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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Das Los der Schmetterlinge

Nayantara Sahgal: Das Los der Schmetterlinge. Heidelberg: Draupadi, 2021. 114 S., 12 Euro
von Gerhard Klas

2015 gab die zeitlebens politisch engagierte Journalistin und Schriftstellerin ihren Sahitya-Akademie-Preis, die höchste literarische Auszeichnung in Indien, aus Protest gegen die hindu-nationalistische Regierung zurück. In ihrem neuen Roman werden Muslime in Lager getrieben, ihre Leichen über die Straße verstreut und Frauen von einem marodierenden Mob vergewaltigt.

Diese Gräueltaten bettet die 94jährige in den Lauf der Weltgeschichte ein und reflektiert dabei die Rolle der geistig und materiell Privilegierten in der Gesellschaft.
Der Roman beginnt mit einem Missverständnis: Prabhakar, ein Professor für Politikwissenschaften und Hauptfigur des Romans, schreibt eine Satire, die vom wichtigsten politischen Denker der Nation als ein Loblied auf die Zukunft Indiens gelesen wird. Daraufhin gratulieren ihm Rechtsextreme aller Couleur, bis hin zu europäischen Faschisten. Aber Prabhakar wird mit Ereignissen diskriminierender Gewalt konfrontiert, die ihm das unerwartete Lob übel aufstoßen lassen.
Prabhakar gehört zu den wenigen Menschen in Indien, denen es gelungen ist, sich aus den Zwängen ihrer Herkunftskaste zu befreien. Er kommt ursprünglich aus ganz einfachen Verhältnissen. Seine beiden Eltern kamen bei einem Unfall auf einer Baustelle ums Leben, wo sie als Hilfsarbeiter schuften mussten, er wurde dann von Nonnen aufgezogen. Jetzt, als Professor ganz oben angekommen, verliebt er sich in eine Menschenrechtsaktivistin aus Europa, die als einzige eine Massenvergewaltigung muslimischer Frauen überlebt hat.
Ihre Schilderungen vor Gericht gehen unter die Haut. «Eine höchst unglückliche Angelegenheit, höchst verwerflich», resümiert der Richter nach ihrer Zeugenaussage, «die Tat unbekannter Missetäter. Am besten, man vergisst es.»
Mehr noch als die Beschreibung der brutalen Ereignisse sind es solch lakonische Reaktionen, die über das Leiden der anderen hinweggehen, die eine steigende Beklemmung erzeugen. Ein anspruchsvoller Roman, der zum Hinsehen auffordert, nicht nur in Indien.


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