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Teuer wie nie

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Teuer wie nie. Die Corona-Pandemie hat die sozialen und materiellen Ungerechtigkeiten in Deutschland deutlich verschärft. Wobei der Begriff «Ungerechtigkeit» eher bewertend nach demokratischen Maßstäben daherkommt – eher sollte man eher sagen, dass es eine weitere krasse Verschärfung der Klassenspaltung ist.

Der Stand des Dax als Maßstab der Bewertung von Anlagevermögen zeigt die Entwicklung (der Dax ist der bedeutendste deutsche Aktienindex. Er misst die Wertentwicklung der 40 größten und liquidesten Unternehmen in Deutschland): Von einem niedrigen Niveau im Jahre 2009 unter 4000 Punkten wegen der Finanzkrise stieg er bis Anfang 2020 auf über 13000 Punkte. Zu Beginn der Corona-Krise Mitte März 2020 stürzte er auf 8400 Punkte ab, um sich relativ schnell wieder in alte Höhen und zu einem Rekord von 16000 Punkten im August emporzuschwingen.

Aktien: teuer wie nie! Riesige Geldmengen wurden in der Corona-Zeit in Aktien angelegt. Die Autokonzerne haben die Einbußen des letzten Jahres mit hohen Gewinnen wieder ausgeglichen. Von einer Rückzahlung der dafür empfangenen Kurzarbeiterleistungen des Staates ist natürlich keine Rede. In Anbetracht eines Zuwachses von 90 Prozent seit März 2020 – also innerhalb von 18 Monaten – können die Aktienbesitzenden den Champagner entkorken, während gleichzeitig der Staat Milliarden in die Rettung von Unternehmen gesteckt und seine Schulden erheblich ausgeweitet hat.

Boden: teuer wie nie! Das andere Beispiel sind die Grundstücks-, Boden- und Baupreise. Die Verschärfung der Krise auf dem Wohnungsmarkt in den großen Städten hat unmittelbar mit der Reichtumsverwendung zu tun, mit der Blase auf dem Aktienmarkt, mit der Nullzinspolitik der Banken. Das betrifft auch Bauland und generell Grund und Boden. Das Statistische Bundesamt stellt fest, dass Bauland 2020 durchschnittlich in Deutschland 199 Euro pro Quadratmeter kostete, im Jahr 2010 lag der Bodenpreis noch im Durchschnitt bei 130 Euro – ein Anstieg um über 50 Prozent in zehn Jahren. In den Großstädten geht es gar über 1000 Euro pro Quadratmeter! Die Bauern bezahlen es mit steigenden Pachten für landwirtschaftlich genutzte Flächen. Für neue Wohnungen steigen die Mieten vor allem wegen der Baulandpreise, aber auch wegen der Verteuerung der Baumaterialien, auf deutlich über 10 Euro kalt, alte Sozialwohnungen hingegen fallen aus der Förderung.

Beide Beispiele zeigen, dass vor allem die Vermögen in Deutschland extrem ungleich verteilt sind, wobei die Statistiken den Reichtum völlig unzulänglich wieder geben – aber es reicht um festzustellen, dass die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung über 56 Prozent des Vermögens besitzen, die unteren 50 Prozent nur 1,3 Prozent. Sogar der Bundesbankpräsident hat feststellen müssen, dass die Ungleichheit sich während der Pandemie verschärft hat.


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