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r/antiwork

Arbeitslosigkeit für alle, nicht nur die Reichen
von Ole Heide

Wer von Social Media spricht redet meist über Facebook, Twitter oder Youtube. Weniger bekannt ist Reddit – eine Social-Media-Plattform, die eigentlich von Memes lebt, kleinen Bildchen oder Filmchen. Hier folgen die Menschen nicht anderen Nutzer:innen, sondern Themen, sogenannten Subreddits.

Subreddits gibt es zu nahezu jedem Thema der Welt. Ein Subreddit hat in der US-amerikanischen Wirtschaftspresse besonders viel Aufmerksamkeit erregt: r/antiwork.
Während Millionen von Menschen in den USA ihren Job verloren oder gekündigt haben, eine massive Streikwelle über das Land rollt und in vielen Bereichen Arbeiter:innen gesucht werden, hat r/antiwork in den letzten Monaten 1,6 Millionen Mitglieder erreicht. Das Motto: «Arbeitslosigkeit für alle, nicht nur die Reichen». Ganz im Geiste Lafargues und neuerer Theoretiker:innen, vor allem aus dem anarchistischen Spektrum, propagieren sie das Recht auf Faulheit und Freizeit.
Das ist der Punkt, der die Wirtschaftsanalysten aufhorchen lässt: Ohne das herrschende Arbeitsethos ist es schwieriger, Arbeiter:innen davon abzuhalten, für ihre Rechte einzustehen. Gerade in Zeiten des Arbeitskräftemangels stellt die Dynamik von r/antiwork eine mögliche Bedrohung dar. Hier geht es vor allem um Erfahrungen mit beschissenen Jobs, ignorante und toxische Chefs, um Gründe, den Job zu schmeißen, und um aktuelle Streiks. Der Erfahrungsaustausch über miserable Arbeitsbedingungen ist rege und engagiert.
Die Kritik an der herrschenden Arbeitsmoral ist weniger theoretisch als konkret und pragmatisch: «Dein Chef ist doof? Kündige! – Derzeit findest du überall einen besseren Job, wenn du einen brauchst.»
Schade ist, dass bei aller Kapitalismuskritik die individuelle Lösung des Aussteigens vorherrscht. Schöner wäre es, wenn diese Kraft stärker zum Organizing und kollektiven Widerstand genutzt würde. Trotzdem bietet Reddit eine schöne Plattform zum Austausch gegen die herrschende Arbeitsethik, für ein klareres Klassenbewusstsein und gegen das Kapital als Ganzes.
Reddit ist gut strukturiert: Die User:innen können zu den Beiträgen Kommentare abgeben und jeden Kommentar wieder kommentieren. Alles ist schön optisch miteinander verknüpft und gut überschaubar. Beiträge und Kommentare können hoch- oder runtergevotet werden. Dadurch entsteht ein Ranking der beliebtesten Beiträge. User:innen, die sich einen Subreddit anschauen, können wählen, ob sie lieber die neuesten, die meistdiskutierten oder die beliebtesten Beiträge eines bestimmten Zeitraums anschauen wollen. Reddit ist als Diskussionsplattform optimal geeignet.


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