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Auf Lager

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Auf Lager. Die Zeitung meldet Mitte Oktober, dass in Deutschland fast 22 Millionen Impfdosen auf Lager liegen. Knapp 110 Millionen sind nach dieser Statistik verabreicht worden, über 131 Millionen geliefert. Vor einiger Zeit gab es Meldungen, dass Impfdosen mit baldigem Verfallsdatum vom Land NRW an den Bund zurückgegeben wurden, weil die Impfbereitschaft sinkt. Wohin gehen sie dann?

Weltweit fehlt es massiv an Impfstoffen, vor allem in den armen Ländern, deren Infrastruktur und Ökonomie unter der Pandemie am meisten gelitten hat. Deren Gesundheitssystem keinen Vergleich mit der hochentwickelten öffentlichen oder auch privaten Krankenwirtschaft reicher Länder aushält. Deren wirtschaftliche Fähigkeiten schon vorher massiv beeinträchtigt waren. Die jetzt unter zunehmender Armut und den Folgen der Pandemie leiden.
Mit dem Beginn der zweiten Welle, als Impfstoffe gerade entwickelt waren, traten alle Staatsführenden und Stiftungschefs vor die Kameras und betonten (zu Recht): «Die Bekämpfung von Corona muss weltweit passieren, sonst gelingt sie nicht!»
Davon sind kaum mehr als leere Worte geblieben. Die reichen Länder haben sich von Beginn an die größten Liefermengen an Impfstoffen gesichert. Sie können sie auch bezahlen. Der Biontech-Konzern hat im letzten Jahr große Gewinne gemacht. Ebenso wie die anderen Hersteller hat er sich festen Zusagen auf dem europäischen Absatzmarkt gesichert. Wir liefern! Auf Lager – aber das wird ja vom Staat bezahlt.
Warum wird nicht seit Monaten eine Lieferkette in die bedürftigsten Regionen der Welt aufgebaut? Warum werden nicht sofort bei absehbaren Lagermengen Millionen Impfdosen in wartende Länder geliefert? Dass es in Afrika oder Indien zu Verteilungsproblemen kommt, weiß man. Auch dass es Milliardenzusagen aus Stiftungen für diesen Zweck gab – wie sieht es dann mit der Umsetzung aus? Corona verstärkt die Spaltung zwischen reich und arm nicht nur in unseren Gesellschaften, sondern auch und gerade in der Weltbevölkerung.

Auf Lager liegt auch jede Menge Elektroschrott aus dem Konsum der reichen Länder. Im Jahr 2019 waren es über 53 Millionen Tonnen.
Was hat das miteinander zu tun?
Die Herstellung und der steigende Verbrauch an elektronischen Geräten, Smartphones, Spielkonsolen, Fahrzeugelektronik und Computern geht ebenfalls vor allem auf Kosten der armen Länder. Dort findet die Ausbeutung der arbeitenden Menschen, der Bodenschätze, seltenen Erden, Gold und Koltan statt. Lithium für Akkus kommt vor allem dorther. Kriege und Verteilungskämpfe werden dort geführt. Armut und Fluchtgründe werden dort produziert. Und zum Teil wird der Elektroschrott nach dort exportiert, zum «recyclen». Riesige Lager von verbrauchten Elektro- und Elektronikteilen gefährden die Gesundheit und verpesten die Umwelt – dort und nicht hier.

Auf Lager heißt: der Nützlichkeit entzogen. Aber für den Gewinn immer noch zu gebrauchen.


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