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Blockbuster zur Klimakrise

Don’t look up – auf Netflix
von Gerhard Klas

Der Film Don’t look up ist eine böse und finstere Satire, die ganz absichtlich an den gesellschaftlichen Umgang mit der Klimakrise erinnert. Er startete Anfang Dezember in einigen Kinos und wurde dann am 24.Dezember von Netflix angeboten, wo er innerhalb eines Monats zum zweitmeistgesehenen Film des Streamingdienstes wurde.

Die Hauptrollen sind prominent besetzt: Jennifer Lawrence spielt die Astronomiestudentin Kate, ihr Doktorvater Randall Mindy ist Leonardo DiCaprio, die US-Präsidentin, eine Art weiblicher Trump, wird von Meryl Streep gespielt, Cate Blanchett ist eine TV-Moderatorin und Mark Rylance spielt eine Mischung aus Jeff Bezos, Elon Musk und Marc Zuckerberg – mit exklusiver Nähe zur US-Regierung.
Während vor allem US-Kritiker ihn als «zynisch» und «selbstgefällig» bezeichneten, waren Wissenschaftsgemeinde und Klimabewegung hellauf begeistert. «Als Klimawissenschaftler, der alles in seiner Macht Stehende tut, um die Menschen wachzurütteln und die Zerstörung des Planeten zu verhindern, ist es auch der treffendste Film über die erschreckende Nichtreaktion der Gesellschaft auf den Klimazusammenbruch, den ich je gesehen habe», sagte der US-amerikanische Klimawissenschaftler Peter Kalmus in der britischen Tageszeitung Guardian.
Kein Wunder, denn der Film von Regisseur Adam McKay und Drehbuchautor David Sirota erzählt die Geschichte aus der Perspektive der Astronomiestudentin Kate und ihres Doktorvaters. Sie entdecken einen Kometen – einen «Planetenkiller», der in etwas mehr als sechs Monaten auf die Erde treffen wird.
Die Wissenschaftler stehen mit diesem Wissen praktisch allein da, werden von der Gesellschaft ignoriert und unter Druck gesetzt. «Die Panik und Verzweiflung, die sie empfinden, spiegelt die Panik und Verzweiflung wider, die viele Klimaforscher empfinden», so Klimaforscher Kalmus.
Don’t look up ist ein Film, bei dem einem das Lachen irgendwann im Halse stecken bleibt. Eine Satire auf die faktische Leugnung der Wissenschaft, die sich in allen Poren der kapitalistischen Gesellschaft eingenistet hat – bis hin in Regierungskreise. Ein Film ohne Happy End. Selbst die Exit-Phantasien der Reichen scheitern. Zum Glück, möchte man sagen. Sonst kämen einige der vielen hundert Millionen Zuschauer möglicherweise noch auf die Idee, Geld zu scheffeln und zusammen mit Musk und Bezos, den Herren von Tesla und Amazon, das Heil im Universum zu suchen. Wer weiß: Vielleicht weist der Film einigen den Weg in die Klimabewegung. Ein sehenswertes Produkt cineastischer Kunst ist die Satire auf jeden Fall.


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