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‹Mein Körper, meine Entscheidung›

In den USA demonstrieren wieder zehntausende Frauen für das Recht auf Abtreibung
von Dan La Botz

Der Bundesstaat Texas hat kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das Abtreibungen verbietet, sobald der Herzschlag des Fötus festgestellt ist – das sind praktisch alle. Das Gesetz ermöglicht zudem Privatpersonen, zivilrechtlich gegen alle vorzugehen, die einer Frau bei einem Schwangerschaftsabbruch helfen – vom Taxifahrer, der eine Frau zur Klinik fährt, bis hin zu Eltern, die ihre Tochter finanziell bei der Abtreibung unterstützen.

Die US-Regierung hat inzwischen den Bundesstaat Texas vor dem Bundesgericht in der Hauptstadt Austin verklagt: das Gesetz sei «eindeutig verfassungswidrig»; die Regierung hat eine einstweilige Verfügung erwirkt. Die republikanische Regierung des Bundesstaats hat dagegen Berufung eingelegt.
Gleichzeitig versucht der Bundesstaat Mississippi auf dem Klageweg das Urteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 1973 (Roe vs. Wade) zu Fall zu bringen. Die Verhandlung darüber ist für Anfang Dezember angesetzt.
Am 2.Oktober sind in 650 Städten und Gemeinden in den USA deshalb zehntausende Frauen für ihr Selbstbestimmungsrecht auf die Straße gegangen.

Viele Frauen fühlen sich in ihren Rechten und ihrer Zukunft bedroht. Auf der Kundgebung in Washington, D.C., erklärte Alexis McGill Johnson, die Präsidentin von Planned Parenthood: «Allein in diesem Jahr haben wir fast 600 Einschränkungen in 47 Staaten erlebt. Egal, wo Sie leben, egal, wo Sie sind, dieser Kampf steht vor Ihrer Haustür.»
Die Schirmherrschaft über die Demonstrationen hatte ein Bündnis von über 200 Frauenrechts- und liberalen Organisationen übernommen, darunter Planned Parenthood, die National Organization for Women (NOW), die American Civil Liberties Union, aber auch zahlreiche kleinere lokale Gruppen. Frauen aller Altersgruppen und ihre männlichen und anderen Verbündeten in Groß- und Kleinstädten skandierten: «My body, my choice – Mein Körper, meine Entscheidung.» Die Demonstrantinnen trugen Schilder, auf denen sie mit Witz und Sarkasmus ihre Frustration zum Ausdruck brachten. Auf einem Schild stand: «Wenn Männer schwanger werden könnten, wäre Abtreibung überall legal.» Auf einem anderen stand: «Verpflichtende Vasektomien. Kommt schon Jungs, lasst uns Leben retten.»
Politikerinnen und Kandidatinnen zu den Wahlen im kommenden Jahr sprachen im ganzen Land auf den Kundgebungen über die Notwendigkeit, mehr fortschrittliche Demokraten in den Kongress zu wählen, um die Abtreibungsrechte zu verteidigen. Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, sagte in der Hauptstadt Albany vor einer großen Menschenmenge: «Als erste weibliche Gouverneurin im Staat New York werde ich diese Rechte schützen.»
Sie fügte hinzu: «Gemeinsam werden wir eine Botschaft an die ganze Nation senden – kommen Sie nach New York, wir werden Ihre Abtreibungsrechte an jedem einzelnen Tag der Woche schützen.» Rana Abdelhamid, Kind ägyptisch-muslimischer Einwanderer und progressive Kongresskandidatin aus New York City, sagte, sie unterstütze die Abtreibungsrechte insbesondere für Einwanderer.
In New York City begann die Kundgebung mit Sprechchören wie «Black Lives Matter». Rose Baseil Massa, eine Organisatorin des Marschs für Abtreibungsgerechtigkeit, sagte der Menge: «Wir wissen, dass braune und schwarze Menschen, hispanische und lateinamerikanische Bevölkerungsgruppen und indigene Bevölkerungsgruppen alle unverhältnismäßig stark von Abtreibungsverboten betroffen sind. Deshalb ist es wirklich wichtig, dass wir hier in Solidarität stehen.»
Der Gedanke der Solidarität mit farbigen Menschen war ein zentrales Thema, obwohl der Protest in New York City, wo Weiße eine Minderheit sind, überwiegend weiß war und nur wenige schwarze Frauen anwesend waren.
70 Prozent der Teilnehmenden in New York City waren Frauen, einige von ihnen Veteraninnen der Frauenbewegung der 60er und 70er Jahre, aber vor allem jüngere Frauen, von denen einige neu in der Bewegung sind. Die politische Ausrichtung des Frauenmarschs in New York City war fortschrittlich, mit einer starken Präsenz von demokratischen Organisationen wie Indivisible und mehreren unabhängigen demokratischen Clubs. Es waren auch einige linke Organisationen anwesend, aber sie stellten eine winzige Minderheit dar. Die DSA (Democratic Socialists of America), die größte linke Organisation im Land, war hier nicht sichtbar vertreten.
In Asheville, North Carolina, sprach Tessa Paul, die Co-Vorsitzende der örtlichen DSA: «Wir sind heute hier versammelt, weil ein Krieg geführt wird. Dies ist ein Krieg gegen die reproduktiven Rechte von Frauen, gegen trans- und nichtbinäre Menschen, gegen Schwarze und Braune, gegen indigene, queere, behinderte, vertriebene und missbrauchte Menschen.» Es gibt einen Krieg, aber die Frauen haben begonnen, sich zu wehren.

Der Autor ist Mitglied von Solidarity, USA. Quelle: https://internationalviewpoint.org.


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