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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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POLNISCHE PRESSESCHAU 171, 20.02.2022

Zugang zu Verhütungsmitteln in Polen www.o2.pl 10.02. 2022
Das Europäische Parlamentarische Forum für sexuelle und reproduktive Rechte (EPF) hat seinen neuesten Atlas zum Zugang von Verhütungsmittel veröffentlicht. Der Bericht zeigt, dass Polen den schlechtesten Zugang in Europa hat.

Es wird nämlich nur mit 33,5 % angegeben, wobei die Ukraine bei 58,6 %, Deutschland 75,1%, Großbritannien und Frankreich bei 91,1% liegen Wem vertrauen die Polen Przeglad, 14.02. 2022 Dazu ein Politologe: die einen ihrem Parteichef wie Kaczynski oder Tusk, andere wieder den Bischöfen und an den Hochschulen ihren Professoren, wobei diese früher mehr Prestige besaßen. Auf den Dörfern hat die Partei PSL an Vertrauen verloren, bleiben nur noch die Pfarrer. Eine Sozialpsychologin meint: die meisten denen, die sie kennen, also Freunden und Familienmitgliedern. Was Institutionen anbelangt, so hängt es vom Alter, der Bildung, politischen Präferenzen ab. Was die Kirche anbelangt, so haben 1990 ein großes Vertrauen zu ihr 45,6% gehabt und 2017 waren es nur noch 19,45% der Erwachsenen. Leider setzt sich immer mehr die Auffassung durch, dass die Menschen Egoisten sind und deshalb müsse man mit allen Mitteln die eigenen Interessen im Auge haben, leider ist die Anzahl der Menschen, die so denken, am Anwachsen. Ein Philosoph: Leider wird, wie in den meisten Ländern, nicht Wissen, Verstand und Erfahrung als Grundlage genommen, sondern dem Vertrauen werden eigene Emotionen und Ignoranz zu Grunde gelegt. Viele suchen nach einfachen Erklärungen, weil sie nicht gelernt haben mit Informationen kritisch umzugehen und vertrauen eher Facebook als Wissenschaftlern.

Hilft oder schadet Tusk der Opposition? Przeglad, 21. 02. 2022
Von sich selber meint er, er möchte nicht erklären wollen warum er solch eine starke Position habe, denn es sei im Hinblick auf die anderen Politiker der Opposition schon traurig, dass diese zu schwach seien. Er also ein Riese und die anderen Zwerge? Die neusten Umfragen zeigen, dass die Opposition nicht an Stimmen gewonnen hat. Es verschieben sich nur die Anteile bei den einzelnen Parteien der Opposition. Das Regierungslager hat trotz Preisanstiege, Inflation, der vielen Affären in der PiS Partei und Regierung, der Bespitzelung von Oppositionellen nicht an Stimmen eingebüßt, wie zu erwarten wäre, sondern eher dazu gewonnen. Tusk ist also nicht der Ritter auf dem weißen Pferd, der die PiS unterwirft und Polen von ihr befreit. Er unterwirft eher seine Konkurrenten in der Opposition. Aber auch seine Konkurrenten in der eigenen Partei, die ihr – wie der Warschauer Bürgermeister – ein hoffnungsvolles Gesicht geben konnten. Viele Erwartungen wurden in ihn gesetzt, aber diese hat er nicht erfüllt. Das mag auch daran liegen, dass eine Mobilisierung nicht stattfindet, nicht stattfinden kann, denn die Menschen möchten nicht, dass es wieder so wird, wie es zur Zeiten der PO an der Regierung war. Ihre neoliberale Politik und ihr Klüngeldenken haben die Menschen nicht vergessen, schließlich war dies der Anlass für den Sieg der PiS. Am 21. März soll eine Programmdebatte der Opposition auf Vorschlag von Holownia (Polska 2050) stattfinden. Die Chefs der anderen Oppositionsparteien haben ihre Teilnahme angekündigt – Tusk jedoch nicht. Was will er auch sagen – zurück in die Vergangenheit? Das wollen die Leute nicht. Wenn hier die Opposition nicht gemeinsam auftritt, wird wieder die PiS die Wahlen gewinnen, denn die anderen Parteien außer der PO/KO werden nicht genügend Stimmen gewinnen, um zusammen mit der PO zu regieren.

Neuste Umfrageergebnisse (17.02.2022) PiS und vereinigte Rechte 32,5% (Januar 30,1%); Die KO Bürger Koalition 29,3% (20,2%); Polska 2050 8,6% (12,1%); Konfederacja 8,4% (-0,2%); Linke 5,6% (7,3%) und 11,3% sind nicht entschieden. Und die CBOS hatte am 11.02. folgende Ergebnisse: PiS/Vereinigte Rechte 30%, die KO 17% und Polska 2050 11%. Nach diesen Ergebnissen hätte nur noch die ultrakonservative Konferderacja mit 7% Chancen ins Parlament einzuziehen. 28% der Befragten haben sich noch keine Meinung gebildet.

Aus der Krise an der Grenze haben wir nichts gelernt Kontakt, 31.01.2022
Fast sechs Monate, nachdem das Minsker Regime mit dem Menschenschmuggel begonnen hat, kann man mit Sicherheit sagen, dass die polnischen Machthaber ihre Lektion aus der Krise nicht gelernt haben und die öffentliche Debatte noch stärker polarisiert ist. Noch nie in der dreißigjährigen Geschichte der Dritten Republik Polen war es notwendig, die Außengrenze überstürzt zu verstärken. Und das mit Hilfe von ausländischen Soldaten, Esten und Briten. Wir werden wahrscheinlich nie erfahren, ob die von der Regierung als „hybrider Krieg“ dargestellte Bedrohung richtig interpretiert wurde. Was wir wissen, ist, dass es Lukaschenko nicht gelungen ist, den polnischen Staat zu destabilisieren oder eine Krise in der EU zu provozieren. Doch die Ereignisse an der Grenze haben in Polen tiefe Spuren hinterlassen. Wir möchten betonen, dass es sich bei der Krise an der Grenze in erster Linie um eine humanitäre und politische Krise und nicht um eine Migrationskrise handelt. Die Zahl der Personen, die über die polnische Grenze in die Europäische Union einzureisen versuchen, entsprach nicht einmal annähernd der Situation in den südeuropäischen Ländern im Jahr 2015. „Im Jahr 2013 registrierte Frontex 40.000 illegale Grenzübertritte auf der Route zwischen Libyen und Italien. Ein Jahr später waren es über 170.000, im Jahr 2015 über 181.000“. Abgesehen vom Ausmaß des Phänomens besteht der Hauptunterschied darin, dass die Ereignisse an der Grenze dieses Mal eine Folge der politischen Entscheidung des belorussischen Diktators Lukaschenko waren. Die Reaktion der Partei Recht und Gerechtigkeit war ebenfalls politisch. Sie bestand darin, das Drama von Tausenden von Menschen für parteipolitische und nationalistische Propaganda zu nutzen, um die Umfragewerte zu verbessern. Die Machthaber verlangten bedingungslose Unterstützung für ihre eigene Politik, und Kritiker, die die gewählte Handlungsstrategie in Frage stellten, wurden als „Verräter“ oder bestenfalls als „nützliche Idioten“ für Lukaschenko und Putin abgestempelt.

Konzession erteilt für TVN durch den Landesrat für Radio und Fernsehen. Angesichts der Gefahr eines Krieges im Osten versuchen die polnischen Regierungsstellen die Beziehungen zu den USA zu verbessern. Der jüngste Beweis ist die Verlängerung der Fernsehkonzession für TVN7. Der TVN – Konzern ist in der PiS verhasst, aber er ist amerikanisch, also war dies eine rein politische Entscheidung. Ursprünglich war ein Gesetz in Vorbereitung, dass ausländischen Unternehmen – und es bezog sich nach Ansicht der Beobachter auf TVN. (onet.pl 18.01.22)

Polen/innen ins Ausland nicht mehr Richtung England businessinsider.com.pl 15.02.2022
2,24 Millionen Polen lebten 2020 im Ausland, das sind 176 Tausend weniger als 2019. Jetzt zieht es sie auch eher nach Deutschland. 20% der Ausreisenden wollen nach Deutschland und nach Großbritannien nicht mehr 23% wie im Vorjahr sondern 2021 waren es 15%. Es gibt auch weniger Rückkehrer, jedoch sind diese bei Großbritannien seit 2018 kontinuierlich bei 50% aller Rückkehrer. Polen, die in England sesshaft geworden sind, sind kaum noch an einer Rückkehr interessiert.

Fliegende Brigade der Opposition hat am 19. Februar aus Anlass des 142. „Monatlichen Smolensk Gedenken“ eine Gegen Pilgergruppe gebildet. Video: https://oko.press/142-miesiecznica-smolenska-nuncjusz-apostolski-na-czele-lotnej-brygady-opozycji/?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=news-cotygodniowy&utm_term=szesc-najnowszych&utm_source=Lista+Podstawowa&utm_campaign=544e7e3b3b-NEWSLETTER_TYGODNIOWY&utm_medium=email&utm_term=0_3c81d4ef34-544e7e3b3b-138552374
Verkleidet in Soutanen, Bischofsgewänder und Ordenskleider zogen sie durch Warschau Richtung Denkmal und sangen die Litanei: „Jarku Kaczynski wo ist das Wrak der Tupolew – wir kommen hier jeden Monat und fragen danach, denn Du solltest es hierher überführen – aber es verrottet auf russischen Boden Hast Du denn keine Gewissensbisse schließlich hast Du Deinen Bruder angewiesen auf jeden Fall zu landen. Sag uns Jarek Kaczynski warum feiern wir den Tod Jesu einmal im Jahr aber den Tod Deines Bruders Lech jeden Monat?“ Zunächst wurden sie von der Polizei kontrolliert und später mit einer Übermacht der Polizei eingekesselt. Schließlich sagte eine Demonstrantin, die ihren Hals reckte, den Polizisten: „Ihr könnt jetzt loslassen der Retter der Nation ist eben weggefahren!“ Inzwischen hatte der Vorsitzende Kaczynski, umgeben von seinen Parteifreunden, an der Spitze der Ministerpräsident und der Sejm-Präsident, Blumen am Denkmal für seinen Bruder Lech und an der „Smolensker Treppe“ niedergelegt. Die Zeremonie wurde von der Repräsentationskompanie der polnischen Armee und Scharfschützen auf den Dächern begleitet.

„Ukraine -konflikt“ aus polnischer Sicht Le Monde diplomatique Polska Februar 2022
Dazu schreibt der Chefredakteur Przemyslaw Wielgosz: Die polnische Regierung nutzt wieder einmal die Gelegenheit, um von ihrem Versagen abzulenken und die Wähler um die nationale Fahne zu scharen. Die von der PiS geführte Politik der Angst erhielt von der Regierung des Präsidenten Biden die Unterstützung, die sie von ihrem geliebten Donald Trump, der sie mit Desinteresse betrachtete, nie erhalten hat. Es lässt sich nicht leugnen, dass die Kriegsgeschreie aus Ost und West für die PiS ein Geschenk des Himmels ist. Die Krise an der Grenze, die seit August andauert, hat gerade ihre politische Kraft erschöpft. Die Angst vor der Invasion gefährlicher Flüchtlingsagenten des Diktators Lukaschenko wirkt umso schneller, je länger das Kriegsrecht andauert, das sich theoretisch gegen ausländische Aggressoren richtet, in Wirklichkeit aber die Bewohner des Grenzgebiets trifft. Sicherlich werden über kurz oder lang die Probleme der PiS auf die Füße fallen. Aber im Augenblick haben sie wieder die Möglichkeit davon abzulenken. Es gibt viele Politiker und Publizisten in Polen, die gern die Ukrainer gen Putin schicken würden, um auch in Moskau die westlichen Werte zu installieren. Stell sich die Frage, um welche Werte es geht. Geht es um die, die der Westen in Afghanistan präsentiert hat, oder eher um die, die in den Irak getragen wurden? Oder die, die in Libyen und Jemen so erfolgreich waren? Oder diejenigen, deren Loyalität Israel die besonderen Beziehungen zur Europäischen Union und die Ehre eingebracht hat, ein Beitrittskandidat zu sein? Der jüngste bahnbrechende Bericht von Amnesty International könnte ein gutes Beispiel dafür sein. Die Organisation, die in ihren Urteilen stets zurückhaltend war, hat beschlossen, die Dinge beim Namen zu nennen und bezeichnet die israelische Politik gegenüber den Palästinensern direkt als Apartheid. Natürlich hat jedes Land das Recht auf Souveränität, auch die Ukraine und Putins Beharren auf seiner Einflusssphäre ist nicht akzeptabel. Dabei wird aber gern außer acht gelassen, dass Washington die ganze Welt als seine Einflusssphäre betrachtet, wie es die Menschen im Nahen Osten, in Pakistan, Kolumbien und vielen anderen Ländern sehr wohl erfahren haben. Das Gleiche gilt für Paris, dessen Regierung bisher nicht daran gedacht hat, die Politik der Einflusssphäre der EU gegenüber den westafrikanischen Ländern zu kritisieren. Auch wenn Putin mit seinem begrenzten Potenzial niemals eine größere Bedrohung für den Weltfrieden darstellen wird als Biden, ist er keine Alternative zur imperialistischen Logik, die die internationalen Beziehungen bestimmt. Und es ist diese Logik, die unser Gegner sein sollte. Genau diese Logik sollten wir bekämpfen. Indem wir die Solidarität mit denjenigen, die für Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen – in der Ukraine, in Palästina oder in Kurdistan – gegen die Loyalität gegenüber einem rechtmäßigen imperialistischen Souverän eintauschen.

Turow – Streit beendet durch Preis der Arroganz? Przeglad, 14.02. 2022
Die PiS spricht von einem Erfolg in der Auseinandersetzung mit Tschechien, zuvor war es für sie eine durch Deutschland inszenierte Verschwörung. Die Auseinandersetzung um den Tagebau dicht an der Grenze zu Tschechien und Deutschland kostete Polen 45 Millionen Euro Schadenersatz an Tschechien und 70 Millionen Euro Strafe an die EU. Am 4. Februar gingen auf des Konto des Bezirks Liberec 25 Millionen aus dem polnischen Staatshaushalt und 10 Millionen von der Firma in Turow. Das tschechische Umweltministerium erhielt weitere 10 Millionen Euro. Dafür haben die Tschechen die Anzeige am EuGH zurück gezogen. Polen hat sich darüber hinaus verpflichtet eine unterirdische Barierre zu errichten, um zu verhindern, dass das Grundwasser von der tschechischen Seite abfließen kann – Kosten 17 Millionen PLN (3,8 Mill. Euro). Außerdem wird ein Schutzwall errichtet, der die Bewohner auf der tschechischen Seite vor Lärm und Staub schützen soll. Außerdem hat sich Polen verpflichtet tschechischen Experten den Zugang zum Tagebau und zu den Akten zu gewähren Die Regierung lobt sich dafür, dass die Einigung, die Morawiecki erzielt hätte weitaus günstiger wäre, als die erste Forderung der Tschechen. Dabei standen damals 30 Millionen Euro Schadensersatz an und es sollte ein Schutzwall und Filter für insgesamt 30 Mill. PLN (6,6 Mill. Euro) gebaut werden. Offensichtlich kann da jemand nicht rechnen. Aber Morawiecki ist bekannt dafür, dass er Fakten – vorsichtig gesagt – verdreht.

Regierungsgesetz zur Modernisierung der Kliniken ozzpip.pl 26.01. 2022
Den Gesetzesentwurf zur Erhöhung der Effektivität und Modernisierung der Kliniken beurteilt die Gewerkschaft der Krankenschwestern und Hebammen (OZZPiP) negativ, weil
1 – es sieht keine Erhöhung der Mittel für Krankenhäuser vor,
2 – die Auswirkungen des Gesetzes auf das Personal der Krankenhäuser werden nicht beschrieben, und die einzige „positive“ Auswirkung auf den Arbeitsmarkt soll die Beschäftigung von Bürokraten in der Krankenhausentwicklungsagentur sein
3 – die Rolle der Gewerkschaften in den Prozessen der Schließung und Umwandlung von Krankenhäusern nicht berücksichtigt wurde – die Beteiligung der Gewerkschaften an Konsultationen und Umstrukturierungsverfahren usw. war nicht vorgesehen.
4 – Das Gesetz sieht kein Verfahren für den Übergang von Arbeitnehmern, die ihren Arbeitsplatz infolge der Umstrukturierung von Krankenhäusern verlieren, in eine neue Behandlungseinheit vor, wobei die durch Art. 231p garantierte Kontinuität ihrer Arbeit gilt.
5 – fehlender sozialer Schutz für die Beschäftigten von liquidierten und umgewandelten Krankenhäusern. Außerdem war der Zeitpunkt für das Gesundheitsministerium äußerst unglücklich gewählt, um während der größten Welle von COVID-19-Pandemie-Infektionen so grundlegende Änderungen am Krankenhaussystem vorzunehmen. „Die Notwendigkeit von Korrekturmaßnahmen im Gesundheitswesen ist für uns unbestritten, allerdings kann die Umsetzung des vorgelegten Gesetzentwurfs in dieser Form ähnliche Auswirkungen haben wie der „Polish Deal“ im Steuerrecht. Dies ist eine weitere Reform ohne Kostenträger, nach dem Gesetz über das Krankenhausnetz und im Gegensatz zu den Annahmen des vorherigen Gesetzes“. Es folgen seitenlange Vorschläge zu Reformen in den Kliniken und Gesundheitswesen insgesamt.

Neues aus dem „Rebellischen Schlesien“: Die Behörden von Bielsko-Bia?a haben ein Schreiben erhalten, in dem es um die Benennung einer Straße der Stadt nach Zygmunt Glücksmann geht, einem Mitglied des schlesischen Parlaments und Führer der deutschen Sozialdemokratie im polnischen Schlesien der Zwischenkriegszeit. Die Wiederherstellung der Erinnerung an unsere Vergangenheit ist auch ein Kampf für die Zukunft – ohne nationalistische Mythen

23 Millionen vom Minister für Katholische OAZA OKO.press 17.02. 2022
Die Oasen wurden 1954 von Franziszek Blachnicki gegründet und dienten bis in die siebziger Jahren der Bildung der Jugend. Dann wurden auch Erwachsenen geistliche Angebote unterbreitet. Hier ging und geht es um konservative Leitlinien bis hin zur Empfängnisverhütung, aber auch gegen Alkoholismus und andere. Nun hat der Landwirtschaftsminister Kowalczyk, der den Oasen sehr verbunden ist und die Auszeichnung „Wahrheit – Kreuz – Befreiung“ erhielt, aus dem Staatssäckel gleich mal 23 Millionen locker gemacht. Die Zentrale ist in einer malerischen Gegend in Kroscienko, wo es moderne Gebäude und ein Hotel gibt. Unter dem Deckmantel der Ökologie werden nun auf Staatskosten weitere Gebäude errichtet. Die Frage, ob die Gebäude auch kommerziell genutzt werden und die Kirche damit gute Kasse machen kann, wurde weder seitens des Ministers noch des zuständigen kirchlichen Leiters beantwortet. Bei der Einweihung sagte Kowalczyk: „Für mich ist dies ein Tag großer Freude, das will ich nicht verhehlen. Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, Premierminister Mateusz Morawiecki davon zu überzeugen, diesen Bau zu unterstützen. Dies ist äußerst wichtig…“ – Kowalczyk lächelt, ein Beifallssturm bricht los. „Ich will offen sagen, dass [der Premierminister] nicht lange überredet werden musste, weil er genau weiß, was das Alkoholproblem für Polen bedeutet und was getan werden muss, um diesem Phänomen entgegenzuwirken“, gibt der stellvertretende Ministerpräsident stolz zu.
Ich habe in den 1970er Jahren eine „Oaza“ besucht und ich denke, die werden sich nicht groß unterschieden haben und heute unterscheiden. Ich war schockiert. Nicht nur, dass von morgens bis abends gebetet wurde, sondern auch welche Gelübde von den 16-18 jährigen abgelegt werden mussten. In der Kapelle „Ich gelobe Gott, dass ich zeit meines Lebens kein Alkohol und Tabak konsumieren werde!“ Natürlich konnte ein/e Jugendliche theoretisch auch rausgehen… Eine Indoktrination, die nicht einmal der ZMS (Jugendverband) und die PZPR (Staatspartei) praktiziert haben. Das habe ich auch entsprechend den Verantwortlichen gesagt. Wenn ich jetzt höre, dass die Frommen in Kattowitz dafür beten, dass der Gründer Blachnicki ein Heiliger wird, weil es noch keine Wunder gibt, dann habe ich einen Vorschlag. Man sollte den Teilnehmern der Oasen, die dort ein Gelübde abgelegt haben, aber trotzdem rauchen und/oder trinken, aber wegen ihrer Frömmigkeit psychische Probleme haben, sagen, dass Blachnicki ein Heiliger werden soll, und sie werden in Gelächter ausbrechen, sich psychisch erholen, und so werden viele Wunder geschehen!

Kritische Stimmen in der polnischen Kirche:
Publizist Terlikowski: Veränderung in der Kirche ist unvermeidlich (13. 02. 2022 in linkskatholischen „Kontakt”) „Wenn sich die Bischöfe jetzt nicht zu einem Wandel entschließen, wird die Kirche in Zukunft ohnehin vor einer Revolution stehen. Der Wandel muss an vielen Fronten stattfinden – von der Aufarbeitung der Pädophilie über die Stärkung der Rolle der Frauen bis hin zur Änderung der Art und Weise, wie die Laien die Amtskirche kontrollieren. „Ich denke, dass die polnischen Bischöfe ihr Verhalten schneller ändern werden, wenn die Kirche Reparationen zahlen muss. Die ersten Entschädigungen dieser Art werden von den Orden gezahlt, aber bald werden auch die Diözesen sie zahlen. Der zweite ernüchternde Faktor könnte die Ernennung einer Kommission sein, die nicht von Prof. Blazej Kmieciak, einem Gläubigen, sondern zum Beispiel von Joanna Scheuring-Wielgus oder Adrian Zandberg geleitet wird. Stellen wir uns einmal vor, was passieren würde, wenn das Innenministerium von jemandem von der Linken oder der bürgerlichen Koalition geleitet würde und einige Bischofssitze von der Polizei betreten würden. Erst dann wird es für eine innere Reinigung zu spät sein. In diesem Moment hat die Kirche die Möglichkeit, sich mit ihren eigenen Kräften zu reinigen. Wenn sie nicht mit Professor Blazej Kmieciak zusammenarbeiten will, soll sie eine solche Kommission einsetzen, der sie die entsprechenden Dokumente übergeben kann.
Dominikaner Ludwik Wisniewski: in Polityka 15.02. 2022 über den schlechten Zustand der polnischen Kirche, das Sektierertum und die Verstrickung in die aktuelle Politik:”Wir haben eine kranke Kirche in einem kranken Staat!“ Es wurde immer gehofft, dass die rechten nationalen Kräfte aussterben werden. Aber an ihre Stelle wachsen neue nach, oft noch viel radikalere. Ich glaube, dass es drei Gruppen von Geistlichen gibt. Die erste, die meines Erachtens immer noch wächst, sind die Priester, die „mit beiden Füßen auf der Erde stehen“; die die Errungenschaften der letzten 30 Jahre sehen, aber auch die Mängel und das Böse, das sich in unser Leben eingeschlichen hat. Die zweite Gruppe sind die Priester, die von der nationalen Ideologie durchdrungen sind, die von der Richtigkeit der „führenden Kraft der Nation“ überzeugt sind und die praktisch die Handlungen der Regierenden unterstützen, aber sie tun es nicht in der Öffentlichkeit, so als ob sie sich ein wenig schämen würden, sich öffentlich zu zeigen. Und schließlich besteht die dritte Gruppe aus Priestern und Bischöfen, die die Errungenschaften der Nicht – PiS – Regierungen ablehnen und die Regierenden offenkundig unterstützen. Die Aufgabe der Kirche ist es, die Menschen zum Heil zu führen. Wir wissen, was gut und was böse ist, nicht dank der Kirche, sondern dank des menschlichen Gewissens. Es gibt Kräfte im Menschen, durch die er das moralisch Böse und das Gute von selbst entdeckt. Als die Freiheit kam, konzentrierte sich die hierarchische Kirche – nicht alle, aber ein großer Teil – auf sich selbst, auf den Kampf um ihre Rechte und Privilegien, als ob sie das menschliche Elend und die menschliche Ungerechtigkeit vergessen hätte. Es gibt viele Menschen, die sich an der Grenze für Migranten engagieren. „Ich muss aber auch etwas sagen, das sehr weh tut. Die derzeitige Regierung, die ihre Verbundenheit mit dem Katholizismus und der Kirche zum Ausdruck bringt, hat das polnische Volk so demoralisiert, dass vier Fünftel der Bevölkerung Flüchtlinge als Bedrohung für unsere Nation ansehen und gegen ihre Aufnahme im Land sind. Diese Haltung ist für die Nation gefährlicher als die Flüchtlinge. Die Partei, die heute in Polen an der Macht ist, hat religiöses Sektierertum mit politischem Sektierertum kombiniert und eine gefährliche explosive Mischung geschaffen“. Das Christentum in Polen ist am Absterben, „Ja, das kulturelle Christentum liegt im Sterben und viele Menschen verlassen die Kirche. Aber das Christentum entsteht aus der Freiheit, aus der persönlichen Überzeugung und der freien Entscheidung. In den vergangenen Jahrhunderten wurden die Katholiken, einschließlich der Priesteramtskandidaten, zum Gehorsam erzogen. Sie sind gut, wenn Sie wiederholen, was wir Ihnen beigebracht haben. Aber wenn man für sich selbst denkt, ist man nicht mehr gut“. Das hat bald ein Ende! .


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