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PDF Version Artikellink per Mail  | Soz Nr. 03/2024

Gaskraftwerke mit CCS-Hintertürchen
von Klaus Meier

Die Ampelregierung hat Anfang Februar angekündigt, dass bis 2030 rund 20 neue Gaskraftwerke mit einer Leistung von 10 Gigawatt gebaut werden sollen. Sie sollen dann hochgefahren werden, wenn wenig Sonne scheint und großflächig Windstille herrscht. Also vor allem an windarmen, dunklen Wintertagen, sog. Dunkelflauten. Die neuen Gasmeiler sollen »wasserstoff-ready« sein. Das heißt, sie werden zunächst mit Erdgas betrieben, sollen in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre aber auf Wasserstoffbetrieb umgerüstet werden.

Teile der Union und der Industrie halten dies für zu teuer. Die Menge des freigesetzten CO2 sei vernachlässigbar, heißt es. Habeck sieht in diesen Kraftwerken aber die Möglichkeit, ab 2030 aus der Kohleverbrennung auszusteigen. Voraussetzung: Wind- und Sonnenstrom werden so ausgebaut, dass sie 80 Prozent des heutigen Stromverbrauchs decken.
Ob dies mit einer nachfolgenden Regierung Merz möglich sein wird, steht in den Sternen. Gleichzeitig hat die FDP ein fatales CCS-Hintertürchen in das Konzept der Gasmeiler eingebaut. Darin wird die Abscheidung von CO2 aus Kraftwerken und seine angeblich sichere unterirdische Lagerung als mögliche Lösung anerkannt. Das ist in Deutschland bisher nicht erlaubt. Insofern haben wir es hier mit einem politischen Dammbruch zu tun. Die Einlagerung von Kohlendioxid ist wissenschaftlich umstritten und es ist keineswegs sicher, dass das klimaschädliche Gas nicht nach einiger Zeit wieder an die Oberfläche gelangt. CCS gilt zudem als Taktik der Kraftwerkslobby, um fossile Energieträger weiter zu nutzen.
Für einen Kohleausstieg bis 2030 gäbe es aber eine Alternative. Vor­aussetzung wäre auch hier ein rascher Ausbau von Wind- und Solarenergie. Verbleibende Dunkelflauten könnten mit dem heute schon vorhandenen Biogas überbrückt werden. Derzeit wird der daraus erzeugte Strom noch gleichmäßig über das Jahr verteilt ins Netz eingespeist. Stattdessen müsste das Biogas zwischengespeichert und erst an energieärmeren Wintertagen verstromt werden. Technisch wäre das eher ein kleines Problem. Weitere verbleibende Stromlücken könnten zudem mit Biodiesel und Bioethanol geschlossen werden, die bisher völlig sinnlos dem Benzin an den Tankstellen beigemischt werden.
So könnte die Verbrennung fossiler Energieträger im Stromsektor rasch beendet werden. Dies wäre aber nur ein erster Schritt, denn die Dekarbonisierung des gesamten Energiesystems muss unmittelbar folgen.

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