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PDF Version Artikellink per Mail  | Soz Nr. 01/2024

Die Coordination gegen Bayer-Gefahren feierte ihr 40.Jubiläum
von Peter Nowak

Anfang Dezember kam der brasilianische Präsident Lula mit großen Gefolge nach Deutschland. Das deutsche Kapital drängt auf die Verabschiedung des größten Freihandelsabkommens der Welt, des sog. EU-Mercosur-Vertrags. »Dass er aus unterschiedlichen Gründen nicht so schnell zustandekommen wird, sorgt für Zufriedenheit bei sozialen Initiativen in Brasilien wie in Deutschland.« So lautete eine Pressemitteilung der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) vom 1.Dezember 2023: »EU-Mercosur-Deal stoppen«.

Die Coordination gegen Bayer-Gefahren ist ein Netzwerk von Aktivist:innen, die seit Ende der 70er Jahre den Bayer-Konzern in den Fokus ihrer Kritik rücken. Dieser Konzern wäre auch ein großer Gewinner des Mercosur-Abkommens. »Neben VW & Co. profitieren vor allem BAYER und andere Chemiekonzerne von den Regelungen, denn bisher beliefen sich die Sätze für Autos auf 35 Prozent, für Chemikalien auf bis zu 18 Prozent und für Pharmazeutika und Pestizide auf bis zu 14 Prozent«, begründet die CBG ihre ablehnende Haltung zum Vertrag. Wer mehr Hintergründe dazu erfahren will, kann sie der Publikation Stichwort Bayer entnehmen.
Das Sprachrohr der CBG wurde 1983 gegründet. Am 4.November 2023 feierte die Coordination in Düsseldorf ihr 40.Jubiläum. Dazu hat das kleine Team, das die Zeitschrift Stichwort Bayer herausgibt, auch allen Grund. Schließlich gab es in den 80er Jahren viele Stadt- und Alternativzeitungen, die eine Gegenöffentlichkeit auch gegen Konzerngebaren herstellen wollten. Nur wenige haben überlebt. Doch Stichwort Bayer gibt es immer noch und wie sich auf der Tagung zeigte, wird die Publikation auch noch weiter dringend benötigt.
Wer sollte sonst den Blick hinter die Mauern dieses mittlerweile weltweit tätigen Konzerns richten? Wer sollte aufklären über die Kündigungen, aber auch die alltägliche Zerstörung von Mensch und Natur, die mit dem Bayer-Konzern und seiner Produktion verbunden sind? Wer sollte schließlich sonst darüber informieren, dass die besonders gravierenden, auch von den bürgerlichen Medien skandalisierten Umweltverschmutzungen oder die besonders krasse Überausbeutung der Beschäftigten der Normalzustand im Bayer-Betrieb sind?
Zu diesem ganz normalen Betrieb des Bayer-Konzerns gehört die Zerstörung von Umwelt und die Ausbeutung von Arbeiter:innen einfach dazu. Das sind keine Skandale, dass ist der kapitalistische Normalzustand. Dagegen Einspruch einzulegen, das war das Ziel von Stichwort Bayer seit der Gründung vor 40 Jahren.

Forum des globalen Widerstands
Mittlerweile sind sämtliche Ausgaben von Stichwort Bayer digitalisiert und können unter der unterstehenden Adresse abgerufen werden.
Die erste Ausgabe wurde 1983 noch mit Schere und Kleber zusammengebastelt. »Klein und bescheiden ist er zwar, der erste Rundbrief, aber oho«, so lautete 1983 die Parole der ersten Ausgabe. Doch gleich auf der ersten Seite steht auch, dass es erklärtes Ziel der Publikation ist, die bestehenden Initiativen von Gewerkschafter:innen bis Umweltschützer:innen zu unterstützen, die es vor 40 Jahren auch bei Bayer gab. Für die CBG ist das kein Widerspruch. Es gab immer Beschäftigte, für die eine gesunde Umwelt in ihren Arbeitsumwelt anfängt.
Wie an vielen Chemiestandorten gab es auch bei Bayer eine Arbei­ter:innengesundheitsbewegung, der es nicht egal war, ob Lohnabhängige durch die Arbeitsbedingungen krank wurden und früher starben. Wolfgang Hien, einer der Protagonisten dieser Arbeiter:innengesundheitsbewegung in der BRD, hat darüber in seinem im Mandelbaum-Verlag erschienenen Buch Die Arbeit des Körpers kundig informiert.
So wie diese Bewegung sind viele Initiativen, die im Rundbrief und später in Stichwort Bayer zu Wort gekommen sind, nicht nur mit dem Bayer-Konzern in Konflikt geraten, sondern auch mit Betriebsräten und Vorständen der zuständigen DGB-Gewerkschaft IG Chemie, die sich als die besseren Ko-Manager:innen gerierten. Immer wieder waren die Anträge der kritischen Aktionär:innen ein wichtiges Thema in der Zeitung und versetzen die Konzernspitze und viele Aktionär:innen in Rage.
Von Anfang an gab es in der Stichwort Bayer den globalen Blick. Die Machenschaften des Bayer-Konzerns auf allen Kontinenten und der Widerstand dagegen waren stets wichtige Themen. Wer kennt schon die peruanische Zeitung Sociedad y Política, die von 1972 bis 1983 herausgegeben wurde? Eine kleine Ausstellung informiert über sie unter dem Titel »Übungen zur Verwandlung« noch bis zum 14.Januar 2023 im Berliner Haus der Kulturen der Welt.
In der Zeitung fanden sich auch theoretische Texte zu Imperialismus und Staatskapitalismus. Dort setzte sich César Germana unter dem Titel »Si es Bayer …. Es bueno?« (Wenn es Bayer ist… ist es dann gut?) kritisch mit den Bau einer Fabrik des Konzerns in Peru auseinander.
Stichwort Bayer macht immer wieder deutlich, dass gar nichts gut wird, solange die Profitinteressen eines Konzerns im Mittelpunkt stehen. Daher ist sehr zu wünschen, dass Stichwort Bayer noch viele aufklärerische Beitrage aus aller Welt publizieren kann.

www.cbgnetwork.org

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