Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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PDF Version Artikellink per Mail  | Soz Nr. 12/2022

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Ende des Jahres ist vieles »gelaufen« – Ruhe zum Fest der Liebe wird gewünscht und nicht geschenkt. Die muss man sich schon selber besorgen. Am besten draußen und zu Fuß.

Wer einmal morgens beim Brötchenholen vorm Bäcker in der Fußgängerzone die wartenden Autos gesehen hat, die möglicherweise mehr als einen Kilometer gefahren sind, wird verstehen: Sage und schreibe rund 5 Kilometer nehmen die Fahrenden unter die Reifen, um für ein paar Euro vorm Frühstück einzukaufen. Sicher mit Klimaanlage – im Sommer zum Kühlen, im Winter zum Heizen. Da ein übliches Fahrzeug für diese kurze Strecke rund 12 Liter Sprit auf 100 Kilometer verbraucht, kommt ein guter halber Liter Benzin dazu. Es geht nicht um die direkten Kosten von vielleicht 1 Euro – es geht um die Frage, wo denn wirklich gespart wird an Benzin, Diesel und Feinstaub. Und wer die externen Kosten dieser Brötchentouren bezahlt.

Dass dieses Jahr wieder Temperaturextreme enthielt, ist schon Anfang November »gelaufen«, der gestiegene CO2-Ausstoß gegenüber dem Vorjahr ebenfalls. Alles wieder zurück wie vor der Pandemie – Flugreisen wie gehabt.
In den Wanderregionen der Mittelgebirge, etwa Sauerland, Schwarzwald, ist das Wandern wieder »in Mode« gekommen, gestört durch die unheimlich wachsende Menge an elektrisch angetriebenen Mountainbikes, die jeden Anstieg »mit Leichtigkeit« bewältigen. Auch hier die Frage nach dem Nutzen, dem Materialverbrauch, dem Energieverbrauch, dem Schaden für die Restnatur.

Zu Fuß gehen ist die Alternative. Dass Zu-Fuß-Gehen gesünder ist, hat sich ja sowieso herumgesprochen. Aber es ist auch die menschlich angemessenere Art der Fortbewegung. Von zu Haus einfach mal losgehen, ins Nachbarviertel, wo man vielleicht die Stadtentwicklung oder auch -fehlentwicklung sieht. Die Stadt mit anderen Augen sehen, gerade nicht in der Fußgängerzone. Bis zur Stadtgrenze, wo die eingehegte Natur anfängt. Pflaster unter den Füßen, Platten, Asphalt, Kiesel – aber man merkt auch, wenn es raus geht auf die Wege, wo Gras und Erde noch Platz haben, was den Füßen besser tut.
Was es anstelle von 1,5 bis 2 Tonnen Auto braucht, sind: gute Schuhe (am besten aus Leder – es sei denn, man ist Barfußgänger) und leichte Kleidung, eventuell ein bisschen zu trinken und zu essen, falls es länger dauert…
Was es auch braucht, ist der Wunsch, den direkten Kontakt zum Boden, zur Umwelt, zum Wetter zu spüren – die Erde trägt uns bisher noch gut, wenn wir zu Fuß sind.

Wie bekannt, gibt es in Deutschland für alles einen Verein: »FUSS e.V.« hat sich in vielen Städten gegründet. Er steht für »das freiwillige, individuelle (Gehen) mit seinen freiheitlichen, sogar anarchischen Qualitäten und seiner sozialen Schrankenlosigkeit«. Die zu Fuß gehenden Vereinsmitglieder sorgen für Fußwege, Übergänge, rollstuhlgerechten Ausbau, Platz und Ampelschaltungen.
Der »aufrechte Gang« auch als politischer Begriff – damit nicht alles andere »gelaufen« ist.

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