihen.

Bei der letzten Ausgabe der IAA in Frankfurt 2019 hatte es Proteste von Umweltschützern und einen sechsstelligen Rückgang der Besucherzahlen gegeben. Der Automobilverband VDA schrieb daraufhin die Veranstaltung neu aus, die Messe München erhielt den Zuschlag.
In München regiert Rot-Grün. Die Stadt hofiert die IAA. Sie hat beschlossen, in enger Zusammenarbeit mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und der IAA einen Begleitkongress zu veranstalten. Dafür schießt sie 400000 Euro zu. Gleichzeitig hat sie im Stadtrat einen Antrag verschiedener Gruppen abgelehnt, ein 365-Euro-Ticket im Nahverkehr einzuführen.
Die neue IAA soll in drei Teile gegliedert sein. Neben der klassischen Ausstellung in der Messehalle soll es die «Open Spaces» und eine «Blue Lane» geben. Auf der Blue Lane, einer zwölf Kilometer langen Strecke zwischen dem Messegelände am ehemaligen Flughafen Riem und der Innenstadt, können nach Aussagen der Veranstalter Besucher die neuesten Fahrzeuge im realen Straßenverkehr mit Probe- und/oder Shuttlefahrten testen. Auf dem Odeonsplatz zeigt etwa Mercedes tonnenschwere, sündhaft teure neue EQ-Modelle.
Mit Open Spaces meint die IAA Ausstellungsflächen auf prominenten Plätzen in der Innenstadt: Königsplatz, Wittelsbacher Platz, Marienplatz. Dort soll es Produktpräsentationen und «Mitmachformate» geben, u.a. sollen dort Flugtaxis präsentiert werden.

KonTra IAA
Trotz nachhaltiger Kostümierung bleibt die IAA die Show der Autobranche. Diese steuert ungebremst in die Klimakatastrophe und drückt dabei noch aufs Gaspedal.
Viele verschiedene Gruppen rufen deshalb zu Protesten auf. Es ist davon auszugehen, dass sie diesmal wesentlich größer ausfallen als noch vor zwei Jahren. Kurz vor der Bundestagswahl werden sie erhöhte politische und mediale Aufmerksamkeit erlangen. Geplant ist ein Dreiklang aus inhaltlichen Gegenveranstaltungen, Demonstrationen und Blockadeaktionen verschiedener Bündnisse aus unterschiedlichen Spektren.
Erstmalig gibt es in diesem Jahr einen Gegenkongress zur IAA. «KonTra IAA – Kongress für transformative Mobilität» ist, anders als der städtische Mobilitätskongress, 100 Prozent konzernfrei. An zwei Tagen geht es in acht Podien/Foren und über 30 Workshops um neue Mobilitätskonzepte, die Konversion der Autoindustrie und Umsetzungs­strategien der Bewegung. Der Kongress wurde maßgeblich initiiert von Attac Deutschland und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Wie schon 2019 ist für den 11.September eine Fahrrad-Sternfahrt und eine Großdemonstration geplant. Das Motto: «Aussteigen – Klimaschutz statt Autolobby – Mobilitätswende jetzt!»
Unter dem Motto «#blockIAA – Autokonzerne entmachten, Klima schützen!» ruft das Aktionsbündnis Sand im Getriebe zu massenhaftem zivilen Ungehorsam auf.
Die Betreiber der IAA laden zu «Mitmachaktionen» in der Stadt ein. Diese Einladung sollten die Gegner:innen der IAA nicht ausschlagen.
Es ist davon auszugehen, dass in der Zeit der IAA die Münchner Stadtverwaltung und die die bayrische Landesregierung ihre Rolle als Schutzpatrone der IAA ausüben werden und die bayrische Polizei sehr ausufernd von den Befugnissen Gebrauch machen wird, die ihr das bayrische Polizeiaufgabengesetz gibt. Personen können präventiv in Gewahrsam genommen werden, um eine unmittelbar bevorstehende Ordnungswidrigkeit oder Straftat zu verhindern – etwa, wenn diese angekündigt oder auf Plakaten angedeutet wird. Bereits vor einigen Wochen bekam die Sprecherin der Münchner Umweltgruppe «Extinction Rebellion» und des Bündnisses «noIAA» Besuch vom Staatsschutz – sie werde als Gefährderin angesehen…
Streicht euch den 9.–12.September im Kalender an, erzählt es weiter und kommt mit euren Freund:innen nach München!


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