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PDF Version Artikellink per Mail  | Soz Nr. 07/2023

Das Volk der Yupka kämpft um sein Überleben
von der Redaktion

Eine Delegation des Volkes der Yupka aus Kolumbien kam am Ende einer mehrwöchigen Europatour durch fünf verschiedene Länder auf die Ökosozialistische Konferenz um zu berichten, was der Steinkohleabbau im Norden Kolumbiens an ihrem Land und ihrem Volk anrichtet. Sie werben dafür, dass wir den Konzernen, die in ihrem Land Steinkohle abbauen, und denen, die sie hierzulande kaufen, Dampf machen, dass die Rechte der indigenen Bevölkerung endlich anerkannt werden.

»Auf unseren Territorien leben 80 Prozent der bestehenden Arten, ohne uns gibt es keinen Klima- und Artenschutz«, sagen sie selbstbewusst.
Steinkohle wird dort im Tagebau gefördert, Flüsse werden dafür trocken gelegt, Berge abgetragen, Wälder abgeholzt und viel Chemie in den Boden gepumpt. Eine Landwirtschaft ist da nicht mehr möglich. Allein vom Land der Yupka betrifft das 140 Quadratkilometer (zum Vergleich: der Tagebau Garzweiler erstreckt sich über 31 qkm). Die Yupka sehen sich deshalb vom Aussterben bedroht, sie sind ein Volk von insgesamt 8000 Menschen, das vom Fischfang, der Landwirtschaft und der Waldnutzung lebt. Jährlich sterben 40 ihrer Kinder an Atemwegserkrankungen, die durch den Abbau verursacht werden; in anderen Gebieten sind es 3000 tote Kinder pro Jahr.
Die beiden Bergbaukonzerne, die dort das Land an sich reißen und zerstören, heißen Drummond (USA) und Glencore (Schweiz). Sie beliefern in Deutschland die Energiekonzerne Steag (Essen), EnBW (Ba-Wü), Uniper und RWE.
Seit die Sanktionen gegen Russland verhängt werden, ist der Export von Steinkohle nach Deutschland drastisch gestiegen – den Preis für die Sanktionen zahlen die indigenen Völker in Kolumbien. Gegen Glencore läuft in der Schweiz eine Klage, weil der Konzerne vor 20 Jahren Todeslisten erstellt hat. Die Firmen arbeiten eng mit den Paramilitärs zusammen, vertreiben die Bauern von ihrem Land und töten aktive Gewerkschafter. Auch Juan Pablo Gutierrez und Esneda Saavedra haben Morddrohungen erhalten; Juan Pablo hält sich deshalb derzeit im Exil auf.
Die Yupka fordern Reparationen und die Wiederherstellung ihres Landes. Reparationen sind im Rahmen der innerkolumbianischen Friedensverhandlungen vorgesehen, aber nur für die Opfer des bewaffneten Kampfes.
Von der eigenen Regierung fordern sie unmittelbar die Umsetzung eines Urteils des Obersten Gerichtshofs, wonach das Gebiet der Indigenen eine Demarkation erfahren muss. Dann müssen die Konzerne nicht mehr nur mit der kolumbianischen Regierung verhandeln, sondern auch mit den Indigenen selbst. Von uns in Europa möchten sie, dass wir in diesem Sinne Offene Briefe an den Staatspräsidenten Gustavo Pedro schreiben.

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